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Letztens, am 14. Februar (Valentinstag) hatte ich auf Twitter und auch in der Schreibgruppe für Promovierende auf Facebook gefragt, was die Promovierenden an ihrer Dissertation besonders lieben. Die Frage habe ich gestellt, weil mir aufgefallen ist, dass viele Promovierende sehr gut darüber Bescheid wissen, was an der Dissertation nicht gut ist und was ihnen nicht gefällt. Das betrifft die Inhalte der Dissertation genauso, wie die Kontexte, in denen promoviert wird.

Dissliebe: Was ich an meiner Dissertation mag

Als erfahrene Anbieterin von Promotionscoaching weiß ich natürlich, dass das so nicht sein kann und dass es sehr wohl positive Seiten der Dissertation gibt. Und als Coach für Promovierende weiß ich natürlich auch, dass es sinnvoll ist sich mit diesen positiven Aspekten zu verbinden, um einerseits motiviert zu sein und andererseits mit sich selbst in der Rolle des oder der Promovierenden liebevoller umzugehen.

Wer fragt, bekommt eine Antwort

Die Antworten auf die Frage: „Was liebst Du in Deiner Dissertation“ waren dann doch überwiegend positiv und haben mich teilweise sehr berührt. Natürlich gab es auch einige Promovierende, die geschrieben haben, dass sie an ihrer Dissertation nichts bzw. nichts mehr lieben. Ja klar, dass gibt es auch und vielleicht ist das auch ein Zeichen dafür, die Dissertation nun endlich abzuschließen – weil 100% Zufriedenheit sind in der Promotion sowieso nicht machbar. Und logischerweise hat das „weniger-freundschaftliche“ Verhältnis zur Dissertation auch was mit Enttäuschungen zu tun, mit Plänen, die nicht funktioniert haben, mit fehlender oder konfliktträchtiger Promotionsbetreuung oder schwierigen Bedingungen in der Wissenschaft und den meist düsteren Karriereperspektiven.

Irgendwas ist immer gut an der Dissertation

Ich möchte hier aber besonders denjenigen eine Stimme geben, die einen liebevollen Blick auf ihre Dissertation geben konnten, auch weil sie für mich und hoffentlich auch für andere Quelle der Inspiration sind.

Freiräume und Wachstum

„Ich liebe an meiner Diss, dass sie mir Freiräume gibt und mich wachsen lässt. Und dass sie dabei nicht selten ihre ganz eigenen Wege geht. Und dass sie auf Valentinstage und Ähnliches nichts gibt.“

Eigene Kompetenzen und die Lust erleben

„Die zwei Wochen im Sommer meiner Abschlussphase, die ich an der Ostsee ohne Internet verbracht und das ganze Ding ziemlich komplett umgeschrieben habe. Von acht bis drei geschrieben, dann an den Strand gefahren bis zum Sonnenuntergang.“

Sich immer in den Fokus rücken

„Also ich liebe an meiner Dissertation, dass sie mit Kleinigkeiten gewitzt Aufmerksamkeit erhascht, wenn ich die Welt vergessen möchte, dass sie sich interessiert anschmiegt, sobald ich ihr etwas vorlese oder aufschreibe und dass sie stets treu zur Seite ist, selbst wenn ich ohne Lust bin ;)“

Neue Erkenntnisse

„Ich liebe an meiner Diss, dass ich inzwischen vieles besser verstehe, was ich vorher nicht verstanden habe und dass nun weiterhin einige Fragen offen sind, die ich in der Diss nie beantworten werde, nie beantworten kann.“

Nicht für die Bücher, sondern fürs Leben

„Ich liebe mein (neues) Thema! Auch, dass meine Diss interdisziplinäre Züge hat und Gespräche auf vielen Ebenen ermöglicht. Durch den Methodenmix und Interviews habe ich auch nicht das Gefühl Forschung für – und aus dem Elfenbeinturm zu machen.“

Begegnungen und Rollen-Diversität

„Die Begegnungen und den Austausch mit Interviewpartner*innen und anderen Wissenschaftler*innen, die wunderschönen Momente, wo alles plötzlich zusammenpasst und endlich Sinn macht, die schöne Erkenntnis, dass man gleichzeitig die fleißigste Ameise und die faulste Königin sein kann.“

Entwicklungsmöglichkeiten

„Ich darf mit meiner Dissertation neue Sachen lernen und mich voll mit einem Thema beschäftigen.“

„Ich mag an meiner Dissertation, dass bei ihr noch alle Möglichkeiten offen sind!“

 Zum Ende kommen

„… dass sie hoffentlich bald fertig ist.“

„Ich mag an meiner Diss, dass sie abgeschlossen und gestern in Buchform eingetrudelt ist.“

„Ich mag an meiner Diss, dass das Ende langsam absehbar ist (Erstversion ist in der Feedbackschleife bei Betreuern).“

„Dass sie bald fertig ist.“

Perspektivenwechsel

„Ich mag an meiner Diss, dass sie dafür sorgt, dass meine Wohnung so sauber ist (Spaß? – ich hinterfrage Dank der Dissertation mich und eigentlich alles immer wieder und das führt mich zu neuen Perspektiven auf mich und die Gesellschaft.“

Vermittlung und Verantwortung

„Ich mag an meiner Diss, dass sie neues Licht auf eine Gruppe von Menschen und eine Zeit wirft, die komplexer war als die Geschichtsschreibung sie darstellt.“

„Ich mag an meiner Diss, dass sie den Fokus von viel untersuchten Räumen auf die Peripherie verschiebt und Zusammenhänge in Erscheinung treten lässt, die bis jetzt in der Geschichtsschreibung noch nicht artikuliert worden sind.“

Selbstwirksamkeit

„Ich mag an meiner Diss, dass sie mir (obwohl auf den letzten Meter) immer noch Freude macht und mein Selbstwertgefühl pusht.“

Vernetzung

„Und dass sie mir trotz aller Heraus- und Überforderungen Türen öffnet.“

„Ich mag an meiner Diss, dass ich durch sie so viele tolle Menschen kennen lernen darf!“

„Sie ist die Kraft meiner Seele“

Danke auch für diese besondere Antwort. Insgesamt haben mich die meisten Antworten sehr berührt und neuerdings freue ich mich auf den Valentinstag, weil ich nächsten Valentinstag diese Frage wieder stellen werde.

Promotionscoaching

Im Promotionscoaching begleiten wir Promovierende und helfen ihnen, Lösungen zu sehen, indem wir einen Wechsel der Perspektive ermöglichen.
Und nicht nur im Promotionscoaching sollten Promovierende sich die Frage stellen, was sie an ihrer Dissertation mögen. Wer promoviert, sollte sich jeden Tag einmal eine Antwort auf die Frage: „was liebst Du an Deiner Dissertation“, stellen. Ja klar, manchmal kann man nur sagen, dass man genervt ist und seine Dissertation am liebsten auf den Mond schießen würde. Aber an vier von sieben Tagen sollte man schon eine positive Antwort finden.

Dr. Jutta Wergen

Du bekommst von mir hilfreiche Unterstützung in Deiner Promotionsphase. Ich habe in meinen Beratungen, meinen Coachings und Workshops, on-und offline, hilfreiche und passgenaue Coachinginstrumente und Tools entwickelt. 

Dabei lege ich den Fokus auf die praktische Umsetzung und die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit von Promovierenden.

Coachingzonen-Wissenschaft habe ich 2014 gegründet. Hier biete ich, mittlerweile mit einem Team Online-Kurse für Promovierende an.

Ich kenne das Feld der Wissenschaft seit vielen Jahren und kenne die Strukturen der Nachwuchsförderung sowie die Besonderheiten von Promotionen. Ich weiß daher, welche typischen (und untypischen) Probleme und Fragen Promovierende haben können und kenne und entwickle mit Promovierenden gemeinsam die individuell passenden Antworten und Lösungen.

Ich arbeite seit 2001 als Coach und Trainerin mit Promovierenden. Zunächst habe ich Graduiertenprogramme koordiniert, Weiterbildungen konzipiert und angeboten. Selbstverständlich habe ich dazu selbst verschiedene Aus-und Weiterbildungen absolviert.

Als Trainerin und Coach biete ich an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen für Promovierende Workshops und Coachings an.