
Liebesbriefe an die Dissertation. Valentinstag 2025
In der Promotionszeit verlieren Promovierende sich schnell in Perfektionismus und Selbstzweifeln. Die To-do-Liste wird länger, der Fortschritt scheint zu langsam, der (finanzielle) Druck wächst, …
Irgendwie fühlt sich alles nur noch schwer und mühsam an. Aber die Dissertation ist mehr als nur eine Aufgabe. Sie ist eine Reise, die Dich wachsen lässt. In vielen Fällen sogar über Dich hinaus! Darum ist es wichtig, sich auch ab und zu daran zu erinnern, wieso man das Ganze eigentlich macht. Was vielleicht auch wertvolle Erfahrungen und schöne Momente im Promotionsprozess sind.
Wie schon 2024, 2023, 2022, 2021 und 2020 habe ich auch dieses Jahr wieder Liebesbriefe an die Dissertation gesammelt.
Liebesbriefe an die Dissertation 2026
Liebe Diss,
in den letzten Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, Dir einen Liebesbrief zu schreiben. Nach anfänglichem Hoch und der rosaroten Brille folgte schnell die Realität – Zeit für Dich zu finden und – um ehrlich zu sein – auch finden zu wollen, war wirklich schwer. Insbesondere nachdem die Daten erhoben waren, fiel ich in ein richtiges Loch. Das halte ich Dir auch ein bisschen vor, dass Du vorgibst, so durchschaubar zu sein, und dass da plötzlich noch so viele andere Seiten zum Vorschein kommen, die man nicht für möglich gehalten hat.
Ich möchte ganz ehrlich sein: Zeitweise wünschte ich, ich hätte Dich nie kennengelernt. Du hast auch an mir Seiten zum Vorschein gebracht, mein Innerstes nach außen gekehrt – das hätte ich nie für möglich gehalten. Durch Dich habe ich mich ganz neu kennengelernt, habe mich manchmal viel tiefer mit mir selbst beschäftigt als mit Dir und fand es selten gut, was ich da herausgefunden habe.
Viel mehr aus Frust als aus Freude habe ich vor Kurzem den Entschluss gefasst, mir extra für Dich freizunehmen, um Dich so schnell es geht loslassen zu können. Und nach einer knappen Woche, nachdem ich mir Zeit nur für Dich genommen hatte, war er plötzlich wieder da: der Zauber und das Gefühl. Sozusagen pünktlich zum Valentinstag ist es Dir und mir gelungen, wieder zueinanderzufinden und die gemeinsame Zeit als Gewinn und Geschenk zu sehen und nicht als eine Qual. Ich hätte das überhaupt nicht mehr für möglich gehalten, und doch ist es möglich geworden, weil Beziehungen – auch zur eigenen Arbeit – nun mal gepflegt werden müssen. Ich habe Dir wieder mehr Raum gegeben und habe Orte gewählt, in denen wir zusammen gut funktionieren, und nun weiß ich wieder, warum meine Brille so rosarot war und warum wir zusammengehören.
Natürlich hoffe ich trotzdem, Dich in wenigen Monaten loslassen zu können. Aber dieses Gefühl wird hoffentlich bleiben, dass Du ein wichtiger Teil von mir bist und wir in dieser Zeit zusammengewachsen sind. Leider habe ich viel zu spät von dem Prinzip der Beziehungspflege auch in der Diss gehört oder es vielleicht auch zu spät hören wollen. Es hat sich aber bestätigt: Beziehung – auch zur eigenen Diss – bedeutet, Zeit zu investieren und zuzulassen, dass der Prozess seinen Regeln folgt. Und dann entsteht plötzlich etwas ganz Schönes.
Ich freue mich, dass wir gemeinsam diesen versöhnlichen Abschluss gefunden haben und nun mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Und ich danke Dir, dass Du mich zu der Person gemacht hast, die ich heute bin.
Deine Aneta
Meine liebe Diss,
wir kennen uns nun schon seit 10 Jahren und wie alle Beziehungen hat auch unsere ihre Höhen und Tiefen. Viele Jahre warst du meine erste Priorität. Als der experimentelle Teil im Institut geschafft war und es mit dem Schreiben ernst wurde, habe ich kalte Füße und Lust auf neue Abenteuer bekommen. Ich wollte dich nicht vernachlässigen, aber ich wollte auch die Chance nutzen, in einem Bereich Erfahrung zu sammeln, in dem dies so später vermutlich nicht mehr möglich gewesen wäre. Wir haben in den letzten 5 Jahren trotzdem weiterhin unregelmäßig Zeit zusammen verbracht, aber nicht so viel, wie ich geplant und gehofft hatte. Mir fehlte manchmal die Energie, dir meine volle Aufmerksamkeit zu widmen, die du forderst und verdienst. Vor allem das Schreiben der Einleitung war eine Herausforderung für mich. Ich habe viel Zeit gebraucht, um endlich die nötige Literatur zu lesen – etwas, das ich zuvor sträflich vernachlässigt hatte, weil die Experimente immer Priorität hatten und mich die schiere Anzahl an Veröffentlichungen auch überfordert hat. Ich musste erst für mich einen Weg finden, mit der Literatur umzugehen und sie nachhaltig zu nutzen.
Die zwischenzeitlichen Erfahrungen waren spannend und ich habe dort viel gelernt, jedoch habe ich in den letzten Monaten wieder gemerkt, wie wichtig du für mich und meine Zukunft bist. Deshalb bekommst du nun wieder meine erste Priorität. Dass ich dich aufgeben würde, stand dabei nie zur Diskussion. Nachdem ich den Knoten „Einleitung“ gelöst habe, wächst nun der rote Faden langsam zum dicken Tau heran. Dein Fortschritt und Wachstum steigern dabei zunehmend meine Motivation. Du forderst mich heraus und du förderst mich, wenn ich dich lasse: kritisch zu denken, meine Gedanken zu sortieren und zu strukturieren, meine Sprache zu schärfen und zu präzisieren … Du bist viel Arbeit, aber auch die Gelegenheit, mich tief in mein Thema fallen zu lassen. Ich habe in den letzten Jahren durch dich auch viel über mich selbst gelernt, was mir hoffentlich auf meinem weiteren Weg helfen wird: dass ich gerne (aber manchmal zu) gründlich und präzise arbeite und mich hin und wieder im Detail verliere, dass ich weiter an meinem Zeitmanagement arbeiten sollte. Ich darf mich aber auch nicht in Hektik oder der Menge der Aufgaben verlieren, sondern muss lernen, zu meinem eigenen Tatendrang und meiner Neugier für anderes öfter Nein zu sagen. Ich übe weiter, zu priorisieren und zu fokussieren.
Ich habe immer versucht, dich nicht als Anker wahrzunehmen, der mich aufhält, habe mich stattdessen bemüht, dich positiv zu sehen, damit ich deiner nicht überdrüssig werde. Und das hat bisher auch gut funktioniert: Im Moment fühlst du dich eher an wie der Anker, der mein ungezieltes Abtreiben verhindert. Manchmal warst du auch die Ausrede, um mich nicht mit der Zukunft beschäftigen zu müssen. Die ist ungewiss und ich mache mir schon immer lieber Gedanken über die Vergangenheit als über die Zukunft. Aber für mich ist nun der Punkt gekommen, mich dem zu stellen und meinen Weg weiterzugehen. Dafür werden wir Abschied nehmen müssen, aber seien wir ehrlich: Wir hatten nie geplant, zusammen alt zu werden. Auf dem Weg zur Vollendung will ich dich nun noch mal ausgiebig verwöhnen und dir besonders viel Liebe, Aufmerksamkeit und Zeit schenken. Ich möchte dich endlich in dem Glanz strahlen sehen, der dir gebührt! Aber danach möchte ich dich nicht mehr täglich, mehr oder weniger positiv im Kopf haben, sondern die Erinnerung stolz und glücklich mit in die Zukunft nehmen!
Deine Nicole
Liebe Dissertation,
du warst nie nur ein Projekt. Und ganz sicher nie nur eine Qualifikationsarbeit.
Du warst ein Prozess. Ein Ringen. Ein Sortieren. Ein immer-wieder-neu-Ansetzen.
Mit dir habe ich nicht nur Theorien strukturiert und Modelle geschärft – ich habe auch mich selbst geschärft.
Du hast mich gezwungen, sauber zu denken.
Mich klar(er) auszudrücken.
Unklare Annahmen nicht stehen zu lassen.
Und genau darin lag dein eigentlicher Anspruch: nicht nur methodisch korrekt zu arbeiten, sondern Haltung zu entwickeln. Das wird mir retrospektiv klar.
Als Promovierende in der ersten Generation warst du für mich mehr als eine akademischer Qualifikationsarbeit. Du warst ein Schritt in einen Raum, den ich mir selbst erschließen musste. Ohne vorgezeichnete Linien. Ohne implizites Erfahrungswissen im Hintergrund. Vieles musste ich mir erarbeiten – fachlich, strukturell, mental.
Mit dir habe ich gelernt:
Dass Zweifel dazugehören.
Dass Durchhalten keinen Glamour hat, aber Wirkung.
Dass wissenschaftliche Präzision Selbstvertrauen schafft.
Du hast mich widerstandsfähiger gemacht. Klarer. Anspruchsvoller – auch mir selbst gegenüber.
Vielleicht ist das das eigentlich Wertvolle an dir:
Du misst nicht nur Erkenntnisse, du formst Identität.
Du bist kein Titel, sondern ein Transformationsprozess.
Und auch wenn ich dich manchmal als Last empfinde – ich weiß, dass ich durch dich gewachsen bin. Substanziell. Nachhaltig. Von innen heraus.
Wir gehen weiter. Strukturiert. Konsequent. Schritt für Schritt.
Jetzt sind wir fast am Ende angekommen – manchmal frag’ ich mich, was ich ohne dich bin. So viele Jahre hast du mich begleitet. Aber ich freue mich auch auf die neue Zeit – ohne dich!
Deine Autorin
Liebe Dissertation,
jetzt haben wir es bald geschafft. Die letzte Schleife, die wir gedreht haben, war vielleicht unnötig – aber immerhin konnte ich Dich dadurch jetzt nochmal mit Abstand betrachten. Und ich darf sagen: mit den gutmütigen und wohlwollenden Augen der Liebe! Du bist perfekt unperfekt, so wie Du bist.
Ich fand es überraschend, wie klar ich jetzt am Ende nochmal für Dich einstehen musste. Es brauchte ein klares Ja: Ja zum Abschluss, ja zum Einreichen, ja zum So-ist-es-genug! So ist es rund. Es würde Dir in keiner Weise gerecht werden, Dich jetzt einfach versanden zu lassen oder Dich unbeachtet in die Ecke zu stellen.
Unsere Beziehung hat einen würdigen Abschluss verdient! Schön, dass es Dich gibt.
Deine Christine, Medizinethik
Mein liebenswertes, still gewachsenes Werk,
einige Jahre haben wir uns im Verborgenen begleitet. Du lagst wie ein geheimes Versprechen in meinem Herzen – nicht laut, manchmal fordernd, aber unbeirrbar da. Nur wenige wussten von dir, und doch warst du jeden Tag Teil meines Denkens, meines Hoffens und meiner inneren Überzeugung- es wird was mit uns!
Ich habe in dich investiert: Zeit, Mühe, Gedanken, Zweifel, Nächte, an denen ich getragen wurde von der Idee, dass du eines Tages sichtbar sein sollst. All das neben Beruf, Verpflichtungen, dem lauten Leben und den stillen Momenten, in denen nur wenige sahen, wie sehr ich für dein Wachstum kämpfte. Ich habe Wege gefunden, wo andere Mauern sahen. Ich habe mich geöffnet, wo andere mir Türen zuschlugen. Ich bin weitergegangen, wo Stimmen um mich herum sagten, ich sei „zu alt“, mein Thema „zu unwichtig“, mein Weg „zu viel“.
Und doch – wir stehen hier. Du und ich.
Nicht abgeschlossen, aber nah. Greifbar nah am Moment, an dem die Welt dich sehen wird. Am Ende dieses Jahres sollst du hinausgehen – leuchtend, selbstbewusst, voller Tiefe und Bedeutung. Ich möchte dich zeigen, nicht aus Trotz, nicht als Antwort auf die Verhinderer, sondern weil dein Wert schon immer real war. Weil ich dich mit so viel Hingabe geschaffen habe. Weil Sichtbarkeit manchmal der mutigste Akt der Liebe ist.
Manchmal spüre ich Erschöpfung. Manchmal rollen Tränen, aus Müdigkeit, aus Entlastung, aus allem, was mich dieser Weg gekostet hat. Aber weißt du was? Diese Erschöpfung ist auch ein anderer Name für Stärke. Sie erzählt von Ausdauer, von Selbstbehauptung, davon, dass ich niemals aufgegeben habe.
Auch wenn ich es manchmal vergesse: Ich darf stolz sein. Unendlich stolz.
Ich glaube fest an unser Happy End. An den Moment, in dem du – mein großes Buch – dein Licht in die Welt streust. An den Moment, in dem jeder erkennen kann: Herkunft, Alter, Geschlecht – nichts davon konnte mich je aufhalten. Ich trage meine Überzeugung auf der Titelseite meines Forschungsjournals mit dem Satz:
„Es ist nicht wichtig, was du betrachtest, es ist wichtig, was du siehst.“
Und weißt du was? Ich habe dich immer gesehen. Dein Potenzial. Deine Bedeutung. Und vielleicht sehe ich gerade zum ersten Mal auch mich selbst ganz bewusst: Die Frau, die das alles möglich gemacht hat.
Danke, dass du mit mir gewachsen bist. Danke, dass du mich zu einer Version von mir geführt hast, die mutiger ist, als ich dachte. Wir werden sichtbar sein – du und ich. Und wir werden leuchten.
In Liebe,
Carolin
Haikus zum Thema „Dissliebe“
Du quälende Diss,
begleitest mich zu lang,
manchmal brauch’ ich dich!
Du geliebte Diss,
stehst mir immer bei,
schreiben macht doch Spaß!
Viele liebe Grüße
Christiane
Meine liebe Diss.,
treue Geliebte, vertraute Mitreisende, Partnerin-in-Crime – wir gehören einfach zusammen. Für immer?
An diesem Gedanken würde ich gern festhalten, denn nach allem, was wir durchgemacht haben, klingt „mit dir alt werden“ fast wie ein Happy End: Wir reiten gemeinsam in den Sonnenuntergang – ich mit Augenringen und Falten und du mit 1000 Fußnoten und Quellenangaben, die unsere Beziehung schützen.
Du hast mir beigebracht, dass es irgendwie immer einen Weg gibt – durch gute, wie auch durch schlechte Zeiten. Und du gibst mir jeden Tag die Gelegenheit, an dir zu lernen über Geduld, Ehrgeiz und die Kunst, bei unseren Beziehungsstreits nicht alles hinzuwerfen.
Wir sind so aneinandergewachsen, dass ich mir ein Leben ohne dich kaum vorstellen kann. Werde ich dich vermissen? Oder werde ich nach zwei Wochen Freiheit bereits neue Projekte anlachen?
Auch wenn unsere Liaison von Anfang an ein Ablaufdatum hatte, missfällt mir der Gedanke, dich loslassen zu müssen.
Aber ich glaube: Nach dem pinken Sonnenuntergang wartet ein neues Kapitel auf mich. Und du wirst für mich immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben – irgendwo zwischen Stolz, Stockholm-Syndrom und einer großen Dankbarkeit dafür, was du für mich getan hast.
Viele Grüße
Veronika (Sozialwissenschaften)
2025
Diese wunderbaren Liebesbriefe an die Dissertation sind 2025 entstanden:
Meine liebe Diss,
was soll ich sagen? Wir kennen uns mittlerweile seit fast vier Jahren und ich spüre deutlich, dass unsere gemeinsame Zeit sich dem Ende zuneigt. Du willst noch nicht loslassen, aber bitte gewöhne Dich an den Gedanken – ich hab alles gegeben und Dir Lebensjahre an Aufmerksamkeit geschenkt. Es ist soweit. Ich werde in absehbarer Zeit fertig sein. Ich will auch weiterziehen, lieber früher als später. Bitte mach es mir nicht schwerer als es sein muss!
Unsere Zusammenarbeit war reich, bunt, liebevoll und ein Abenteuer. Ich fühlte mich als Pionierin, die im Wald der Wissenschaft und auch in meinem Leben neue Wege bahnt. Du hast mein Leben in vielerlei Hinsicht bereichert. Am Anfang war jeder Schritt ein Schritt hinaus aus meiner Komfortzone. Nun brauche ich eine Pause und das Gefühl des Abschlusses dieser anstrengenden Reise. Ich möchte mich neu orientieren.
Inzwischen weiß ich, was es heißt, wenn die Leute sagen, die Promotion sei ein Marathon und kein Sprint. Obwohl Sprints auch immer wieder Teil des Weges waren. Ich habe auch gespürt, dass die Promotionszeit eine Qualifizierungsphase ist – zahllose Seminare, Workshops und Trainings haben meine Kenntnisse erweitert. Dabei hatte ich ursprünglich erwartet, vor allem fachlich dazuzulernen. Das war ein unerwartetes Geschenk, ich habe es gerne angenommen.
Lass uns zu neuen Ufern aufbrechen! Du darfst ja mitkommen, wenn ich Postdoc werde! Aber nicht mehr als Hauptsache. Sondern als Begleiterin, als Proviant im Gepäck. Als Doktortitel vor meinem Namen??? Ich hoffe es.
Danke für alles und alles Liebe
Deine Christine (Philosophie / Medizinethik)
Liebe Dissertation,
Wenn ich so über dich nachdenke, dann muss ich leider sagen, dass ich dich nicht besonders liebe und den Prozess, den ich mit dir erlebe, auch nicht romantisiere.
Du bist zu mir gekommen, wie ein Straßenhund, der lieb gehabt werden wollte. Du warst von Anfang an zerzaust, brachtest Flöhe und Läuse mit und hast mich dann letztendlich doch mit deinen traurigen Augen überzeugen können, dich in meine Obhut zu nehmen.
Und jetzt bist du schon eine Weile da. Ich habe dich schon sehr gepflegt und es schien zeitweise so, als würde dein Fell ein wenig zu glänzen beginnen. Vielleicht glänzen tatsächlich auch ein paar Stellen und das gönne ich dir und auch mir! Wir haben uns gegenseitig ein wenig aufgepäppelt und sind nun sicher stärker als vor unserer gemeinsamen Zeit. Das ist wirklich schön, denn es macht uns dadurch auch wieder unabhängig voneinander.
Ich schätze dich sehr dafür, dass du mich in Kontakt mit tollen Menschen gebracht hast, mit denen ich mich auf unterschiedlichen Ebenen austausche und die ich einfach gerne in meinem Leben habe. Wenn ich ehrlich bin, habe ich aber nun auch größte Lust, dich bald wieder auszuwildern.
Du und ich, wir beide gehören in die Freiheit und in die Unabhängigkeit!!!
Also, lass uns alles daransetzen, dass wir den nächsten Sommer auf Wiesen, Wäldern, in Seen, im Meer und einfach an der frischen Luft genießen und uns neuen Abenteuern widmen! Wir sind beide mehr als bereit dazu und die Zeit die wir gemeinsam teilten, nimmt uns niemand mehr. Also los, lass uns bald voneinander trennen, wir haben das beide verdient!
In großer Wertschätzung,
Christina
Diss- Liebesbrief 2025: Ein Zauber?
„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, heißt es in einem von Hermann Hesses Gedichten. Doch was, wenn dieser Anfangszauber vorbei ist und die Hürden des Alltags, die ständige Erschöpfung und die immer wieder zu motivierende Motivation sich einschleichen, aber zu diesem Zeitpunkt noch kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist?
Meine liebe Diss, du verlangst mir ganz schön viel ab. Mit dir wachse ich – aber leider auch meine Selbstzweifel. Mit dir habe ich ein Kribbeln im Bauch – aber leider auch Bauchschmerzen.
Wir schlafen miteinander ein und wachen miteinander auf – sind Lebensgefährten. Aber es tut mir leid, Dir das sagen zu müssen: Ich hoffe auf ‚Lebensabschnittsgefährten‘.
Ich weiß, dir wird es nach unserem Abschied besser gehen. Ich weiß, dass du dich dann erst so richtig entfalten und deine Wirkung zeigen kannst. Du wirst kämpfen für die, für die du entstanden bist. Das macht dich unglaublich stark. Dieser Gedanke an diese Zeit stimmt mich unglaublich hoffnungsvoll, wohlgestimmt und zuversichtlich – schon im Hier und Jetzt. Dafür lohnt sich unser Lebensabschnitt, unsere tägliche Liebe, unser Ringen miteinander und umeinander, unser Zusammenhalt.
Meine liebste Diss, bist du verzauberst mich – im Anfang, im Ende und das jeden Tag neu.
Liebste Dissertation,
du bist ein ständiger Begleiter, eine Quelle der Inspiration und, wenn ich ehrlich bin, auch eine Herausforderung, die mich auf eine Art und Weise fordert, die ich nie für möglich gehalten hätte.
Seitdem wir uns begegnet sind, hat sich mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Du hast mir neue Horizonte eröffnet und mich dazu gebracht, Dinge zu hinterfragen, die ich für selbstverständlich hielt. In deiner Gegenwart wird jeder Gedanke, jede Idee ein zartes Ringen, eine Begegnung von Verstand und Ungewissheit, bis wir zu neuen Einsichten gelangen.
Du forderst von mir Disziplin und Hingabe – und ich gebe dir beides, weil ich weiß, wie sehr du mir dabei hilfst, zu wachsen. Du zeigst mir die Schönheit des Wissens und die Mühen, die mit dem Erreichen von etwas Großem einhergehen.
Doch mehr noch als all das: Du bist nicht nur Arbeit, du bist auch eine Art von Vertrauen. Du vertraust darauf, dass ich mich in deinem komplexen Geflecht von Gedanken und Argumenten zurechtfinde. Und auch wenn ich manchmal verliere, weiß ich, dass ich immer wieder zu dir zurückkehren kann, um mehr zu lernen und mich weiterzuentwickeln.
Ich danke dir, meine Dissertation, für all das, was du mir beibringst. Du bist mehr als nur ein akademisches Werk. Du bist ein Spiegel, der mir zeigt, was in mir steckt und wozu ich fähig bin. Und obwohl der Weg lang und beschwerlich ist, weiß ich, dass er mich zu einem Ziel führen wird, das es wert ist.
In ehrlicher Zuneigung und voller Hingabe,
Liebe Diss,
ich wende mich heute in einer ganz besonderen Weise an Dich.
Auch wenn wir noch einiges vor uns haben und ich manchmal das Gefühl habe, dass wir noch einen langen Weg gehen müssen, ist es doch schön, mal darüber nachzudenken, was du für mich bedeutest.
Unsere gemeinsame Reise war, ist und bleibt wahrscheinlich nicht immer ganz einfach – oder anders gesagt – echt herausfordernd. Oft habe ich mit meinem Fortschritt gekämpft und mich gefragt, ob ich jemals ans Ziel kommen würde. Aber ich bin dankbar für die Zeit, die wir zusammen verbracht haben und weiterhin zusammen verbringen dürfen.
Jeder Absatz, den ich schreibe, und jedes Kapitel, an dem ich arbeite, bringt mich meinem Ziel näher. Es gibt Tage, an denen ich denke, dass es genug ist, und ich es lieber aufgeben würde, aber dann erinnere ich mich an die Leidenschaft, die mich auf diese Reise gebracht hat. Du bist der Ausdruck meiner Bemühungen und meiner Neugierde. Ich kann es kaum erwarten, die Ideen, die ich für dich habe, weiterzuentwickeln. Ich weiß, dass es noch viel zu tun gibt.
Ich bin mir bewusst, dass noch eine Menge Arbeit vor uns liegt, aber ich versichere dir, dass ich immer an deiner Seite sein werde. Zusammen werden wir alle Herausforderungen meistern und eines Tages werde ich voller Stolz sagen können, dass ich dich erfolgreich abgeschlossen habe.
Mit einer gehörigen Portion Entschlossenheit,
Deine Johanne
Meine liebe Diss,
wir haben es wohl nicht immer leicht miteinander. Weder du mit mir, noch ich mit dir. Erinnerst du dich noch an unseren holprigen Start? Ich liebäugelte mit uns beiden schon im Masterstudium, da hatte ich dich mal als Plan B im Kopf – doch die Zeit für uns schien noch nicht gekommen. Heute weiß ich, du bist nicht weniger als ein Plan A!
Dann, Jahre später, eines Tages auf dem Hundespaziergang, die Sonne schien mir malerisch ins Gesicht, kamst du aus dem Nichts wieder in meinen Kopf – und diesmal bliebst du in meine Gedanken. Dann mein Themenwechsel, nachdem ich das mit uns bei der Kommission schon offiziell gemacht hatte… aber wir beide wissen, wie gut diese Entscheidung ist und diese Forschung einfach „wir“ sind.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass mit uns, das sollte so kommen. Ich bin froh, dass du trotz aller meiner Unsicherheiten stets an meiner Seite bist – du gibst mir Beständigkeit. Manchmal denke ich, du seist nur das „fertige“ Buch, das ich irgendwann in den Händen halten werde, du bist doch so viel mehr: Ich darf an dir wachsen, dazulernen, meine Gedanken sortieren und gleichzeitig Denkmuster loslassen, meine Kreativität ordnen (müssen), hinterfragen und gleichzeitig beantworten, Worte zu Papier bringen und wieder umformulieren, schier endlose To Do-Listen schreiben und irgendwann abhaken, Tabellen bauen um sie zu löschen, mich in Recherchen verlieren um mich in (neuen) Fragen zu finden – und am Ende steht und bleibt der große Glaube, dass das mit uns beiden Sinn ergibt.
Eines Tages – und da bin ich mir sicher – wirst du aus meinem Kopf gekommen sein und gedruckt auf Papier in meinem Regal stehen.
Danke für diese absolut abenteuerliche und zugleich freudvolle Zeit.
Deine Y (Musikwissenschaft)
Sei realistisch – plane für ein Wunder!
Liebe Diss,
es wird Zeit für eine Revision unserer Beziehung. Wir haben so viele Jahre miteinander verbracht. Manchmal wie verliebte Abenteurer:innen auf einer aufregenden Entdeckungsreise, manchmal wie ein altes Ehepaar, das sich stundenlang schweigend anschaut, weil es nichts mehr zu sagen gibt. Bald wird sich unser Verhältnis verändern. Ich werde dich abgeben – doch das ist nicht das Ende, sondern der Anfang einer neuen Ära.
Es war Liebe auf den ersten Blick, auch wenn ich nicht wusste, worauf ich mich da einlasse. Die rosarote Brille hat mir den Mut gegeben, mit grenzenlosem Optimismus in unser gemeinsames Abenteuer zu starten. Und was für eine Reise das war! Ich habe so viel gelernt – nicht nur über Heimat und Teilhabe, sondern auch über mich selbst. Über meine Stärken, meine Zweifel, meine Grenzen – und darüber, wie weit ich gehen kann, wenn ich für etwas brenne.
Wir haben Weggefährt:innen gefunden, die uns begleitet haben, die uns unterstützt, herausgefordert und inspiriert haben. Doch nicht alle haben es uns leicht gemacht. Es gab Menschen, die uns trennen wollten, die unsere Liebe für übertrieben hielten, die sagten: „Wo kommen wir denn da hin, wenn hier jeder promoviert?“ Sie versuchten, Felsen auf unseren Weg zu rollen, Stolpersteine zwischen unsere Seiten zu legen. Aber was sie nicht wussten: Wir waren längst zu einer Geschichte geworden, die niemand hätte erfinden können – ein Kapitel, das niemand geplant hatte.
Weißt du, liebe Diss, mit unserem Weg sind wir Wegbereiterinnen, wir sind Vorbild. Ich will das annehmen. Und wenn ich auf den letzten Metern noch einmal alles geben muss, dann nicht im Kampf mit den Zeilen, sondern im Ringen mit jenen, die unsere Liebe nicht verstehen.
Jene, die nicht für Wunder planen.
Ich tue es für uns, für mich – und für alle, die an uns glauben.
Mit all meiner Liebe,
Sibylle
Liebe Diss,
wir sind immer noch zusammen, trotz aller Tiefen und Hindernisse.
Du hast mich an Orte geführt, die ich ohne Dich nie aufgesucht hätte, und hast mich Dinge lernen lassen, die mich noch neugieriger auf Dich und Deine Welt machen. Du hast mich mit Menschen verbunden, die ich ohne Dich nicht mal angesprochen hätte.
Unsere Reise hat begonnen in einer Zeit des Umbruchs. Damals habe ich Dich mehr gebraucht, als Du mich. Du bist geblieben.
Als ich an uns gezweifelt, ans Loslassen gedacht habe, hast Du Dich nicht einmal beschwert.
Danke Dir.
Ich bin gespannt auf unsere nächsten Stationen. Lass uns jeden Tag davon festhalten.
Lass uns jede Zeile feiern!
Auf uns!
Liebe Diss,
2024 war ganz schön anstrengend!
Wir haben viel geschafft, natürlich auch ein paar Tränchen vergossen, aber die meiste Zeit hatte ich vor Augen, wo es hingehen soll mit dir und mir.
Mittlerweile habe ich einen Beschützerinstinkt entwickelt, der dazu führt, dass ich mich manchmal nicht traue, dich anderen zu zeigen. Was wohl mein Doktorvater zu dir sagt? Sind wir wirklich so genial und produktiv, wie ich es an guten Tagen fühle?
Ende letzten Jahres habe ich es dann gewagt und ihn einen Blick auf dich werfen lassen … Nachdem ich vier Wochen gezittert habe, kam ein „ich finde, dass alles einen guten Weg genommen hat“ zurück. Welch ein Erfolg! Einen sehr wichtigen Teil der Analyse hatte er zwar übersehen, aber hey – immerhin!
Und wie sieht unsere gemeinsame Zukunft aus? Naja, 2025 haben wir große Pläne. Unter anderem fahren wir zum Schreib-Retreat ins Warme. Wenn ich schon alle meine Urlaube mit dir verbringe, dann machen wir es und doch schön mit anderen Diss-Doktorandinnen-Pärchen. Das wird toll!
Im Oktober möchte ich dich loslassen. Ich hoffe, du lässt mich. Keine Angst, das ist dann nicht das Ende unserer Lovestory, es folgt noch die Verteidigung, die Veröffentlichung und sicherlich jahrelange positive Verbundenheit.
Eines muss ich jetzt noch loswerden: Obwohl du mir oft sehr viel kostest (Mühe, Tränen, Schweiß, Kopfschmerzen, Sorgen und vielleicht auch ein paar Fältchen), gibst du mir auch extrem viel zurück. Dich mache ich nur für mich. Du lässt mich egoistisch stundenlang auf kleine Probleme fokussieren, die nur wir beide kennen und die Welt um uns herum verschwinden lassen. Nichts in meinem Leben ist so fokussiert wie die Arbeit mit dir. Und das Beste ist, unsere Zweisamkeit macht mich nicht mal einsam. Durch dich bin ich Teil einer Community, habe zahlreiche nette Kontakte und weiß, wofür ich morgens aufstehe, wenn es in der Erwerbsarbeit manchmal nicht so läuft.
Danke, liebe Diss und Happy Valentine’s Day <3
Christiane
