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Soll ich kumulativ promovieren oder nicht? Welche Vor- oder Nachteile hat eine kumulative Promotion? Das ist die Frage, die sich Promovierende stellen, die eine kumulative Promotion in Erwägung ziehen. Und diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Es kommt darauf an, ob eine kumulative Promotion in der Promotionsordnung vorgesehen ist und die Promotionsbetreuung dieses Vorhaben unterstützt. In Forschungsprojekten mit hohen Publikationsanforderungen ist eine kumulative Promotion oft eine gute Wahl. Ausschlaggebend ist auch das Fach, ist es eher üblich viele Paper zu verfassen oder wird eher in Monografien publiziert?

Dieser Blogbeitrag kann keine Antwort darauf geben, ob die kumulative Promotion die bessere Wahl ist. Er kann Impulse dafür liefern, was man vor einer kumulativen Promotion bedenken sollte. Darüberhinaus findest Du Fragen und Antworten zur kumulativen Promotion in einem weiteren Blogbeitrag.
Wie Du ein Exposee für eine kumulative Dissertation verfasst, kannst Du in diesem Blogbeitrag nachlesen.

 

Die kumulative Promotion

Die Anzahl der Promovierenden, die kumulativ promovieren nimmt aktuell zu. Es war schon 2013 so, dass bereits ein Fünftel aller Promovierenden kumulativ promovierten, allerdings beschränkte sich dies da noch eher auf die Naturwissenschaften. Meiner Beobachtung nach ist die kumulative Promotion auch in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften angekommen. Ich hatte beispielsweise noch nie so viele kumulativ-promovierende Teilnehmende in meinen Schreibcoaching-Workshops.

 

Die Promotionsordnung

Interessant ist, was die Promotionsordnung zur kumulativen Promotion bereithält. In manchen Fächern ist es schon länger üblich, kumulativ zu promovieren. da ist dann auch ist klar geregelt, wie das Promotionsverfahren abläuft. In anderen Fächern ist die kumulative Promotion noch nicht so verbreitet, wobei sie in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften immer üblicher wird. Sogar in den Rechtswissenschaften habe ich schon Menschen getroffen, die kumulativ promovieren.

Ausschlaggebend ist, dass die Promotionsordnung das kumulative Promovieren vorsieht. Dabei ist es wichtig, dass die Aussagen bestenfalls über eine kumulative Promotion ist möglich hinaus gehen. Ideal ist es, wenn es konkrete Vorgaben und Anweisungen gibt, nach denen Promovierende sich richten können. Generell ist wichtig, dass Sicherheit über die Möglichkeit, das Verfahren und die Vorgaben für die kumulative Promotion besteht. Das ist noch nicht in allen Fächern der Fall.

 

Die Promotionsbetreuung

Möglicherweise spielt für den Erfolg der kumulativen Promotion eine Rolle, ob die Promotionsbetreuung selbst publikationsfreudig ist und gegebenenfalls auch Kontakte zu Verlagen oder Fachzeitschriften hat. Wichtig ist, dass die Promotionsbetreuung den „Publikationsmarkt“ im eigenen Fach gut kennt.  Es ist wahrscheinlich, dass Du im Verlauf Deiner kumulativen Promotion nicht nur die inhaltliche Expertise der Promotionsbetreuung benötigst, sondern auch eine Expertise zu den Publikationsmöglichkeiten und vielleicht sogar Kontakte zu Verlagen oder Herausgeberschaften.

Für den Erfolg einer kumulativen Promotion ist wichtig, dass die Promotionsbetreuung hinter der kumulativen Promotion steht, dass sie dem Promotionsprojekt positiv gegenübersteht und das Vorhaben begrüßt. Von Vorteil ist auch, wenn die Promotionsbetreuung bereits Erfahrung mit der Betreuung kumulativer Promotionen hat und auch schon andere Menschen im kumulativen Verfahren bei dieser Promotionsbetreuung promoviert haben. Wenn Du die erste Person bist, die bei dieser Promotionsbetreuung kumulativ promoviert, muss das Wissen über den Ablauf und die Vorgaben erst geschaffen werden. Das kann manchmal zu Verunsicherungen sowohl auf Seite der Promotionsbetreuung als auch auf Seite der Promovierenden und gegebenenfalls auch zu Verzögerungen führen.

 

Das Promotionsprojekt

Das Promotionsprojekt selbst muss für eine kumulative Promotion geeignet sein. Dazu gehört, dass sich genügend Publikationen mit einem inneren Zusammenhang zu dem gewählten Thema schreiben lassen. Das bedeutet auch, dass sich das gewählte Thema in Fachzeitschriften oder Aufsätzen in Sammelbänden renommierter Verlage unterbringen lassen muss.

Meistens eignen sich empirische Forschungen sehr gut für eine kumulative Promotion. Oft sind es wissenschaftliche mitarbeitende in Forschungsprojekten, die eine kumulative Promotion für sich in Erwägung ziehen. Im Projektzusammenhang wird meistens ohnehin publiziert, so dass sich diese Publikationen für die kumulative Promotion nutzen lassen.

Generell ist es sinnvoll, das gesamte Promotionsprojekt im Vorhinein einmal durch zu planen und einen Publikationsplan zu erstellen. Der soll mit der Promotionsbetreuung verbindlich abgesprochen werden. Für mitarbeitende in Forschungsprojekten kann es Sinn machen, den Publikationsplan für die Dissertation auch mit der Projektleitung, sofern das nicht die Promotionsbetreuung ist, abzusprechen. Möglicherweise gibt es hier noch weitere Unterstützung.

 

Sicherheit versus Unsicherheit bei der kumulativen Promotion

Manchmal kommt die Frage auf, ob kumulativ zu promovieren unsicherer ist als eine Monografie zu schreiben. Schließlich ist man bei einer kumulativen Promotion auch von den Gutachten im Peer-Review-Verfahren abhängig. Und es kann sein, dass ein einzelner Artikel mehrfach überarbeitet werden muss, was weniger planbar ist.

Ich denke beide Formen, die kumulative Promotion als auch das promovieren mit einer Monografie sind ähnlich sicher bzw. unsicher. Ein Peer-Review-verfahren kann unter Umständen länger dauern, aber auch die Promotionsbetreuung gibt Feedback und ist manchmal nicht ganz so leicht zufriedenzustellen. Auch dort kann es eine geraume Zeit dauern, bis das Feedback eingeht und auch dort können mehrere Überarbeitungsschleifen notwendig sein. Darum ist das kein Indikator für Sicherheit oder Unsicherheit einer kumulativen Promotion.

Hier ein Blogbeitrag, der eine Reflexion zu Thema der kumulativen Promotion mit qualitativen Daten ist.

 

Das Fach

Die kumulative Promotion ist in den Geistes,-Kultur-und Sozialwissenschaften aktuell noch nicht so verbreitet. Die Verfahren laufen möglicherweise noch nicht so routiniert wie in den Naturwissenschaften oder beispielsweise der Informatik. Darum kann es sein, dass es in manchen Fächern einen Mehraufwand für die Organisation gibt. Das sollte vor der Entscheidung für oder gegen eine kumulative Promotion geklärt werden.

 

Die Wissenschaftskarriere

Der Bundesbericht für den wissenschaftlichen Nachwuchs 2017 hat unter anderem das Ergebnis, dass Personen mit vielen Publikationen einen Vorteil bei der Berufung auf eine Professur haben. Natürlich spielen da noch andere Aspekte eine Rolle, wie beispielsweise die Habilitation und die erworbenen Drittmittel.

Das bedeutet, dass wenn Du jetzt schon weißt, dass Du versuchen möchtest, in der Wissenschaft zu bleiben und Dich auf den Weg zu einer Professur machen möchtest, dann ist eine längere Publikationsliste nötig. Auch wenn Du aus einem anderen Grund viele Publikationen brauchst, ist es sinnvoll, viele Aufsätze zu schreiben.

 

Die Entscheidung bleibt schwierig

Eine Promotion, ob kumulativ oder Monografie ist immer ein Zusammenspiel zwischen Promotionsbetreuung und Promovierend*in und von vielen äußeren Faktoren abhängig. Die Entscheidung bleibt immer schwierig, denn die Zukunft ist nicht vorauszusehen. Ist die Entscheidung einmal getroffen, sollte der gewählte Weg motiviert und mutig beschritten werden. Eine Promotion ist immer nur bedingt planbar. Es wird wahrscheinlich immer mal der Zeitpunkt kommen, an die man sich wünscht, sich anders entschieden zu haben – aber so ist das Leben!

 

Dr. Jutta Wergen

 

Wissenschafts -Coach, Schreibtrainerin, Schreibcoach für wissenschaftliches Schreiben, Sozialwissenschaftlerin, Autorin, Trainerin im Hochschulkontext, Hochschuldidaktische Multiplikatorin, Nachwuchsförderung und -forschung. Workshops, Einzelcoachings, Moderationen, Konzeptionierungen und immer bereit für neue Ideen!

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