
Probleme mit der Promotionsbetreuung: Was Du tun kannst, wenn die Betreuung das Problem ist
Was kannst Du tun, wenn die Promotionsbetreuung das Problem ist? Probleme mit der Promotionsbetreuung entstehen oft an drei Stellen: Die Betreuung hat keine Zeit, sie ist fachlich weit weg, oder die Verständigung gelingt nicht. Das erleben Promovierende mit Stelle an der Uni genauso wie extern oder berufsbegleitend Promovierende. Was hilft: ein Betreuungstagebuch, Entscheidungsfragen statt offener Fragen und fachliche Rückmeldung von Menschen aus Deinem Feld. Wenn Du Unterstützung von außen möchtest, begleite ich Dich im Promotionscoaching oder in der Community Fokus Promotion.
Dr. Jutta Wergen, Wissenschafts-Coach und Autorin. Ich begleite Promovierende im Coaching, in Workshops und in der Community Fokus Promotion.
Du hast Deiner Betreuung geschrieben und wartest seit Wochen auf eine Antwort. Oder Du kommst aus einem Gespräch und weißt nicht, was Du mit der Rückmeldung anfangen sollst. Beim einen Mal heißt es hü, beim nächsten Mal hott. Probleme mit der Promotionsbetreuung sind im Coaching häufiger mal Thema.
In der Regel wollen Betreuende Promovierende nicht absichtlich ärgern. Oft stehen sie selbst unter Druck: Die Zeit ist knapp, ein Projektantrag muss fertiggestellt werden und es gibt Konflikte in der Fakultät. Trotzdem hast Du ein Recht auf eine gute Betreuung und auf Rückmeldungen, mit denen Du weiterarbeiten kannst.
Warum spricht kaum jemand über schwierige Betreuung?
In Deutschland bewertet die Person, die Dich betreut, in der Regel am Ende auch Deine Arbeit. Sie schreibt das Gutachten, sitzt in der Promotionsprüfungskommission und schreibt vielleicht auch die Gutachten, die Du für die Verlängerung Deines Stipendiums brauchst. Du bist also abhängig von Deiner Betreuung, und darüber spricht man nicht gern. Manche sind ihrer Betreuung auch dankbar, dass sie überhaupt promovieren dürfen, und wollen deshalb nicht meckern.
Hinzu kommt, dass viele Promovierende die Gründe für ihre Schwierigkeiten zunächst bei sich selbst suchen und versuchen, diese allein zu lösen. Gleichzeitig haben viele Betreuende nicht gelernt, wie man eine Promotion professionell begleitet. Auch wenn sie sich bemühen, kann die Zusammenarbeit mit vielen unterschiedlichen Promovierenden und ihren Vorstellungen und Bedürfnissen daher herausfordernd sein. Vielleicht gibt es Missverständnisse oder Deine Betreuungsperson weiß nicht, welche anderen Aufgaben und Verpflichtungen Du hast.
Promotionsbetreuung ist phasenabhängig
Am Anfang, etwa bei der Themenfindung, brauchst Du oft mehr Beratung: Was ist richtig, was ist jetzt zu tun? Später reichen vielleicht Leitplanken, weil Du vieles selbst weißt. Und am Ende brauchst Du eine Betreuung, die Dich machen lässt und sich möglichst wenig einmischt.
In einer fortgeschrittenen Phase denken Promovierende nicht selten, dass die Betreuung inhaltlich keine große Unterstützung mehr ist, dafür aber eine große Hilfe bei der Gestaltung der Promotionsprüfung und des Übergangs in die Postdoc-Phase oder in einen Beruf außerhalb der Hochschule sein kann.
Wie behältst Du den Überblick über Deine Betreuung?
Mein Vorschlag: Führe ein Betreuungstagebuch. Halte darin die Termine der Beratungsgespräche fest, die Themen und die Absprachen. Notiere auch abgesagte Termine und Rückmeldungen. Wann hast Du welches Feedback bekommen? Wie hast Du es verstanden, was hat es bei Dir ausgelöst und was hast Du damit gemacht?
Du kannst dafür Dein Forschungstagebuch, Obsidian oder ein anderes Werkzeug nutzen, mit dem Du gern arbeitest. Mit der Zeit erkennst Du besser, was in der Betreuung gut funktioniert und wo Schwierigkeiten wiederkehren. Das hilft Dir, Probleme konkret anzusprechen und bei Bedarf passende Unterstützung zu suchen. Vielleicht kannst Du irgendwann sogar einschätzen, welche Fragen oder Einwände Deine Betreuung zu Deinem nächsten Text haben wird.
Welche Probleme mit der Promotionsbetreuung kommen häufig vor?
Ich sehe drei Engpässe, die immer wieder vorkommen.
Deine Betreuung hat keine Zeit
Für ausführliche Betreuungsgespräche fehlt im Alltag häufig die Zeit. Manche Betreuenden nehmen sie sich trotzdem, andere kaum. Auch ein Promotionskolloquium, in dem Du Deine Arbeit vorstellen und Rückmeldungen bekommen kannst, wird nicht generell von allen Promotionsbetreuenden angeboten.
Dann liegt es an Dir, diese Betreuungszeiten einzufordern. Dabei hilft es, mit konkreten Fragen in die Betreuungsgespräche zu gehen und diese gut vorzubereiten. Und manche Fragen können auch ganz konkret und kurz in einer Mail gefragt und beantwortet werden.
Zur Vorbereitung hilft ein Werkzeug aus dem Buch „Meine Promotion auf der Zielgeraden“, das ich mit Carmen Preißinger geschrieben habe. Es heißt: die E-Mail an Deine Betreuungsperson, die Du niemals abschickst. Du schreibst alle Fragen auf, die Dich beschäftigen. Dann schaust Du, welche Du Dir beim Schreiben schon selbst beantwortet hast, und überlegst, was Deine Betreuung zu den übrigen sagen würde. Daraus wird Dein Material fürs nächste Gespräch.
Oder Du schickst Deiner Betreuung eine Status-quo-Analyse. Das ist Deine Gliederung in Excel oder Word, bei jedem Kapitel ist farbig markiert, wie weit es ist. An die offenen Stellen schreibst Du Deine konkreten Fragen. So sieht sie in zwei Minuten, wo Du stehst.
Wenn Du länger keine Antwort erhältst, frag im Sekretariat, wann ein guter Zeitpunkt ist. Manche Betreuenden sind in der vorlesungsfreien Zeit viel besser zu erreichen, andere dann gar nicht. Wie Du Betreuungsgespräche vor- und nachbereitest, ist Thema im Kompakt-Workshop Zusammenarbeit mit der Promotionsbetreuung gestalten. Über Empfehlungen an Dein Graduiertenprogramm freue ich mich.
Deine Betreuung ist fachlich weit weg
Vielleicht hat sich Dein Thema weiterentwickelt, seit Ihr angefangen habt. Oder Du arbeitest mit einer Methode, die Deine Betreuung selbst nie genutzt hat. Vielleicht hat sich diese Methode im Laufe der Zeit entwickelt, sie ist generell neu oder sie kommt in den Forschungsprojekten Deiner Promotionsbetreuung nicht vor.
Dann hol Dir die fachliche Rückmeldung bei Menschen, die in Deinem Feld arbeiten. Das kann eine Zweitbetreuung sein, ein Kolloquium oder jemand, den Du auf einer Tagung kennengelernt hast. Über die Zweitbetreuung habe ich in Folge 236 gesprochen. Wenn Dir Argumente für Deine Methode fehlen, lies Dissertationen aus Deinem Feld, die mit dieser Methode gearbeitet haben, und schau, wie sie argumentieren.
Wenn ich die Folge in einem Satz zusammenfassen sollte, dann so: Begründungen sind die besseren Argumente. Überleg Dir, was für Dein Vorgehen spricht, was dagegen spricht und wie Du mit Gegenargumenten umgehst. Dann fällt Dir auch das Betreuungsgespräch leichter.
Die Verständigung gelingt nicht
Manche Rückmeldungen Deiner Promotionsbetreuung scheinen sich zu widersprechen oder sie widersprechen sich tatsächlich. Was abgesprochen war, gilt beim nächsten Treffen nicht mehr. Oder Du gehst aus einem Gespräch und brauchst mehrere Tage, bis Du wieder an Deinem Text arbeiten kannst. Oft wissen Betreuende nicht, wie ihre Rückmeldung bei Dir ankommt. Und manchmal ist unklar, ob Deine Betreuung gerade laut nachdenkt, um Dich zu inspirieren, oder ob das ein konkreter Auftrag ist.
Dann kannst Du zurückmelden, wie es bei Dir ankommt. Zum Beispiel: „Ich bin gerade unsicher, an dieser Stelle waren wir beim letzten Mal schon.“
Oder: „Für mich widersprechen sich diese beiden Rückmeldungen. Soll ich beide umsetzen, oder sind meine dagegen Argumente besser?“
Mir ist in meiner Promotion auch passiert, dass meine beiden Betreuenden mir Unterschiedliches geraten haben. Bei interdisziplinären Promotionen kommt das nach meiner Einschätzung noch öfter vor. Dann kannst Du beide zu einem gemeinsamen Gespräch einladen. Wie Du mit Kritik umgehst, die wehtut, darum ging es in Folge 289.
Wann brauchst Du Hilfe von außen?
Es gibt Situationen, in denen eine gute Vorbereitung auf das Gespräch nicht reicht. Wenn Kommentare Dich als Person abwerten, wenn Grenzen überschritten werden, wenn Betreuende diskriminieren oder einschüchtern. Das ist nicht die Regel, und manchmal lohnt es sich, nachzufragen, wie etwas gemeint war. Es gibt aber Situationen, in denen Du Unterstützung von außen brauchst.
Eine Anlaufstelle ist das Gremium „Ombudsman für die Wissenschaft“, das die DFG eingerichtet hat. Es berät überregional, unabhängig von Deiner Hochschule und auf Wunsch anonym. Darüber habe ich in Folge 232 mit Dr. Katrin Frisch gesprochen.
Weitere Anlaufstellen sind der Promotionsausschuss, Beratende im Graduiertenzentrum, die Doktorand*innenvertretung und die psychologische Beratung Deiner Hochschule. In einem Promotionscoaching kannst Du klären, welche Spielräume Du hast und was Du als Nächstes tust.
Du darfst Dir Hilfe holen, auch bevor es eine Krise ist. Ein Gespräch mit einer Ombudsperson, im Graduiertenzentrum oder in einem Coaching verpflichtet Dich zu nichts.
Was bekommst Du von Deiner Betreuung, und was holst Du Dir woanders?
Aus meinem Buch und aus meinen Workshops mit Betreuenden kenne ich verschiedene Aspekte der Promotionsbetreuung:
- formale Aspekte wie Promotionsordnung, Fristen und Anmeldung
- fachliche Aspekte wie Thema, Theorie, Methode und Vorgehen
- prozessorientierte Aspekte wie Planung, Zeit und Arbeitsschritte
- weiterführende Aspekte wie Karriereplanung, Tagungen und passende Journals für Deine Publikationen
- emotionale Aspekte wie der Umgang mit Zweifeln, Krisen und Belastung
- soziale Aspekte wie Vernetzung, Herkunft und Deine Lebenssituation mit Erwerbsarbeit oder Care-Arbeit
- finanzielle Aspekte: Wie sicher bist Du eigentlich?
Schau bei jedem Aspekt: Was bekomme ich von meiner Betreuung, und was muss ich mir woanders holen? Vielleicht bietet Deine Betreuung zwei Treffen im Jahr mit fachlichem Feedback an, und alles andere organisierst Du selbst. Vielleicht fragt sie auch, wie Du Familie und Promotion zusammenbringst.
Promotionsbetreuung ist ein interaktiver Prozess. Du kannst Themen ansprechen, zum Beispiel Deine Karriereplanung. Und wenn Deine Betreuung zu Deinem Wunsch, Professorin zu werden, „no way“ sagt, heißt das noch lange nicht, dass es stimmt. Dann suchst Du Dir die Unterstützung dafür woanders.
So geht es weiter
Mein Vorschlag für diese Woche: Schreib Dir auf, was Du für eine gute Promotion brauchst, fachlich und methodisch, aber auch emotional, sozial oder finanziell. Dann überlegst Du, wo Du das jeweils herbekommst.
Wenn Dir dabei Menschen fehlen: Beim Offenen Abend „Gut vernetzt promovieren“ am Dienstag, 17. November 2026, von 19:30 bis ca. 20:45 Uhr geht es um Austausch, der Dich weiterbringt. Der Abend ist online und kostenlos. Zur Anmeldung für den Offenen Abend · alle Offenen Abende.
In Fokus Promotion sprechen wir regelmäßig über solche Fragen. Dein Job ist, gut zu promovieren. Die Betreuung ist ein Aspekt davon, und auch wenn sie nicht vollkommen ist, kommst Du voran.
Alle Podcastepisoden zur Promotionsbetreuung
Im Podcast geht es immer wieder um Deine Betreuung, vom ersten Gespräch bis zum Wechsel. Hier sind alle Folgen dazu, sortiert nach Situation.
Betreuung finden und die Zusammenarbeit beginnen
Gespräche und Rückmeldungen
Wenn es in der Betreuung schwierig wird
- 327Wenn die Promotionsbetreuung das Problem ist
- 168Störungen in der Kommunikation mit der Promotionsbetreuung
- 144Diese Promotionsbetreuung? Nein danke!
- 236Die Zweitbetreuung in der Promotion
- 232Konflikte in der Promotion: Das Gremium „Ombudsman für die Wissenschaft“
- 183Wechsel der Promotionsbetreuung
- 16Wechsel der Promotionsbetreuung (2020)
Besondere Situationen und der Blick der Betreuenden
Ressourcen und Links
- Podcastfolge 327: Wenn die Promotionsbetreuung das Problem ist
- Folge 327 auf YouTube: Link folgt
- Kommunikation mit der Promotionsbetreuung
- Betreuungswechsel in der Promotion
- Wergen, J. & Preißinger, C. (2025). Meine Promotion auf der Zielgeraden. UTB 6519.
- Für Betreuende: Wergen, J. (2025). Promovierende betreuen. Ein Leitfaden für gute Beratung. UTB.
Häufige Fragen
Was kann ich tun, wenn sich meine Promotionsbetreuung nicht meldet?
Komm mit konkretem Material und mit Entscheidungsfragen, die sich auch per Mail beantworten lassen. Frag im Sekretariat, wann ein guter Zeitpunkt ist, manche Betreuende sind in der vorlesungsfreien Zeit besser erreichbar. Ein Betreuungstagebuch hilft, den Überblick zu behalten.
Was mache ich, wenn meine Betreuung fachlich nicht zu meinem Thema passt?
Hol Dir die fachliche Rückmeldung bei Menschen, die in Deinem Feld arbeiten, etwa bei einer Zweitbetreuung, in einem Kolloquium oder auf einer Tagung. Für Methodenfragen lohnt der Blick in Dissertationen aus Deinem Feld, die mit derselben Methode gearbeitet haben.
Was tun, wenn sich die Rückmeldungen meiner Betreuenden widersprechen?
Melde zurück, dass sich die Rückmeldungen für Dich widersprechen, und frag, ob Du beide umsetzen sollst oder Argumente geltend machen kannst. Wenn zwei Betreuende Unterschiedliches raten, kannst Du beide zu einem gemeinsamen Gespräch einladen.
Wo bekomme ich Hilfe bei Konflikten mit meiner Promotionsbetreuung?
Zum Beispiel beim Gremium „Ombudsman für die Wissenschaft“, das überregional und auf Wunsch anonym berät. Weitere Anlaufstellen sind Ombudspersonen Deiner Hochschule, der Promotionsausschuss, das Graduiertenzentrum, die Doktorand*innenvertretung und die psychologische Beratung. Auch in einem Coaching kannst Du Deinen Umgang mit der Situation klären. Ein Gespräch verpflichtet Dich zu nichts.
Wie oft sollte ich mit meiner Promotionsbetreuung sprechen?
In einer kleinen LinkedIn-Umfrage war die häufigste Antwort alle zwei bis drei Monate. Für eine Promotion, die gut läuft, ist das eine gute Spanne. Was Du brauchst, verändert sich mit der Phase: Am Anfang oft mehr Beratung, später eher Leitplanken.
Dieser Beitrag richtet sich an Promovierende in allen Phasen, intern, extern oder berufsbegleitend, die mit ihrer Promotionsbetreuung gerade nicht weiterkommen.






