Promotionsdauer

Man braucht 3000 Stunden für eine Promotion. Das hat Julia in der letzten Schreibwoche erzählt. Sie wusste nicht mehr so genau, woher sie diese Information hatte, aber wir haben natürlich alle sofort angefangen zu rechnen, wie lange 3000 Stunden sind und ob das eine realistische Einschätzung ist. Darüber habe ich in Episode 190 des Coachingzonen-Podcasts nachgedacht.

Eine Promotion dauert 3000 Stunden

Vielleicht – vielleicht auch nicht! Um ehrlich zu sein, das kann schon sein, aber wer zählt schon die Stunden, die er oder sie an einer Dissertation oder Promotion arbeitet. Außerdem ist es auch eine Frage, ob es sich um Netto- oder Bruttozeiten handelt, z.B. zählt die Zeit, die man nachts wach im Bett liegt, um über sein Promotionsprojekt nachzudenken oder nur die Zeit, die man am Schreibtisch sitzt. Zählen Vorträge, Publikationen, Lehre und andere Aufgaben mit rein?

Es scheint außerdem, dass kürzere Zeiträume nicht richtig gut zum Schreiben genutzt werden und längere nicht effizient genug. Das führt zu der Frage, wie viele Stunden eigentlich optimal für die Arbeit an der Dissertation sind: vier, fünf, acht oder mehr Stunden täglich?

Was genau wird gezählt, wenn es um die Promotionsdauer geht?

Und zählen zu den 3000 Stunden auch die Stunden des Kompetenzerwerbs, z.B. Lehrkompetenz und Fortbildung und auch die Kompetenzen, die man erwirbt, ohne zu viele Fortbildungen zu besuchen, z.B. Frustrationstoleranz, Argumentation, Kompetenzkonfliktkompetenz, Vermittlungskompetenz usw. ?

Kurz: Eine Promotion dauert immer so lange wie sie dauert! Punkt!

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Auf den Punkt gebracht:

1. Es gibt keine standardisierte Promotionszeit. Jede Promotion ist individuell, genauso wie die Person einen individuellen Lernweg während der Promotion durchläuft.

2. Eine Promotion ist viel mehr als eine Dissertation. Das bedeutet, dass das Schreiben der Dissertation nur ein Teil der Promotion ist. Eine Promotion beinhaltet einerseits die Entwicklung zahlreicher Kompetenzen wie Projektmanagement, Publikationskompetenz, Schreibkompetenz. Dieser Kompetenzerwerb muss bei der Promotionsdauerberücksichtigt werden.

3. Die Zeit der Promotion beinhaltet aber auch den Umgang mit Ängsten, Zweifeln, Impostorsyndrom und Unsicherheiten zu lernen und die eigene Persönlichkeit noch einmal neu zu entwickeln. Das braucht Zeit und ist individuell sehr unterschiedlich.

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4. Die Promotionsdauer hängt auch immer davon ab, wie gut Du z.B. von Deiner Promotionsbetreuung oder Deinem Umfeld unterstützt wirst. Wirst Du gut beraten, hast Du genügend Zeit und Geld für Deine Promotion? Hast Du genügend Zeit zum Forschen und Nachdenken? Hast Du Menschen, mit denen Du über Dein Forschungsvorhaben sprechen kannst und die Dir konstruktives Feedback geben?

5. Von wo aus bist Du gestartet? Bist Du in einem Akademiker*innenhaushalt aufgewachsen, bestenfalls mit Universitätsprofessor*innen, die den ganzen Tag geforscht und über akademische Zusammenhänge gesprochen haben? Oder bist Du die erste Person in Deiner Familie, die sich im akademischen Feld bewähren muss? Hast ein Umfeld, das überhaupt nicht versteht, was Du tust oder musst Du Dich rechtfertigen, z.B. dass du „noch nicht arbeitest“? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen beeinflusst die Dauer Deiner Promotion, also vernetze Dich und lerne von denen, die diesen Weg bereits gegangen sind.

Hier ein Blogbeitrag zum Thema Zeitmanagement und Zeitplanung in der Promotion

Es ist übrigens völlig in Ordnung, kein Akademiker*innenkind zu sein oder eine Umgebung zu haben, die überhaupt keine Ahnung von Wissenschaft und Promotion hat. Du musst Dich nicht dafür rechtfertigen, dass Du beispielsweise Bildungsaufsteiger*in bist. Du hast das Recht zu promovieren, wenn Du das willst. Ich habe sogar ein bisschen das Gefühl, dass das schlechte Gewissen bei manchen Leuten auch daher kommt, dass sie denken, sie machen etwas, was sie gar nicht dürfen und das muss dann möglichst schnell gehen. Schnell und unauffällig.

6. Nach der Promotion ist es wahrscheinlich nicht mehr so wichtig, wie lange die Promotion  gedauert hat. Ob fünf oder zehn Jahre, das ist eine Qualifizierungsphase wie jede andere Qualifizierungsphase auch. Fokussier Dich besser auf das Jetzt. Das leben findet auch während der Promotion statt.

Wenn Du Unterstützung für Deine Promotion benötigst, dann schau in unser offenes Workshop-Programm. Du kannst auch gleich in unser Membership-Programm kommen und von allen Events, dem Schreibraum und der Community profitieren.

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