gutes_leben-Promotion

Darf man sich erlauben, am Wochenende nicht zu arbeiten und das auch noch offen zu kommunizieren? Denn eigentlich müssen Promovierende ja stets an ihrer Dissertation sitzen, auch nachts auf E-Mails antworten und immer immer immer immer wieder über ihre Promotion nachdenken.

Podcast-Episode 34 geht es um das gute Leben während der Promotion.

Ein gutes Promotions-Leben

 Ich hatte letztens ein interessantes Gespräch mit einer Promovierenden, die mir erzählt hat, dass sie Urlaub fährt. Ihre Kollegen und Kolleginnen fragten sie darauf hin, ob sie in einem Dissertations-Arbeits-Urlaub fährt oder ob sie in einen Urlaub-Urlaub fährt. 

Sie hat gesagt, dass sie wirklich Urlaub macht, keine Bücher mitnehme und ihre Promotionssachen zu Hause lässt. Die Reaktionen der Kollegen und Kolleginnen machten ihr daraufhin gleich ein schlechtes Gewissen. Entweder konnten die das gar nicht nachvollziehen, dass jemand wirklich in der Promotionszeit Urlaub macht oder sie waren auch etwas neidisch und sagten: „Einfach nur Urlaub machen, das könnte ich nicht“. Und das hat die urlaubsreife Promovierende dann wiederum so verunsichert, dass sie sich fragte, ob sie vielleicht doch besser keinen Urlaub machen sollte – bzw. sich dann bewusst entschieden hat, auf jeden Fall ihren Urlaub zu genießen.

 Dieses Gespräch hat mich irgendwie nicht losgelassen. Diese Gedanken kenne ich selber aus meiner eigenen Promotionszeit und bekomme sie auch in Coachings öfter gespiegelt.

Darf ich am Wochenende frei machen? Muss ich Mails, die an meinen Diss-Tagen kommen, beantworten. Und, sollte ich generell überhaupt jede Mail stetig beantworten?

Wo kommen diese Gedanken her?

Über diese Fragen habe ich letztens im Coaching-Chat mit den Teilnehmenden des Onlinekurses „Projekt Promotion besprochen“. Deswegen gilt mein Dank hier den tollen Leuten aus dem Kurs. Shoutout an: Aida, Eliane, Victoria, Marcel, Ailina, Theresa, Thomas – vielen Dank

Wir haben uns auch schon gefragt, wo diese Gedanken herkommen. Möglich ist, dass die Dissertation ja etwas Privates ist, etwas, was ich selbst entschieden habe. Also muss ich das auch allein auslöffeln und kann nicht erwarten, Verständnis zu bekommen. Irgendwie bin ich ja bei der Entscheidung zur Promotion den Deal eingegangen, dass ich meine gesamte Zeit, meine gesamte Energie in die Dissertation stecke …

Natürlich nicht!

 Aber manchmal lässt sich nicht verhindern, dass wir solche irrationalen Gedanken haben. Das kannst Du auch gut noch mal in die Episode 27 schauen, zum Thema „Das schlechte Gewissen beim Promovieren mit Kind“. Dort ist mir nämlich auch schon aufgefallen, dass die Promotion oft als privates Vergnügen, oder privates Nicht-Vergnügen gesehen wird.

Zweifel werden niemals kommuniziert:

Ein weiterer Grund könnte sein, dass man die Zweifel über die eigenen Kompetenzen, über die Richtigkeit der Entscheidung, über den weiteren Weg des promovieren lieber nicht kommuniziert. Dass man denkt, die anderen hätten keine Zweifel, weil sie ja so sicher wirken.

Und meine Zweifel oder mein Unwissen möchte ich mit mehr Fleiß und noch mehr Arbeit ausgleichen.

Bedingungen sind so und werden hingenommen:

Viele nehmen die Bedingungen, die sie beim Promovieren vorfinden, als gegeben hin. Das ist am Anfang vielleicht doch eine ganz gute Strategie, beispielsweise dass man nicht auffallen will und dass man niemandem die eigenen Zweifel mitteilt, weil am Anfang vielleicht die Entscheidung auch noch relativ fragil ist bzw. auch zahlreiche Kompetenzen noch erworben werden müssen. Da schaut man dann schon mal wie machen das die anderen und dann mach ich das genauso, das wird schon richtig sein.

Etwas später kann man sich vielleicht bewusst machen, dass man mit seinem Verhalten ja auch zu den Bedingungen bei trägt.

In dem ich am Wochenende ins Büro gehe, am Wochenende Mails bearbeite oder einen Urlaub mache bei dem ich meine Promotionsmaterialien mit schleppe, reproduziere ich die Bedingungen. An sich ist das nicht schlimm, aber wenn ich möchte, dass sich diese Bedingungen ändern, sollte ich selber auch etwas ändern.

Was kannst Du also tun, die Bedingungen das Promovieren zu verändern, bzw. Dich in diesen vorhandenen Strukturen so zu verhalten, dass das Promovieren für Dich leicht ist?

Zunächst einmal ist gutes Promovieren auch eine Frage der Organisation

Wenn Du nicht willst, dass alles über die zusammenbricht, wenn Du nicht am Wochenende arbeiten möchtest und wenn Du die Endphase in Deiner Promotion nicht so organisieren kannst, dass Du drei Monate weg bist, dann musst Du Dich vorher gut organisieren.

Ich weiß, dass es auch im normalen Alltagsleben von Promovierenden Bedingungen gibt, die man nicht ändern kann. Beispielsweise muss die Promotion finanziert werden und dazu muss man arbeiten gehen. Beispielsweise erfordert das familiäre Leben bestimmte Zeiten, zu denen man nicht für die Dissertation verfügbar ist. Dennoch könnte man überprüfen, ob es in der Arbeitsorganisation Potenzial zur Optimierung gibt.

Mut tut gut

Um Bedingungen zu verändern, musst Du mutig sein. Dass Du am Wochenende nicht arbeitest, Deine Bücher nicht mit in den Urlaub nimmst oder Mails nicht nachts um 3:00 Uhr beantwortest, wird irgendwann auffallen. Steh dazu! Beschließe für Dich, was für Dich wichtig und richtig ist.

 

Das-Schlechte-Gewissen-beim-Promovieren-mit-Kind_