Wissenschaftsprofil entwickeln und schärfen

Ich durfte einen Workshop moderieren, in dem Sandrine, Stefan, Dorte, Max, Ines und Tim über ihr Forschungsprofil nachgedacht haben. Schnell wurde klar, dass es für ein Profil in der Wissenschaft nicht nur um Forschung geht. Danke für die neuen Erkenntnisse!

Zugegeben, in der Promotionsphase gibt es dringendere Baustellen, als über ein langfristiges Kompetenz- und Forschungsprofil nachzudenken. Dennoch lohnt sich die Beschäftigung mit dem Wissenschaftsprofil besonders im Hinblick auf die nächsten Qualifizierungsschritte. Was deckst du bereits ab und was fehlt Dir noch? Wohin möchtest oder musst Du Dich für Deine Karriereplanungen und -perspektiven strategisch entwickeln?

In diesem Blogbeitrag möchte ich typische Kompetenzfelder für Promovierende vorstellen und Anregungen für die Entwicklung eines individuellen Wissenschaftsprofils geben. Außerdem habe ich mal eine kleine Tabelle (Arbeitsblatt Excel) entwickelt, die Dir beim nachdenken helfen soll. Du findest Sie unter dem Blogbeitrag.

Warum ein Wissenschaftsprofil?

Sichtbarkeit als Forscherin und die Besetzung von Forschungsthemen und Forschungsfeldern schärft das Profil für eine wissenschaftliche Laufbahn. Dabei sollten die mit wissenschaftlicher Arbeit verbundenen Kompetenzen nicht fehlen. Besonders wenn es um Außenwirkung und das Selbstmarketing geht, etwa bei der strategischen Planung einer eigenen Homepage, eines Blogs oder eines Researchgate- Linkedin- oder Facebook-Profils ist es wichtig, das eigene wissenschaftliche Profil zu kennen und nach außen zu tragen.
Du solltest auch überlegen, wie Du Dein Wissenschaftsprofil auch außerhalb der Wissenschaft nutzen kannst – wie beispielsweise Du Deine Lehrkompetenz als Vermittlungskompetenz sichtbar machst.

Was gehört also zum Wissenschaftsprofil?

Promovierende erwerben für ihre Dissertation fachliche Kompetenzen und solche Kompetenzen, die beim Berufseinstieg bzw. der späteren Berufsausübung wichtig sind. Diese Fähigkeiten ermöglichen u. a. das Lehren und präsentieren, Argumentieren und publizieren. Auch Tagungsmanagement, Drittmittelakquise und die wissenschaftliche Administration gehören zum Kompetenzerwerb in der Promotionsphase. Diese Tätigkeiten gehen einher mit der Fähigkeit zu kommunizieren, Konflikte zu bewältigen und dem, was allgemein als Frustrationstoleranz bezeichnet wird. Alle diese Kompetenzen lassen sich auch außerhalb der Wissenschaft nutzen, nur müssen Sie dann auf das berufliche Feld übertragen werden.

Der europäische Qualifikationsrahmen

Der europäische Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen definiert unterschiedliche Bildungsniveaus, mit denen Kompetenzen auf europäischer Ebene vergleichbar gemacht werden können. Das Bildungsniveau 8 „dritter Studienzyklus, Promotion (Dr./Ph. D.)“ definiert „Spitzenkenntnisse in einem Arbeits- oder Lernbereich und an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Bereichen“. Kompetenzen, die auf der Ebene dieses Bildungsniveaus erworben werden sollen sind: „Fachliche Autorität, Innovationsfähigkeit, Selbstständigkeit, wissenschaftliche und berufliche Integrität und nachhaltiges Engagement bei der Entwicklung neuer Ideen oder Verfahren in führenden Arbeits- oder Lernkontexten, einschließlich der Forschung“.

Das eigene Kompetenzprofil schärfen – das kannst du tun:

Viele Promovierende arbeiten in Projekten und bilden über die Projektinhalte und ihre Arbeit im Projekt ein Kompetenz- und Forschungsprofil aus. Oft bestimmen nicht die Promovierenden, welches Profil sie entwickeln wollen, sondern müssen die Projektinhalte ihrer wissenschaftlichen Mitarbeit zu einem individuellen Profil bündeln.

Da sich die Kompetenzbereiche/Profile überschneiden, sollten sie hier im Gesamtzusammenhang betrachtet werden. Um dieses zu erleichtern, habe ich eine kleine Tabelle in Excel angelegt. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass Du diese Tabelle für Dich anpasst und weiterentwickelst. Teilnehmende des Online-Kurses Projekt Promotion erhalten im Rahmen des im Modul 6 Feedback auf ihr Wissenschaftsprofil.

Themenspezifisches Profil

Fachliche Kompetenzen werden im eigenen Forschungsprojekt ggf. auch als Projektmitarbeitende erworben. Sie beziehen sich auf alle Inhalte zum Forschungs- bzw. Promotionsprojekt, beispielsweise Theorien, Forschungsmethoden, Modelle usw.. Sie werden beispielsweise durch lesen, diskutieren, schreiben, den Besuch von Seminaren, Kolloquien, Summer- /Winter-Schools, Vorträgen, Tagungen und Vorlesungen erworben. Sie können sich aber auch durch eigene Beiträge im Forschungsfeld z.B. (weiter-) entwickeln.

Das kannst Du tun: Notiere, welche Forschungsbereiche Du mit deinen Themen besetzt. Womit kennst Du Dich aus (bzw. was ist das Ziel)? Wie hängen Deine Themenbereiche/Theorien/Methoden zusammen und wo überschneiden sie sich?

Fachliches Profil/Handwerkszeug

Beweisen, belegen, argumentieren, schreiben sind wichtige Elemente wissenschaftlichen Arbeitens. Diese Kompetenzen entwickeln sich meist durch regelmäßiges „Tun“, aber auch durch konstruktives Feedback.

Das kannst Du tun: Wie schätzt Du Dich ein und wo siehst du für dich Entwicklungspotenzial? Wo möchtest Du hin/was soll sich verbessern? Feedback holen: Was sagen/machen andere Forschende? Wo kannst du Feedback auf fachlichen Kompetenzen bekommen? Hol dir eine zweite, dritte Meinung.

Präsentieren – visualisieren- moderieren

gehören ebenfalls zu einem wissenschaftlichen Kompetenzprofil. Auch hier macht Übung die Meisterin/den Meister! Die aktive Beteiligung an Konferenzen gehört zur wissenschaftlichen Qualifikationsphase. Einige Konferenz- und Beteiligungsformate, wie Barcamps, World Cafés, Disqspaces, Diskurswerkstätten oder Impulsforen werden aktuell entwickelt und/oder für die Wissenschaft nutzbar gemacht. Hier solltest Du informiert bleiben und Dich ggf. weiterbilden.

Das kannst Du tun: Notiere, was Du schon gemacht hast, was Du bereits gut machst und wohin du Dich weiterentwickeln möchtest. Einerseits ist auch hier das Ausprobieren und Üben eine gute Möglichkeit, sich zu verbessern, andererseits mag es sinnvoll sein, sich nach geeigneten Weiterbildungsmöglichkeiten umzusehen. Geeignete Workshops werden oft z. B. über Graduiertenprogramme an Hochschulen angeboten. Das betrifft beispielsweise auch das Vortragscoaching, Stimmbildung und Rhetorik.

Lehren

Die Lehre gehört zu den Kernaufgaben an Hochschulen und gehört besonders im Hinblick auf eine wissenschaftliche Karriere zum Kompetenzprofil. Aber auch darüber hinaus ist Vermittlungskompetenz für eine spätere Berufstätigkeit wichtig.

Das kannst Du tun: Welche inhaltlichen Themen/Schwerpunkte deckst Du in Deiner Lehre ab? Welche Inhalte, Theorien, Methoden möchtest Du darüber hinaus im Rahmen Deines Profils nach außen kommunizieren? Mache Dir Gedanken und tausche Dich mit anderen Promovierenden aus. Notiere auch über welche Lehrkompetenzen und Zertifikate (Hochschuldidaktik Du verfügst. Informiere Dich über die hochschuldidaktische Qualifizierung z. B. über die dghd oder lass dich durch die hochschuldidaktische Einrichtung Deiner Hochschule beraten. Entwickle ein Lehrprofil!

Management-Profil: Selbstmanagement, Netzwerke, Kommunikation

Im Prinzip ist ja alles irgendwie Projektmanagement, was man in der Promotionsphase betreibt. Ob es nun das Selbstmanagement, das Versuchs- Daten- Forschungsmanagement ist oder ob es um Kommunikation oder mögliche Konflikte geht. Für einen Beruf in- und außerhalb der Wissenschaft ist es wichtig, zu planen, Ziele zu setzen und sich selber zu organisieren – auch wenn das Umfeld andere Anforderungen stellt.

Das kannst Du tun:
Selbstmanagement: Prüfe einmal, wie Du planst und Zeitpläne machst und einhältst. Wie motivierst Du Dich selber, wie organisierst Du Dich und wie gehst Du mit den Anforderungen der verschiedenen Arbeits- und Lebensbereiche während Deiner Promotionsphase um? Und schließlich: Wie evaluierst Du Dein Selbstmanagement? Hast Du eine Promotionsgruppe, ein Motivations- oder Erfolgsteam, mit dem Du darüber sprichst?

Versuchs- Daten- Forschungsmanagement: In der Promotionsphase kommt es darauf an, effektiv und effizient zu arbeiten. Effektiv arbeitest Du, indem Du Dinge tust, die Dich Deinem Ziel näherbringen. Effizient ist das, wenn Du das so tust, dass Du die richtigen Mittel zur Zielerreichung einsetzt. Arbeitest du so, dass Du das Ziel, die Dissertation einzureichen, erreichen kannst? Und – nutzt du effiziente Tools, beispielsweise Literaturverwaltungsprogramm, Programme zur Datenerhebung- und Auswertung, oder Apps, die Dich voranbringen? Gibt es Verbesserungsmöglichkeiten – und wenn ja, welche?

Kommunikation: Mache Dir Gedanken um Deine Kommunikation. Welche Kommunikationskanäle nutzt Du beispielsweise, um Deine scientific Community wissen zu lassen, was Du machst? Und – bist Du regelmäßig mit Deinen Betreuenden in Kontakt oder bremsen fehlende Absprachen Deine Produktivität? Hast Du eine Webseite, einen Twitteraccount – und brauchst Du das? Hast Du ein Profil bei Researchgate oder Linkedin? Bekommst Du für dich wesentliche Informationen über Mailinglisten?

Und natürlich die wichtige Frage (die eigentlich auch eine Frage des Selbstmanagements ist): Kommunizierst Du den ganzen Tag und liest und beantwortest Mails, Twitter, Facebook oder gelingt es Dir produktive Offlinephasen einzuschieben?

Networking: Bist Du gut vernetzt? Austausch ist ein wichtiger Faktor des Gelingens von Promotionen. Dabei ist nicht nur der Austausch zwischen Forschenden einer Disziplin, sondern auch interdisziplinärer Austausch gemeint.
Auch eine Promotions- oder Schreibgruppe kann zu besseren Arbeitsstrategien führen, ein gemeinsames Ziel eint.

Wie zeigst Du Dein Wissenschaftsprofil?

Gerade beim Selbstmanagement hast Du viel Gestaltungsspielraum. Manchmal ist es sinnig, Strategien zu wechseln. Möglicherweise benötigst Du hier auch Hilfe von außen, beispielsweise ein Coaching – oder den Kurs „Projekt Promotion“.

Zur Entwicklung des eigenen Kompetenz- und Forschungsprofils werden von den Hochschulen oft Qualifizierungsangebote bereitgestellt. Nutze diese, um Dich für die Promotion und den Berufseintritt nach der Promotion vorzubereiten. Analysiere Stellenanzeigen und schau, was erwartet wird. Überprüfe, wie Du Deine Kompetenzen anhand der erwarteten Kompetenzen (um-)formulieren kannst.

 Wichtige Erkenntnisse zum Schluss

Ein Wissenschaftsprofil in der Promotionsphase beinhaltet viele Kompetenzen, die während der Promotionsphase erworben werden. Auch wenn die Dissertation noch nicht geschrieben bzw. eingereicht ist, verfügen Promovierende bereits über wichtige Kompetenzen.

Welche Kompetenzen in Dein individuelles Kompetenzprofil gehören, hängt davon ab, was du nach der Promotion tun möchtest und welche Möglichkeiten sich Dir bieten. An der angestrebten Berufstätigkeit solltest du dich orientieren. Dabei hilft es, immer einen Plan B (C, D, E) zu haben.

Viele promotionsnah erworbene Kompetenzen lassen sich auch außerhalb der Wissenschaft verwenden. Wie Du Deine Kompetenzen außerhalb der Uni nutzen kannst und wie Du das ggf. nach außen transportierst und wie Du Dein Kompetenzprofil formulierst, solltest Du schon beim Kompetenzerwerb überlegen.

Ein Kompetenzprofil wächst stetig – und ergibt sich mit der Zeit. Dazu solltest du frühzeitig darüber nachdenken und Gelegenheiten zum Kompetenzerwerb nutzen. Die Entwicklung eines Kompetenzprofils ist langfristig zu sehen und nimmt einige Zeit in Anspruch. Nimm Du Dir dafür Zeit! Hier findest Du ein Arbeitsblatt (Excel), um gezielt über Dein Wissenschaftsprofil  nachzudenken!

Die Dissertation einreichen! Wann ist genug?

schreib-challenge-fuer_promovierende