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Wissenschaftlich Publizieren in Englisch
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Wissenschaftlich Publizieren in Englisch: Stilsicher in 7 Schritten

Ein Gastbeitrag von Rachel Scholkmann

Deutsch mag wohl die Sprache der Dichter und Denker sein, doch in der modernen wissenschaftlichen Gemeinde muss man oft auf Englisch „dichten“. Was tun, wenn du eigentlich nicht auf Englisch denkst? Mit der richtigen Strategie, guter Vorbereitung und ein wenig Hilfe von einem professionellen Korrektorat kann man die eigene schriftliche Arbeit auch stilsicher und sauber auf Englisch hinkriegen. Es lohnt sich: Grammatikalische Fehler und schlecht strukturierte Gedanken können einen schlampigen Eindruck vermitteln, der die Ideen und den Inhalt selbst bahnbrechender wissenschaftlicher Ergebnisse abwertet.

Schritt 1: Lies den Stilführer

Die meisten Journale und Universitäten haben ihre eigenen Richtlinien, die gewisse Konventionen wie Rechtschreibung (US oder UK?), Schreibweise technisch-wissenschaftlicher Begriffe oder Strukturierung des Manuskripts festlegen. Außerdem regeln sie typographische Fragen wie das Zahlenformat oder die Schreibweise mathematischer Begriffe und Gleichungen. Der Editor der Fachzeitschrift wird froh sein, dass die formellen Bedingungen schon erfüllt sind, was deine Chance das Paper veröffentlicht zu sehen steigert. Also schau dir den Stilführer an – und wende ihn auch an! Wenn du deine fertige Arbeit in Korrektur gibst, denke dran, auf den Stilführer aufmerksam zu machen.

Schritt 2: Setze auf Stetigkeit

Apropos US vs. UK Englisch: Sofern nicht schon in der journalspezifischen Richtlinie festgelegt, solltest du dich für eine Variante entscheiden, die du dann ausnahmslos anwendest. Wenn du z.B. ein Verfahren mit „Modelling“ (UK Englisch) beschreibst, solltest du die Ergebnisse „analyse“ (UK), nicht „analyze“ (US). Du kannst dir und deinen Lesern ein Gefallen tun, indem du die Fachbegriffe auch konsequent anwendest. Das heißt die wichtigsten Konzepte nach der ersten Erwähnung in Klammern abkürzen und danach nur die verkürzte Form verwenden.

Schritt 3: Verwende Wörter, die du kennst

Durch den regelmäßigen Gebrauch gewisser Wörter wirst du wirst dich wahrscheinlich mit den Fachtermini in deinem Gebiet gut auskennen. Das ist gut so. Aber pass auf mit dem Rest. Schreib daher bitte nicht „discept“, wenn du „discuss“ meinst, nicht „evince“ wenn „show“ reicht. So kannst du sicher sein, dass deine Worte deine wahre Absicht widerspiegeln. Das gilt übrigens für Grammatik und Satzbau. Now is not the time for experiments! Konkret bedeutet dies: kurze, klare Sätze im Aktiv statt im Passiv. Deine Leser – die mehrheitlich wahrscheinlich selber keine Muttersprachler sind – werden es auch leichter haben.

Schritt 4: Plane Zeit für Korrekturlesen ein

Oft werden wissenschaftliche Artikel oder Arbeiten unter Zeitdruck erstellt. Nichtdestotrotz: Korrekturlesen soll kein Luxus sein. Wenn du kein Geld für eine professionelle Korrektur hast, schaue ob du im Forschungskreis eine geeignete Person kennst, die einen Blick drauf werfen könnte. So können wenigstens Flüchtigkeitsfehler entdeckt werden. Notfalls kannst du auch selber das Korrekturlesen durchführen. Wichtig dabei ist, dass du genügend zeitlichen Abstand (mindestens eine Woche) hast, bevor du dich der Arbeit wieder widmest.

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Ein Beispiel

Schritt 5: Priorisiere Titel, Abstrakt und Diskussion

Deine Veröffentlichung ist wegweisend, spannend, quasi Pflichtlektüre in deinem Bereich? Selbst wenn das der Fall ist, werden die meisten Leser sich auf das Abstrakt am Anfang sowie die Diskussion und Schlussfolgerungen am Ende konzentrieren. Es lohnt sich also, nur diese Abschnitte in Korrektur zu geben, wenn du es aus zeitlichen oder budgettechnischen Gründen dir es nicht leisten kannst, den vollständigen Artikel professionell anschauen zu lassen. Wahrscheinlich kriegst du sogar wertvolle Tipps, die du selber in den restlichen Text einbauen kannst. Übrigens: Der Titel sollte auch nicht vernachlässigt werden – er sollte die Schlüsselbegriffe beinhalten und möglichst interessant klingen.

Schritt 6: Definiere das Ziel der Korrektur

Brauchst du eine richtige Überarbeitung mit stilistischen, strukturellen und eventuell inhaltlichen Inputs? Oder möchtest du einfach sicher sein, dass die gröbsten Fehler beseitigt werden? Wenn du den Auftrag vergibst, solltest du darauf achten, dass die Person wirklich das anbietet, was du verlangst. Ein englischsprachiger Student der Kunstgeschichte kann ein Paper über Exoplaneten auf die Grammatik hin überprüfen, wird sich aber wahrscheinlich nicht trauen, komplizierte Sätze groß umzuschreiben, weil er das Thema nicht kennt. Wenn du Ziele und Deadline klar kommunizierst, kann der Leistungserbringer übrigens auch einen genaueren Kostenvoranschlag unterbreiten.

Schritt 7: Sieh die Korrekturen selber durch

Vergiss bei der Zeitplanung nicht, dass auch du Zeit brauchst, um den Text zu finalisieren. Du musst sicher sein, dass keine Sätze bei der Korrektur aus Versehen inhaltlich geändert wurden. Sage d

em Korrekturleser, dass du Änderungen im „Änderungen nachverfolgen“-Modus sehen möchtest. Frage nach, wenn etwas unklar ist. Am Ende solltest du unbedingt noch einmal die Rechtschreibeprüfung laufen lassen und das „fertige“ Dokument ein letztes Mal komplett durchlesen.

Wissenschaftlich Publizieren in Englisch: Stilsicher in 7 Schritten

Rachel Scholkmann

Rachel Scholkmann ist Kommunikationsspezialistin und Inhaberin von Scholkomms, ihrer eigenen Kommunikationsfirma in Zürich, Schweiz. Ursprünglich aus England verschlug es sie nach dem Studium an der University of Cambridge nach Japan, wo sie jungen Erwachsenen Englisch unterrichtete. Wieder in Europa fing sie bei einer weltweit tätigen Wirtschafstsprüfungs- und Beratungsgesellschaft in der hauseigenen Abteilung für Sprachdienstleistungen an. Sie spezialisierte sich auf Unternehmenskommunikation und Marketing. Neben dem Hauptberuf hat sie sich in diverse wissenschaftliche Themen eingearbeitet und Fachartikel korrigiert. Nach fast zehn Jahren Erfahrung im Texten, Redigieren, Korrekturlesen und Übersetzen machte sie sich im Jahre 2017 selbstständig und bietet nun mit Scholkomms eine Reihe sprachlicher Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen an.

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