Perfektionismus? Die Wissenschaft wird immer größer sein als Du!
Je eher Du das akzeptierst, desto eher kannst Du einreichen!

Eigentlich solltest oder wolltest Du Deine Dissertation längst einreichen? Aber, Du findest irgendwie nicht den richtigen Einreichungstermin? Schaffst Du es nicht, Deine Forschung loszulassen, weil es immer noch mehr zu forschen gibt? Findest Du immer mehr Literatur. die irgendwie relevant für Dein Promotionsthema ist. Und hast Du oft das Gefühl, Deine bisherigen Ergebnisse reichen nicht für eine gute Promotion? Du kannst die Wissenschaft nicht bezwingen.

Aber Du kannst selbst entscheiden, wann Du genug geforscht hast und Deine Dissertation einreichen wirst! Du solltest nur aufhören, perfekt sein zu wollen! Hier gebe ich Dir drei Fragen mit, die Du Dir im Forschungsprozess stellen solltest und stelle ein paar hilfreiche Ideen vor.

Die Dissertation einreichen! Wann ist genug?

Im Promotionsprozess gibt es immer wieder die gleichen Fragen: Bin ich gut genug? Woran merke ich, dass ich fertig bin? Habe ich alle wichtigen Aspekte für meine Dissertation berücksichtigt? Habe ich alle wesentlichen Bücher gelesen und vor allem, habe ich das, was in den Büchern steht, richtig verstanden?

Gut ist nicht gut genug, oder? Viele Promovierende kennen das Problem. Kennst Du das auch?
Meistens ist das so, dass man immer, wenn man denkt, man hätte es verstanden und das Thema bezwungen, dass sich neue Aspekte und neue Richtungen ergeben, in die man forschen könnte. Dann stellen sich weitere Fragen und die wichtigste Frage ist wahrscheinlich: „Kannst Du Dir in Deiner Promotion leisten, bestimmte Themen einfach nicht weiter zu verfolgen?“

Wann ist Schluss mit Forschung?
Die Frage, wie viel Material bearbeitet werden muss, wie viele Bücher oder Aufsätze noch gelesen und paraphrasiert, wie viele Versuche noch durchgeführt und wie viele Interviews noch geführt werden müssen, ist wohl eine typische Frage für Promovierende, die gerade dabei sind, ihre Dissertation zu schreiben. Die Frage nach der Quantität und der Qualität der Themenbearbeitung trifft alle Promovierenden gleichermaßen und ist ohne den Dialog mit der Promotionsbetreuung kaum zu lösen.

Das fängt an bei denjenigen, die in der Vorbereitungsphase der Promotion dabei sind, ein Exposè für ihre Dissertation zu verfassen. Schon hier muss eigentlich entschieden werden, wie groß das Thema sein darf, soll oder muss, wie weit es in die Tiefe gehen kann und wie viel Forschung für eine Dissertation eingeplant werden soll.

Viele Promovierende, die sich bereits mitten in der Promotion befinden, fragen sich oft genug, ob sie nun genug gelesen haben, lesen aber dann doch noch mehr Bücher, Aufsätze und Forschungsergebnisse und befürchten trotzdem, noch nicht das gesamte Forschungsfeld berücksichtigt zu haben.

Für Promovierende in der Abschlussphase stellt sich oft die Frage, ob man sich trauen kann, die Dissertation jetzt schon einzureichen oder ob man besser noch perfekter ist, noch ein paar Bücher liest und vor lauter Zweifel kann es sein, dass diese Endphase der Promotion von der Angst des Fertigwerdens begleitet ist.

Wer sagt eigentlich, wann genug ist?
Meistens ist es Unsicherheit der Promovierenden bei gleichzeitigem Perfektionswahn, dass diese Frage nicht gestellt wird. Für einen Doktortitel wäre es allerdings wichtig, den Promotionsprozess irgendwann einmal abzuschließen.

Ob eine Forschung abgeschlossen ist oder noch weiter fortgeführt werden muss, sollte von mehreren Seiten aus betrachtet werden.

Wenn Du wissen willst, wann eigentlich genug ist, wäre meine Empfehlung, dass Du Dir selber diese drei Fragen stellst:

Ist die Forschungsfrage beantwortet?
Wichtig ist zunächst, dass die Forschungsfrage beantwortet ist. Dazu sollte diese so konkret wie möglich sein und wenig Spielraum für Unsicherheiten haben. Wenn Du merkst, dass Du eine unklare Forschungsfrage hast, formuliere sie noch etwas klarer! Schlussendlich liegt es immer in Deiner Entscheidung, ob Du die Forschungsfrage der Dissertation als beantwortet erklärst!

Ist die Promotionsbetreuung mit Dir einer Meinung, oder gibt es noch Empfehlungen?
Außerdem ist auch immer die Frage, was Promotionsbetreuer/innen zu dem bisherigen Stand der Arbeit sagen. Besprich mit der Promotionsbetreuung ob nun genug ist. Frage, welche Literatur oder Perspektiven aus Sicht der Promotionsbetreuung noch fehlen. Um mache deutlich, wann Deine Deadline ist, wann Du fertig sein und andere Dinge tun willst. Kläre ab, welche Argumente dafür oder dagegen sprechen noch weiteres Material hinzuzuziehen? Letztendlich lässt sich Deine Lösung nämlich nur im Dialog mit Dir und der Promotionsbetreuung finden!

Findest Du selbst, es sei nun genug?
Zum eigenständigen Forschen gehört auch, die Forschung abzuschließen und somit das Einreichen der Dissertation. Dafür brauchst Du eigentlich nur gute Argumente. Du kannst mit keiner Dissertation dieses Universums die ganze Welt erklären. Es bleibt Dir nichts Anderes übrig, als irgendwann aufzuhören.

Akzeptiere, dass die Wissenschaft immer größer sein wird als Du!

In der Wissenschaft wird es glücklicherweise immer Lücken geben. Das sichert den Fortbestand der Wissenschaft des Forschens. Entscheide für Dich, wann einmal andere an der Reihe sind, Deine Forschung weiter zu entwickeln. Schließlich baut Deine Dissertation auch auf den Forschungslücken auf. Lass doch einfach ein paar Forschungslücken für die anderen übrig, das beschleunigt das Einreichen Deiner Dissertation immens!

Nimm hin, dass Du niemals zu einem Ende kommen wirst, es sei denn, Du bestimmst das Ende selbst!

Im Prinzip könntest Du alle Bücher zum Thema lesen und es gäbe immer noch offene Fragen und immer noch weitere Antworten zu finden und bevor Du alle Bücher gelesen hättest, gäbe es schon wieder Neue. Keiner wird sagen, dass nun genug ist, wenn Du es nicht tust!

Hier noch einmal das Wichtigste zum Mitnehmen:

Die Wissenschaft wird immer größer sein als Du!

Es gibt kein Ende des Forschens, es sei denn, Du definierst das Ende selbst.
Forschungslücken zu hinterlassen ist positiv, denn andere Promovierende können diese nutzen.
Deine Promotion soll kein Lebenswerk sein und muss auf keinen Fall die gesamte Welt erklären (jedenfalls nicht in deiner Dissertation).
Entscheide aktiv und kläre im Dialog mit der Promotionsbetreuung, wann genug ist.

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