Partizipation ist eine Haltung

Wer partizipiert eigentlich in der Promotionsphase? Diese Frage habe ich mit Franz Vergöhl in einem Podcast erörtert. Franz promoviert an der Leuphana Universität Lüneburg über Universitäre Lehre und studentische Partizipation und arbeitet an der Universität Hamburg im Projektbereich Hochschullehre und studentische Partizipation des Universitätskollegs Hamburg. Franz kenne ich unter anderem als @F_Vergoehl von Twitter. 

Partizipation ist eine Haltung

Blogbeitrag von Jutta Wergen und Franz Vergöhl

Als Franz das Thema vorgeschlagen hat, war ich dankbar, denn ich freue mich immer, wenn jemand mit mir einen Podcast machen möchte. Allerdings konnte ich mir noch nicht so richtig etwas unter „Partizipation in der Promotion“ vorstellen. Vor allem, weil ich manchmal erlebe, dass beispielsweise die Beziehung zwischen Promovierenden und Promotionsbetreuung eher asymmetrisch ist. Und zur Partizipation gehört für mich das Handeln auf Augenhöhe. Ich bin froh, dass Franz und ich darüber gesprochen haben, denn nun habe ich eine Idee davon, wie Partizipation in der Promotionsphase gelebt werden kann.

Was meint Partizipation in der Promotionsphase?

Partizipation ist ein Handlungsraum, in dem Promovierende sich bewegen können. Dazu gehört, dass Promovierende und Promotionsbetreuung aktiv am Promotionsprozess beteiligt sind. Dabei geht es darum, welche (gemeinsamen) Entscheidungen im Promotionsprozess getroffen werden können. Partizipation heißt also, dass Promovierende und Betreuende Entscheidungen über den Fortschritt der Promotion gemeinsam treffen, bzw. gemeinsam besprechen.

Wo gibt es Partizipation in der Promotionsphase?

Mitarbeit in Gremien, Beteiligung an Entscheidungen der Hochschule, z. B. an der Entwicklung von Promotionsordnungen und Promotionsvereinbarungen gehören zur Partizipation in der Promotionsphase. Beispielsweise sieht die Novelle des Thüringer Hochschulgesetzes von 2018 vor, dass Promovierende durch eine Promovierendenvertretung als „Promovierendenrat“ in allen Organen und Gremien der Hochschule vertreten werden sollen (Thüringer Hochschulgesetzes 2018 S. 22) https://www.thueringen.de/de/publikationen/pic/pubdownload1767.pdf

An einigen Hochschulen wird diese Vertretungsregel jedoch ohne Stimmrecht ausgelegt. Die Promovierenden können zwar über ihre Vertretung Mitglieder in die verschiedenen Organe entsenden, diese werden dort jedoch nur beratend angehört (z.B. Leuphana). Oft werden die Interessen der Promovierenden daher entweder in der Statusgruppe der Wissenschaftlichen Mitarbeitenden oder der Statusgruppe der Studierenden mit vertreten.

 Allerdings sind beispielsweise Promotionsvereinbarungen nicht per se partizipativ, weil Promovierende in der Regel nehmen müssen, was angeboten wird. In vielen Fällen werden die Vereinbarungen zwischen Promovierenden und Promotionsbetreuung denn nicht eingefordert.

 Eigentlich ist es auch wichtig, dass die Promovierenden nicht nur bezüglich der eigenen Promotion, sondern auch in der Struktur des Promotionsstudiums und ggf. der Lehre einbezogen werden, zum Beispiel was Kolloquien, Lehraufträge oder Weiterbildung angeht.

Partizipation im Promotionsprozess bedeutet aktiv zu handeln

Partizipation im Promotionsprozess meint auch, Feedback nicht als Einbahnstraße zu betrachten, denn Feedback besteht immer aus Feedback geben und Feedback nehmen. Promovierende haben die Möglichkeit, zu kommunizieren, wie sie die Rückmeldung der Promotionsbetreuung aufgenommen haben. Ebenfalls wichtig ist es, nicht nur erbrachte Leistungen zu zeigen, sondern auch Schwierigkeiten zu benennen. Dazu gehören auch Schwierigkeiten im Leben außerhalb des Promotionsprozesses, beispielsweise der Finanzierung, der Kinderbetreuung sowie über Gefühle zu sprechen.

Die Promovierenden promovieren, die Betreuenden sind beteiligt

Transparentes handeln zwischen Promovierenden und Betreuenden fördert Partizipation. Dazu gehört es, dass die Promotionsbetreuung offen für alle Entwicklungsfortschritte der Promovierenden ist und dass regelmäßige Treffen stattfinden. Das Sichtbarmachen eigener Forschung, möglicherweise sogar des eigenen Promotionsprozesses, lässt Promovierende auch an der Forschung der Promotionsbetreuenden teilhaben. Die Erfahrungen der Promotionsbetreuenden helfen den Promovierenden in ihren eigenen Forschungsprozessen. Das Sichtbarmachen der Schreibprozesse erfolgreicher Schreibender kann Wunder wirken!  Promotionsbetreuende sollten auch oft Rückmeldung auf die Promotionsprozesse geben und dies gegebenenfalls auch niedrigschwellig. 

Sie können bei Veröffentlichung in Sammelbänden unterstützen und einen Austausch zwischen den Doktorand*innen fördern. Entscheidungen welche Aufsätze veröffentlicht werden sollten oder welche Vorträge sich für die geplante Karriere lohnen, könnten ebenfalls  wirklich Teil des Beratungsprozesses sein. Ganz wichtig ist die Unterstützung und Information bei Anträgen für Drittmittel. Das kann alles auch in kurzen regelmäßigen Gesprächen oder gelegentlichem Mittagessen geschehen.

Partizipation bedeutet Verantwortung für die Promotion

Partizipation aus Sicht der Promovierenden bedeutet, dass diese verantwortlich für die eigene Promotion handeln. Praktisch bedeutet das, sich gute Netzwerke aufzubauen, um an vielen Stellen zu profitieren. Beispielsweise kann Feedback nicht nur durch die Promotionsbetreuung kommen, sondern auch von anderen, beispielsweise anderen Forschenden, fortgeschrittenen Promovierenden oder in Fachgesellschaften, beispielsweise Nachwuchsgruppen. Verantwortung für die eigene Promotion zu tragen bedeutet auch, zahlreiche Unterstützungsangebote wahrzunehmen und sich von der Promotionsbetreuung als einziger Konstante zu lösen.

Rückmeldung auf Prozesse sind nie Rückmeldung auf Personen

Zu einem guten Promotionsprozess bedeutet es auch, Rückmeldungen auf Inhalte oder Prozesse nicht persönlich zu nehmen. So kann die Verantwortung für das eigene Promotionsprojekt stetig wahrgenommen werden.

Auch Promotionsbetreuende können Promovierende dabei unterstützen, Verantwortung für den eigenen Promotionsprozess zu übernehmen. Dazu gehört es beispielsweise Promovierenden Wege aufzuzeigen und die Entscheidungen auf Seiten der Promovierenden zu lassen. Ebenfalls sollte Wissen systematisch zur Verfügung gestellt werden, sodass Promovierende in ihren Entscheidungen für oder gegen Inhalte im Promotionsprozess unterstützt werden können.

Kommunikation fördert Partizipation

Partizipation in Promotionsprozessen ist ein wichtiges Thema, über das Promovierende und Betreuende nachdenken sollten.

Es wird Zeit, dass die Promotion als dritter Zyklus der akademischen Ausbildung auch mehr als erste Phase des Berufseinstieg gesehen wird und dementsprechend auf Augenhöhe aller Beteiligten gesehen wird. Darum ist es wichtig, über das Thema Partizipation zu sprechen – gemeinsam mit allen Beteiligten!

Gestaltung-Beziehung-Promotionsbetreuung
Onlineworkshop exposee schreiben

Dr. Jutta Wergen

Du bekommst von mir hilfreiche Unterstützung in Deiner Promotionsphase. Ich habe in meinen Beratungen, meinen Coachings und Workshops, on-und offline, hilfreiche und passgenaue Coachinginstrumente und Tools entwickelt. 

Dabei lege ich den Fokus auf die praktische Umsetzung und die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit von Promovierenden.

Coachingzonen-Wissenschaft habe ich 2014 gegründet. Hier biete ich, mittlerweile mit einem Team Online-Kurse für Promovierende an.

Ich kenne das Feld der Wissenschaft seit vielen Jahren und kenne die Strukturen der Nachwuchsförderung sowie die Besonderheiten von Promotionen. Ich weiß daher, welche typischen (und untypischen) Probleme und Fragen Promovierende haben können und kenne und entwickle mit Promovierenden gemeinsam die individuell passenden Antworten und Lösungen.

Ich arbeite seit 2001 als Coach und Trainerin mit Promovierenden. Zunächst habe ich Graduiertenprogramme koordiniert, Weiterbildungen konzipiert und angeboten. Selbstverständlich habe ich dazu selbst verschiedene Aus-und Weiterbildungen absolviert.

Als Trainerin und Coach biete ich an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen für Promovierende Workshops und Coachings an.