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Spinnen-Netz: Netzwerk zum Berufseinstieg

Spinnen-Netz: Netzwerk zum Berufseinstieg

Foto: depositphotos/Londondeposit

Was kommt nach der Promotion?

Das bundesweite berufliche Netzwerk zum Berufseinstieg „Spinnen-Netz“ kann auch Promovierende bei der Frage, was nach der Promotion kommt, unterstützen, denn diese Frage wird mit zunehmender Promotionsdauer dringender. Eine Informations- und Jobbörse für Promovierende, die erst einmal in der Wissenschaft bleiben wollen, gibt es schon, zum Beispiel auf academics.de. Aber wo finden jene Promovierende ein Netzwerk, Unterstützung und Stellenangebote, die nicht in der Wissenschaft bleiben können und wollen, die mit ihrer Expertise aus der Promotion trotzdem einen wissenschaftlichen, politischen, sozialen oder gesellschaftlichen Beitrag im Rahmen ihrer Berufstätigkeit leisten wollen?

Hier möchte ich das Netzwerk Spinnen-Netz vorstellen, weil dieses Netzwerk eine großartige Idee ist. Ich habe darum Frau Dr. Antje Schultheis, die Gründerin dieses Netzwerks, interviewt. Frau Dr. Antje Schultheis kenne ich übrigens aus dem Netzwerk Wissenschaftscoaching, auf das ich hier gerne hin und wieder verweise!

Wer ist das Spinnen-Netz und was steckt dahinter?

Das Spinnen-Netz ist ein bundesweites berufliches Netzwerk aus idealistischen Hochschulabsolvent/innen auf der Suche nach einer Arbeit mit gesellschaftlicher Wirkung. Täglich werden ausgewählte Arbeitsangebote aus dem Non-Profit-Bereich und der Wissenschaft bereitgestellt. 700 Mitglieder unterstützen sich mit Informationen zu Arbeitsmarkttrends und entstehenden Stellen bei neuen wissenschaftlichen oder politischen Projekten.

Wie bist Du eigentlich auf die Idee mit dem Spinnen-Netz gekommen?

Frau Dr. Antje Schultheis Gründerin Spinnen-Netz

Da ich selbst für verschiedene entwicklungspolitische NGOs tätig war und durch meine Promotion die Logik der Wissenschaft erfahren habe, kenne ich das Hamsterrad der kurzen und temporeichen Projektlaufzeiten und prekären Arbeitsbedingungen gut. Personelle Ressourcen, Geld und Zeit für eine langfristige Personalbedarfsplanung oder eine Personalentwicklung fehlen im gemeinnützigen Non-Profit-Bereich. Dennoch braucht es oft schnell und auf unkompliziertem Weg kompetente, flexible und motivierte Mitarbeitende. Am liebsten arbeiten Arbeitgeber/innen mit Personen zusammen, die den richtigen „Stallgeruch“ haben, wo man weiß, aus welcher wissenschaftlichen Schule oder welcher politischen Szene sie kommen. Durch die Mitarbeit in entsprechenden Arbeits- oder Ehrenamtskontexten hat sich Vertrauen in den Bewerber/in aufgebaut, sei es über direkte oder indirekte Kontakte. Das Spinnen-Netz will diesen Netzwerkprozess des Empfehlens und gegenseitigen Kennenlernens unterstützen: Gesellschaftlich engagierte hochqualifizierte interkulturell kompetente junge Hochschulabsolvent/innen mit ersten Berufs- und Auslandserfahrungen treffen auf Gleichgesinnte oder Arbeit gebende Organisationen im gemeinnützigen Bereich oder in der Wissenschaft. Die Forschungs- und Lehrtätigkeit in der Wissenschaft ist hinzugekommen, da hier der prekäre und kurzfristige Arbeitsmodus ganz ähnlich ist.

 Was unterscheidet das Spinnen-Netz von einer Job-Börse?

Das Netzwerk wächst auf Empfehlungen aufgrund der 4 Kriterien: Gesellschaftliches Engagement, interkulturelle Kompetenz, Fremdsprachenkenntnisse und berufliche Passung zu unseren Wirkungsfeldern – Gesellschaftspolitik- Wissenschaft und Bildung-Internationale Zusammenarbeit. Das Besondere im Vergleich zu einer reinen online Job-Börse ist der persönliche Austausch bei Regionaltreffen und die persönlichen Beratungsmöglichkeiten.

Welchen Service bietet das Spinnen-Netz?

• Stellen und Auftragshinweise – häufig mit direktem Bezug zu der ausschreibenden Organisation.
• Die Möglichkeit vorab Kontakt zu den Arbeit gebenden /ausschreibenden Organisationen herzustellen, vor allem durch unsere 150 externen Netzwerkpartner/innen, die mit über 15 Jahren Berufserfahrung in interessanten Organisationen arbeiten. Sie richten Stellenausschreibungen oft exklusiv ans Spinnen-Netz und stehen für Vorabinformationen in ihren Organisationen bereit.
• Hinter jedem Mitglied steht eine Empfehlung. So haben diese nach Prüfung Ihres Profils bei der Aufnahme auch die Möglichkeit, eine Referenz über die Geschäftsstelle zu erhalten.
• Jedes der 700 Mitglieder kann mit einem anderen Mitglied direkt Kontakt aufnehmen , wenn sein Profil, seine beruflichen Schwerpunkte, die über die Suchfunktion gefiltert werden können, von Interesse sind.
• Netzwerktreffen finden in sechs Städten statt: Die Spinn.Bars zu beruflichen Feldern und Trends auf dem Arbeitsmarkt.
• Im Freiberuflerforum können sich unsere ca. 50 Freiberufler/innen öffentlichkeitswirksam präsentieren. Vertretungen, Nachfolger oder Kooperationspartner können hier gefunden werden; informelle Auftragsanfragen können weitergereicht werden.
• Ein Mentorin Programm zur Unterstützung bei der beruflichen Orientierung durch unsere Netzwerkpartner/innen findest Du hier: https://www.spinnen-netz.de/seiten/mentoring.
Welche Veranstaltungen gibt es? Können auch Nicht-Mitglieder teilnehmen und wie erfahren diese von den Veranstaltungen?
In Bonn, Köln, Hamburg, Berlin, Frankfurt, München und Stuttgart bieten wir Netzwerktreffen, die so genannten Spinn.Bars an. Hier stellen Mitglieder/innen oder Netzwerkpartner/innen Berufsfelder oder ihre Organisationen vor, in der sie arbeiten: Zum Beispiel berichteten die Personalerin und eine Campaignerin von Fairt Trade Organisationen, Institutsleiter und Mitarbeiter von wissenschaftlichen Think Tanks und Universitäten, Mitarbeiterinnen von Engagement Global, Referent/innen von Umweltbildungsorganisationen, oder Freiberufler, die als Social Media Manager arbeiten.  Die Spinnen-Netzgeschäftsstelle initiierte einen Austausch zu wirkungsvollen Fortbildungen, zu prekären Arbeitsbedingungen mit einem Verdi-Vertreter oder zum Thema Ehrenamtliches Engagement und zuletzt eine Fishbowl-Diskussion mit fünf in der Flüchtlingsarbeit tätigen Referent/innen.
Die Mitglieder können Vorschläge für Themen machen und sich an der Organisation und der inhaltlichen Ausgestaltung beteiligen. Die Treffen im Bonner Raum finden ca. acht bis zehn Mal im Jahr statt, an den anderen Standorten 1-3 Mal im Jahr. Es sind auch schon eigene kleine thematische Arbeitskreise entstanden wie z.B., Erfolgsteams zum Thema Bewerbungen.
Die Spinn.Bars sind auch für alle interessierten Nicht-Mitglieder offen.

Warum ist das Spinnen-Netz als Netzwerk auch für Wissenschaftler/innen   interessant?

Wissenschaftler/innen sind ähnlich wie Mitarbeitende von gemeinnützigen NGOs stark von prekären Arbeitsbedingungen betroffen. Während des Jobs steht man bereits vor der nächsten Bewerbung, da die Verträge in 90 % aller Fälle befristet sind. Durch das Wissenschaftszeitvertragsgesetz ist der seriellen Aneinanderreihung von Kurzzeitverträgen keine Grenzen gesetzt. Deshalb gilt es, sich auf dem Laufenden zu halten.
Gleichzeitig ist die Motivation und der Idealismus von jungen Wissenschaftler/innen, für IHR Thema oder ihr Forschungsziel einiges zu investieren und flexibel auf neue Chancen zu reagieren, sehr hoch. Die beste Versicherung neben einer hohen Informiertheit sind gute Netzwerkkontakte, gekennzeichnet durch ein hohes Maß an gegenseitigem Interesse und Vertrauen. Beides finden Nachwuchsforscher/innen im Spinnen-Netz. Die Netzwerktreffen (Spinn.Bars sind charakterisiert durch ein hohes Maß an Zugewandtheit und Solidarität).

Welche beruflichen Ziele müssen Mitglieder des Spinnen-Netzes haben?

Den Mitgliedern gemeinsam ist, dass sie mit ihrer politischen oder wissenschaftlichen Arbeit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Gestaltung leisten wollen, dabei aber auch einen kritischen Blick und eine interkulturell aufgeschlossene Haltung haben. Ihre Karrierewünsche können ambitioniert, aber nicht vordergründig profitorientiert sein.

Wer sollte nicht Mitglied im Spinnen-Netz werden?

Jemand, der das große Geld in einem DAX Unternehmen, das in erster Linie auf Gewinnmaximierung setzt, verdienen möchte, oder mit einem aalglatten Karriereportfolio beruflich über Leichen geht, ist sicher fehl am Platz. Denn erstens haben wir keine klassischen Wirtschaftsjobs, und zweitens erwarten wir von den Mitgliedern, dass sie bereit sind, sich über ihre beruflichen Erfahrungen auszutauschen und andere Mitglieder mit Informationen in ihrer beruflichen Entwicklung solidarisch zu unterstützen.

Wie können sich Promovierende am Spinnen-Netz beteiligen?

Promovierende sind meist auch auf der Suche nach künftigen Arbeitsstellen und können diese hier finden und sich interessante Vorabinfos einholen. Zudem könnten sie über die interaktive Kontaktfunktion Diskussionszirkel gründen, Kooperationspartner für Forschungsprojekte finden oder sich über Erfahrungen bei bestimmten neuen Projektgeldgebern austauschen, die an der Schnittstelle Wissenschaft und Politik ausgeschrieben werden. Gerade im Flüchtlingsbereich entsteht hier viel Neues!
Zudem gibt es ein Wissenschaftsforum, wo sich die Mitglieder auf Call for Papers hinweisen können.

Wo kann man sich über das Spinnen-Netz informieren und kann man vom Spinnen-Netz profitieren, ohne sich gleich anmelden zu müssen?

Alle Spinn.Bars in den Städten Bonn/Köln, Frankfurt, Berlin, Hamburg, München und Stuttgart sind offen für neue oder am Veranstaltungsthema Interessierte.
Der öffentlich sichtbare Bereich unserer Website www.spinnen-netz.de bietet sehr viele Informationen rund um das Thema Bewerben mit Literaturtipps sowie einen ausführlichen überregionalem Veranstaltungskalender mit Konferenzen, Workshops in der Wissenschaft oder der NGO-Szene, bzw. in der internationalen Zusammenarbeit oder fachliche passende Jobmessen.
Darüber hinaus weisen wir auf unserer Facebookseite https://www.facebook.com/SpinnenNetz.ArbeitMitWirkung auf aktuelle thematisch passende Veranstaltungen und Diskussionsbeiträge hin und teasern besonders interessanteste Stellenausschreibungen an.

 

Beitragsbild: depositphotos. com Urheberrecht: londondeposit