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Buch: „Leaving Academia. Erfolgreich neue Wege gehen“ von Dr. Sandra Jansen
UTB (Link zum Mercator-Buchladen-Shop)

Für viele Promovierende und Postdocs stellt sich im Laufe ihrer wissenschaftlichen Laufbahn die Frage, ob sie in der Wissenschaft bleiben oder einen anderen beruflichen Weg einschlagen möchten. Häufig bleibt diese Überlegung zunächst unausgesprochen, weil bereits viel Zeit, Energie und persönliches Engagement in die akademische Karriere investiert wurden.

Dr. Sandra Jansen kennt diese Situation aus eigener Erfahrung. Sie hatte ihre Habilitation zu etwa drei Vierteln fertig, bevor sie sich bewusst für einen beruflichen Neuanfang außerhalb der Wissenschaft entschied. In ihrem Buch „Leaving Academia. Erfolgreich neue Wege gehen“ beschreibt sie, wie ein solcher Übergang gelingen kann, welche Herausforderungen damit verbunden sind und wie Wissenschaftler*innen ihre Kompetenzen erfolgreich in andere Berufsfelder übertragen können.

Ausstieg aus der Wissenschaft: Wie Du neue Wege findest

Dr. Sandra Jansen über ihr Buch „Leaving Academia“, versteckte Kompetenzen und Karrieren jenseits der Hochschule

Der Abschied beginnt lange vor der Entscheidung

Bei Sandra Jansen fiel die Entscheidung an einem Morgen im November 2022. Sie wachte auf und wusste, dass sie sich nicht mehr auf wissenschaftliche Stellen bewerben würde. Dieser Entschluss entstand jedoch nicht spontan, sondern war das Ergebnis eines längeren Reflexionsprozesses, der von einer persönlichen Krise und der allmählichen Erkenntnis geprägt war, dass die ursprünglich angestrebte Professur nicht mehr ihren eigenen Vorstellungen und Zielen entsprach.

Ein ähnliches Muster beobachtet Sandra Jansen heute auch in ihren Beratungsgesprächen. Menschen, die mit der Frage „Gehen oder bleiben?“ zu ihr kommen, benötigen nach einer ersten Phase der Reflexion häufig weitere Zeit, um ihre Entscheidung reifen zu lassen. Die Klärung der eigenen beruflichen Zukunft ist in der Regel ein Prozess und selten das Ergebnis eines einzelnen Moments. Gerade deshalb ist es sinnvoll, frühzeitig die eigenen Kompetenzen, Interessen und beruflichen Möglichkeiten zu reflektieren und neu zu ordnen.

Ein häufiges Hindernis in diesem Entscheidungsprozess stellt die sogenannte Sunk-Cost-Fallacy dar. Viele Betroffene berichten von dem Gedanken, bereits so viel Zeit, Energie und Engagement in die wissenschaftliche Laufbahn investiert zu haben, dass ein Ausstieg nicht mehr vertretbar erscheine. Aus psychologischer Sicht beschreibt dieser Denkfehler die Tendenz, vergangene Investitionen in zukünftige Entscheidungen einzubeziehen, obwohl sie objektiv nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Die Folge kann sein, dass Personen an einer wissenschaftlichen Laufbahn festhalten, obwohl sie deren Fortsetzung bereits ernsthaft infrage stellen.

Wissenschaftliche Kompetenzen sichtbar machen

Wissenschaftlerinnen verfügen häufig über ein deutlich breiteres Kompetenzprofil, als ihr Lebenslauf auf den ersten Blick erkennen lässt. Die Herausforderung besteht jedoch darin, diese Kompetenzen so zu beschreiben, dass sie auch außerhalb des Wissenschaftssystems verstanden und eingeordnet werden können. Wer berufliche Erfahrungen ausschließlich in den Kategorien akademischer Qualifikationen formuliert, macht zentrale Fähigkeiten für potenzielle Arbeitgeberinnen oft nicht ausreichend sichtbar.

Dr. Sandra Jansen beobachtet in ihren Workshops regelmäßig, dass Promovierte ihre eigenen Kompetenzen unterschätzen oder nicht als berufsrelevant wahrnehmen. So berichtet beispielsweise eine Person, die über Jahre erfolgreich in internationalen Forschungsteams gearbeitet hat, sie verfüge nicht über interkulturelle Kompetenz, da ihr hierfür eine formale Qualifikation fehle. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie stark die akademische Sozialisation die Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten prägen kann. Kompetenzen gelten häufig erst dann als nachweisbar, wenn sie durch Zertifikate oder formale Abschlüsse belegt sind.

Dabei erwerben Promovierende im Verlauf ihrer wissenschaftlichen Qualifikation eine Vielzahl überfachlicher Kompetenzen, die auch außerhalb der Hochschule gefragt sind. Dazu zählen unter anderem Projekt- und Veranstaltungsmanagement, etwa durch die Organisation wissenschaftlicher Tagungen, die Anleitung und Begleitung von Studierenden im Rahmen der Betreuung von Abschlussarbeiten, Stakeholdermanagement in interdisziplinären oder kooperativen Forschungsprojekten sowie die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte adressatengerecht für unterschiedliche Zielgruppen aufzubereiten und zu vermitteln.

Vor diesem Hintergrund beantwortet Sandra Jansen die häufig gestellte Frage „Brauche ich noch eine weitere Qualifikation?“ in den meisten Fällen mit einem klaren Nein. Entscheidend sei weniger der Erwerb zusätzlicher Zertifikate als die Fähigkeit, bereits vorhandene Kompetenzen zu identifizieren, sie in die Sprache des angestrebten Berufsfeldes zu übersetzen und anhand konkreter Erfahrungen und Erfolge überzeugend zu belegen.

Tatsächlich werden im Verlauf einer Promotion zahlreiche überfachliche Kompetenzen erworben, die auch außerhalb der Wissenschaft gefragt sind. Dazu gehören unter anderem Projekt- und Veranstaltungsmanagement, etwa bei der Organisation wissenschaftlicher Tagungen, Mentoring und Anleitung im Rahmen der Betreuung von Abschlussarbeiten, Stakeholdermanagement in interdisziplinären oder kooperativen Forschungsprojekten sowie die Fähigkeit, komplexe Inhalte adressatengerecht über Fachgrenzen hinweg zu kommunizieren.

Wo Promovierte ihre Kompetenzen erfolgreich einbringen können

Zu den klassischen Tätigkeitsfeldern für promovierte Wissenschaftler*innen außerhalb der Forschung zählen das Wissenschaftsmanagement, der öffentliche Dienst sowie der Kultur- und Bildungsbereich. Darüber hinaus gewinnt ein weiteres Berufsfeld zunehmend an Bedeutung: Corporate Learning. Unternehmen suchen verstärkt Fachkräfte, die Lernprozesse konzipieren, Wissen im Unternehmen sichern und die Personalentwicklung strategisch begleiten.

Besonders gute Perspektiven bieten außerdem Querschnittsfunktionen, in denen analytische, kommunikative und organisatorische Kompetenzen zusammenkommen. Gerade hier können Promovierte ihre Erfahrungen aus der Wissenschaft gewinnbringend einsetzen. Sandra Jansen arbeitet selbst im International Office einer Hochschule und nutzt dort täglich Fähigkeiten, die viele Wissenschaftler*innen im Laufe ihrer akademischen Laufbahn entwickeln: Sie arbeiten sich eigenständig in komplexe Themen ein, kommunizieren mit unterschiedlichen Zielgruppen und bewegen sich souverän in interdisziplinären Zusammenhängen.

Für Initiativbewerbungen empfiehlt Sandra Janssen einen Perspektivwechsel. Im Mittelpunkt sollte weniger die eigene Qualifikation stehen als die Frage, welchen konkreten Beitrag die eigene Expertise für die Organisation leisten kann. Wer nachvollziehbar darlegt, welches Problem sich mit den eigenen Kompetenzen lösen lässt oder welche Lücke sich schließen lässt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, als potenzielle Bereicherung wahrgenommen zu werden und den Einstieg in neue berufliche Kontexte zu schaffen.

Erste Zweifel während der Promotion: Innehalten und differenziert reflektieren

Wenn Zweifel bereits während der Promotion aufkommen, empfiehlt Sandra Jansen, diese nicht vorschnell zu bewerten, sondern systematisch zu reflektieren. Aus ihrer Sicht hat sich dabei ein dreistufiges Vorgehen bewährt.

Zunächst gilt es zu klären, woher die Zweifel stammen. Liegen sie in der Zusammenarbeit mit den Betreuenden, im Forschungsthema oder in persönlichen Lebensumständen? Erst wenn die Ursachen differenziert betrachtet werden, kann eingeschätzt werden, ob die Promotion selbst oder vielmehr die aktuellen Rahmenbedingungen belastend sind.

Im zweiten Schritt empfiehlt sie, den Blick auf die eigenen Ressourcen und Motivationen zu richten. Welche Aspekte der Promotion bereiten Freude? Welche Tätigkeiten geben Energie? Und welche Ziele oder Werte haben die Entscheidung für die Promotion ursprünglich getragen? Diese Reflexion kann helfen, zwischen einer vorübergehenden Belastungsphase und einer grundlegenden Neuorientierung zu unterscheiden.

Schließlich sollte ehrlich eingeschätzt werden, wie sich die Zweifel entwickeln. Werden sie mit der Zeit geringer oder nehmen sie zu? Wer bereits zu einem frühen Zeitpunkt erkennt, dass die Promotion nicht zum eigenen Lebensentwurf passt, kann durch einen rechtzeitigen Ausstieg wertvolle Zeit und Energie gewinnen. Befindet sich die Promotion dagegen bereits in der Abschlussphase, kann es sinnvoll sein, den Fokus auf den erfolgreichen Abschluss zu richten und die grundlegende Berufsentscheidung erst danach zu treffen.

Auch für Gespräche mit den Betreuenden rät Sandra Jansen zu einem strategischen Vorgehen. Sinnvoll ist es, zunächst eigene Perspektiven und mögliche Alternativen zu entwickeln, bevor eine berufliche Neuorientierung thematisiert wird. Insbesondere unmittelbar vor der Disputation hält sie ein solches Gespräch für wenig empfehlenswert. Betreuende nehmen zugleich die Rollen der wissenschaftlichen Begleitung, der Vorgesetzten und der Gutachter*innen ein. Diese Mehrfachrolle schafft ein Abhängigkeitsverhältnis, das bei der Planung entsprechender Gespräche berücksichtigt werden sollte.

Leaving Academia. Erfolgreich neue Wege gehen

Das Buch „Leaving Academia. Erfolgreich neue Wege gehen“ enthält zu allen 16 Kapiteln Aufgaben und Checklisten, die Du auch online herunterladen kannst. Hör Dir das ganze Gespräch in der Episode an

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