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Bisher war Twitter einer der beliebtesten Social-Media-Kanäle in der Wissenschaftskommunikation. Twitter wird genutzt, um mit der eigenen Forschung sichtbar zu werden, mit anderen Forschenden in Kontakt zu kommen und sich über die Grenzen der eigenen Fachgesellschaft hinaus auszutauschen. Auch Promovierende nutzten und nutzen Twitter als ein wichtiges Medium, sichtbar zu werden, die eigene Forschung sichtbar zu machen und sich auszutauschen.

Wissenschaftskommunikation: Bei Twitter bleiben oder zu Mastodon wechseln?

Allerdings wurde Twitter im Oktober 2022 verkauft und mit jeder Nachricht über den neuen Besitzer, mit jeder Entscheidung des neuen Besitzers sinkt die Bereitschaft der Wissenschaftler*innen, diese Plattform weiter zu nutzen. Trotzdem soll die eigene Forschung sichtbar sein und der Austausch mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern stattfinden.

Darum orientieren sich viele Menschen aus Scientific-Community gezwungenermaßen um. Viele Forschende entdecken Mastodon für sich. Doch die Entscheidung für eine Instanz bei Mastodon ist komplex und die wenigsten verfügen über Kenntnisse im Fediverse.

Ich habe mit David Lohner gesprochen, der schon 2018 neben seinem Twitteraccount auch ein Profil bei Mastodon hat. Er teilt sein Wissen und seine Erfahrungen.
Die wichtigsten Infos hier zum Lesen hier, oder zum Hören im Coachingzonen-Podcast, Episode 170.

Austausch bei Mastodon

Soziale Medien bieten eine Möglichkeit des wissenschaftlichen Austauschs. Das betrifft auch die Open Educational Resources.

David Lohner: Wer sich für Open Educational Resources interessiert und für offene Bildung einsteht, kommt leicht dazu, von einem eher kommerziellen sozialen Netzwerk, hin zu einem dezentral organisierten sozialen Netzwerk zu gehen. Twitter ist meiner Meinung nach einer der besten Kanäle, um Wissenschaftskommunikation zu betreiben oder sich mit Fachkolleginnen und Fachkollegen auszutauschen. Das gilt auch für einen wissenschaftlichen Austausch über die eigene Fachgesellschaft hinweg.

Verbesserter Datenschutz bei Mastodon

In Mastodon sind Instanzen über verschiedene Server organisiert. Diese Dezentralisierung von Daten erlaubt einen verbesserten Datenschutz. Dieser bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen Vorteil. So wäre es beispielsweise für Fachgesellschaften, Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen problemlos möglich, eigene Instanzen, also eigene Server für Mastodon zu nutzen und die Zugänge zu regeln.

Wohin die Reise geht: Mastodon und Twitter

Der Algorithmus von Twitter und der von Mastodon führt zu einem unterschiedlichen Nutzerverhalten. Während Tweets auf Twitter eine große Reichweite haben können, bleiben Tröts oder Toots auf Mastodon eher auf Ebene der Instanz. Dafür kann der gegenseitige, inhaltliche Austausch auf Mastodon besser gelingen.

David Lohner: Mastodon funktioniert sehr gut, um tatsächlich direkten Austausch zu haben. Und weil wir auf Mastodon mehr als die 280 Zeichen auf Twitter schreiben können, ist die Möglichkeit für ein Gespräch viel größer. Mit der gezielten Suche nach Hashtags ist möglich, auch Instanz-übergreifend in Kontakt zu kommen.

Eine Instanz bei Mastodon

Instanzen, also Server-Platz werden im Fediverse, zu dem Mastodon gehört, werden reichlich angeboten. Privatpersonen haben Instanzen, Firmen, Rundfunkanstalten, Forschungsinstitutionen und Hochschulen.
Wer seinen Account auf einer Instanz hat, kann ihn jederzeit zu einer anderen Instanz umziehen.

Von Twitter zu Mastodon

Wer von Twitter zu Mastodon wechseln möchte, kann das ganz einfach tun. Twitter-Follower*innen können über unterschiedliche Tools von Twitter exportiert und in Mastodon importiert werden, wie die Follows, denen man selbst folgt.

Twitter-Follower und -Follows importieren: https://www.tutonaut.de/mastodon-twitter-follower-und-follows-importieren/

Der Wunsch nach einem Account auf einer Mastodon-Instanz auch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern steigt seit dem Verkauf von Twitter im Oktober 2022. Einige Instanzen sind im Oktober/November 2022, möglicherweise aufgrund fehlender Speicherkapazitäten oder Ressourcen zur Verwaltung der Instanzen nicht erreichbar.
Das bedeutet für viele, sich einen Account auf einer anderen Instanz anzulegen.

Wie finde ich die richtige Instanz?

Ein Wechsel von Twitter mag vielen Menschen schwerfallen, weil eine Unsicherheit über die „richtige Instanz“ besteht.

David Lohner: Es gibt im Netz ganz viele Listen von Instanzen. Es gibt automatisiert generierte Listen, die einen Anspruch auf Vollständigkeit haben und es gibt kuratierte Listen, auf denen sich Wissenschaftler*innen bestimmter Fachgesellschaften und Fachrichtungen mit ihrem Mastodon Account selbst eintragen können, so dass man ihnen gezielt folgen kann.

Und es ist möglich, einer Instanz anzugehören und trotzdem anderen Instanzen zu folgen. Für die Wissenschaftskommunikation mit Mastodon könnte das bedeuten:

David Lohner: Also ich kann in einem geschützten Bereich sein, zum Beispiel auf der Instanz meiner Hochschule, wenn es denn da eine gibt. Es würden sich dann da beispielsweise nur Hochschulangehörige, Studierende, Forschende, Verwaltung und Leitung eintragen können. Trotzdem könnten dann alle außerhalb der Instanz in diesem dezentralen Netzwerk vielen anderen Menschen auf anderen Instanzen folgen und kommunizieren.

Aber wie wichtig ist die richtige Instanz im Fediverse, bei Mastodon eigentlich?

Wer zu Mastodon wechseln will, muss sich für eine Instanz zu entscheiden. Es kann aber auch sein, dass ein Beitritt zu dieser Instanz nicht zu jedem Zeitpunkt möglich ist.
Es ist aber zu jedem Zeitpunkt möglich und relativ unkompliziert, die Instanz zu wechseln. Die Kontakte bleiben auch nach dem Wechsel der Instanz dem eigenen Profil zugeordnet.

Erste Schritte in Mastodon

Wer einen Account auf Mastodon zugehörigen Server errichtet hat, muss wissen, dass es im Gegensatz zu Twitter eigentlich zwei Timelines gibt:

David Lohner: Es gibt einmal die lokale Timeline, da sehe ich alle Beiträge von den Nutzern und Nutzerinnen, die auf meiner gewählten Instanz unterwegs sind. Und dann gibt es die sogenannte föderierte Zeitleiste, in der dann auch Beiträge derer auftauchen, mit denen die User auf meiner Instanz verbunden sind. Viele Apps auf mobilen Endgeräten zum Beispiel erlauben es auch, diese lokalen und föderierten Zeitleisten anderer Server zu betrachten, sofern diese öffentlich eingestellt sind.

Wie geht es weiter mit dem Fediverse?

Natürlich können wir nicht in die Zukunft schauen, aber die Entwicklung bei Twitter, aktuell im Nov. 2022 lässt, macht die Bildung eines Netzwerks für Wissenschaftler*innen auf Mastodon wahrscheinlich.

David Lohner: Nicht umsonst sprechen wir in der Wissenschaft über Open Access und Open Educational Resources. Und deshalb glaube ich, dass das Fediverse gerade für die Wissenschaft besonders sinnvoll ist. Und da wird es wahrscheinlich in der nahen Zukunft auch viele Informationsveranstaltungen und Gesprächsrunden geben, die sich genau mit diesem Thema beschäftigen. Und das wird die Wissenschaftskommunikation beeinflussen.

David Lohner: Learning Experience Designer, setzt sich für offene, digitale Bildungsangebote ein und gestaltet diese individuell.
Kontakt: https://davidlohner.info/