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Promotionsbetreuung: Was sollte geklärt werden?
Promotionsbetreuung: Was sollte geklärt werden?

Promotionsbetreuung: Was sollte geklärt werden?

Promotionsbetreuung: Hätten wir einmal vorher drüber gesprochen – oder: Hinterher ist man immer schlauer….

Wenn es in der Promotion hakt und nicht so richtig vorangeht, das sagt mir meine fast 15-jährige Erfahrung als Coach für Promovierende, liegt das in vielen Fällen an den fehlenden Absprachen zwischen den Promotionsbetreuenden (die man früher mal Doktorvater und Doktormutter nannte) und den Promovierenden.

Kennst Du diese typischen Hindernisse im Promotionsprozess?

  • die Finanzierung der Promotion (ohne Promotionsstipendium oder Stelle als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in),
  • eine mangelhafte oder fehlende Promotionsbetreuung,
  • Berufstätigkeit während der Promotion,
  • die Vereinbarkeit der Promotion mit Familientätigkeiten, u.v.m.

Hier erfährst Du, worauf Du bei Fragen zur Promotionsbetreuung möglichst schon zu Beginn der Promotion achten solltest!

Obwohl es mittlerweile an vielen Universitäten Promotionsvereinbarungen gibt, die von Promovierenden, Promotionsbetreuenden und der Fakultätsleitung (Dekan) unterschrieben werden, ist es wichtig, dass Betreuende und Promovierende Einzelheiten zum Promotionsprojekt und zum Promotionsablauf klären. Das ist auch deshalb wichtig, weil die oft recht guten Promotionsvereinbarungen in der Praxis zwar oft zu den Formalitäten der Promotion gehören, aber nach dem Abheften des Papiers nie wieder thematisiert werden (leider!!).

Mangelhafte oder fehlende Kommunikation behindert Deinen Promotionsprozess, manchmal sogar bis zum Promotionsabbruch!

Die Liste der Themen, die Promotionsbetreuer/innen und Promovierende besprechen sollten, ist lang. Man könnte meinen, es sei etwas übertrieben, so viel besprechen zu wollen. Doch die Erfahrung zeigt, dass fehlende Kommunikation zwischen Promotionsbetreuenden und Promovierenden zu Missverständnissen, Unsicherheiten und Konflikte führen können, die schlimmstenfalls zum Promotionsabbruch zur Folge haben, zumindest aber die Promotionsdauer verlängern könnte.
In der Praxis ist die Kommunikation im Promotionsablauf nicht immer vorgesehen und möglicherweise denken auch die Betreuenden nicht dran, etwaige Fragen vorher zu klären und die Promovierenden kennen diese Fragen möglicherweise noch nicht (und trauen sich manchmal später auch nicht so recht, mal konkret nachzufragen).
Darum schlage ich hier eine Reihe von Themen vor, die bereits vor – oder im Laufe der Promotion, besprochen werden dürfen. Manche Fragen, besonders weiter unten die Fragen zur Karriereplanung sind nicht unbedingt vor der Promotion zu fragen, sondern werden möglicherweise erst im Verlauf der Promotion wichtiger.

Darüber solltest Du sprechen: Formalitäten der Promotion.

Die Frage, ob die Formalitäten vor der Promotion erfüllt werden, lassen sich für Promovierende leicht in der Promotionsordnung nachschlagen. Trotzdem ergeben sich auch im Zusammenhang mit der Promotionsordnung Fragen, die die Promotionsbetreuung beantworten könnte.
Das betrifft die Sonderfälle, für die es häufig Ausnahmen gibt, zum Beispiel: Eine Promotion mit FH-Abschluss, die Beteiligung einer Promotionsbetreuung aus einer Fachhochschule, eine Promotion mit einem ausländischem Masterabschluss, ein Promotionswunsch trotz nicht Erreichung einer vorgeschriebenen Mindestnote (manche Promotionsordnungen setzen eine Mindestnote voraus) oder eine sog. fachfremde Promotion, also eine Promotion in einem Fach, das man ursprünglich nicht studiert hat.
Hier gibt es oft Kann/Soll-Bestimmungen in Promotionsordnungen und durch ein Gespräch mit einer (potenziellen) Promotionsbetreuung kann einiges geklärt werden. Oft hilft es hier, dass die Promotionsbetreuung mit dem Promotionsausschuss in Kontakt tritt.

  • Werden die Voraussetzungen der Promotionsordnung zur Promotion erfüllt?
  • Müssen zusätzliche Leistungen (Promotionsstudium, Leistungspunkte, Credits o.ä.) erbracht werden?
  • Hat die Promotionsbetreuung Einfluss auf die Höhe der Credits?

Das können Fragen sein, die Du mit der Promotionsbetreuung besprichst. Wichtig vor allem, wenn in der Promotionsordnung vorgesehen ist, dass die Promotionsbetreuung diese zusätzlichen Leistungen vorschlägt (die der Promotionsausschuss dann berät und festlegt).

Darüber solltest Du sprechen: Zweitbetreuung der Promotion.

Auch wenn man meistens nicht sofort eine Zweitbetreuung benennen muss, sollte diese Frage möglichst bald besprochen werden. Schließlich ist Dein/e Zweitbetreuer/in auch Deine Ressource! Die Zweitbetreuung wird ebenfalls Experte/in für das Promotionsthema sein und sich optimal mit der Erstbetreuung ergänzen.

  • Wer ist Zweitbetreuung? Wann/Wie wird diese gefunden?
  • Was sollte aus Sicht der Promotionsbetreuung bei der Wahl der Zweitbetreuung beachtet werden?
  • Welche Personen würden in Frage kommen?

Darüber solltest Du sprechen: Feedback und Formalien.

„Wie oft kann ich während meiner Promotion ein Feedback erhalten?“

Dieses ist eine Frage für Dich! Regelmäßiges (und am besten konstruktives!!!) Feedback auf den Forschungsprozess und auf die schriftlichen Ausarbeitungen sind wichtig. Manche Betreuende bieten das von sich aus im Vereinbarungsgespräch zur Promotionsbetreuung an, tun sie das nicht, sollte man schon einmal nachfragen.

  • Wird es regelmäßige Gespräche, z.B. „Halbjahresgespräche“ zwischen Promotionsbetreuung und Doktorand/in geben?
  • Gibt es die Möglichkeit, kurzfristig Termine zur Besprechung zu bekommen?
  • Ist ein Uniwechsel oder ein Forschungsfreisemester geplant (Diese Frage kann man auch mal zurückstellen oder die Antwort anderweitig herausfinden – möglicherweise wissen die Betreuenden das noch nicht oder sie wollen nicht drüber reden, allerdings ist das wichtig zu wissen, ob die Professorin die Universität verlässt oder der Professor einmal ein halbes Jahr nicht erreichbar ist).
  • Gibt es die Gelegenheit, auf schriftliche Entwürfe ein Feedback zu bekommen – wird ein Text gelesen – wie lange dauert das – wie lang darf der Text sein?
  • Wie oft soll/darf das eigene Dissertationsprojekt im Doktorandenkolloquium vorgestellt werden?
  • Wie lang soll die Dissertation werden (Höchstseitenzahl/Seitenangaben). Sofern es in der Promotionsordnung keine Vorgaben gibt, ist die Seitenzahl der Dissertation eine Absprache mit der Promotionsbetreuung. Auch wenn man die Dissertation nicht seitengenau planen kann, hilft die Orientierung sehr.
  • Gibt es bestimmte Formatvorlagen bzw. welche Schriftart/Schriftgröße wäre angenehm?

(ACHTUNG: Hier sollte man sich vorher schon schlau machen, ob es im Institut oder in der Fakultät schon Vorgaben gibt – ggf. gibt es auch auf den Webseiten der Betreuenden bereits Informationen zu den Formaten, bzw. Formatvorlagen, oder in der Promotionsordnung bereits Angaben über Seitenzahlen, etc. UND evtl. findet man das im Laufe der Promotionszeit beispielsweise bei den Kollegen und Kolleginnen im Kolloquium heraus – sonst wirkst du eher uninformiert ;-).

Darüber solltest Du sprechen: Expertise und Vernetzung.

„Ich promoviere bei Prof. XY, weil der damals schon im Studium so nett war…“ Bitte nicht!
Es versteht sich von selbst, dass Du Dir eine Promotionsbetreuung suchst, die sich mit Deinem Promotionsthema auskennt, und Dich dort unterstützen kann.

  • Passt die fachliche Expertise der Promotionsbetreuung zum geplanten Promotionsprojekt?
  • Gibt es weitere inhaltliche Unterstützung/Kooperationen (Universität/Fakultät/Institute)?
  • Gibt es thematisch nahe Graduiertenkollegs an der Universität/an anderen Universitäten?
  • Können von der Promotionsbetreuung Vernetzungsempfehlungen, z.B. zu anderen Wissenschaftler/innen bzw. Forschenden/Promovierenden gegeben werden?
  • Besteht die Möglichkeit, Tagungsbesuche zu finanzieren, z.B. aus Lehrstuhl- oder Projektmitteln?

Darüber solltest Du sprechen: Wissenschaftliche Weiterbildung und Schlüsselkompetenzen.

Mit einer abgeschlossenen Promotion hast Du einen Doktortitel erworben, doch dieser alleine reicht nicht für einen Eintritt in den (akademischen) Arbeitsmarkt. Du brauchst mehr als die Dissertation, um mit einem Dr.-Titel erfolgreich zu sein.

  • Wo sieht die Promotionsbetreuung Entwicklungsbedarf, bzw. Entwicklungsmöglichkeiten im Hinblick auf eine Karriere in- und außerhalb der Wissenschaft? Welche Weiterbildungs-, bzw. Veranstaltungsangebote gibt es, und welche sollten wahrgenommen werden?
  • Bietet die Fakultät/das Institut, der Lehrstuhl oder das Graduiertenprogramm der Universität Veranstaltungen an und welche sind aus Sicht der Promotionsbetreuung besonders sinnvoll für die angestrebte Karriere und sollten besucht werden?
  • Wird der Besuch von Veranstaltungen finanziell unterstützt? Und als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in: Gibt es die Möglichkeit, Weiterbildungsveranstaltungen während der Arbeitszeit zu besuchen?
  • Wird der Besuch hochschuldidaktischer Veranstaltungen oder der Erwerb eines hochschuldidaktischen Zertifikates zeitlich (z.B., wenn du wiss. Mitarbeiter/in bist) bzw. finanziell unterstützt?

 Darüber solltest Du sprechen: Berufliche Perspektiven.

Wie ist das Promotionsthema in den Kontext wissenschaftlicher Forschungen einzuordnen, was kannst Du damit machen, welche weiteren Optionen bietet es? Hier kann es hilfreich sein, im weiteren Verlauf Deiner Promotion, durch ein Gespräch mit der Promotionsbetreuung zu reflektieren und auf neue Ideen zu kommen.

  • Welche beruflichen Perspektiven bietet das Promotionsprojekt, bzw. welche beruflichen Perspektiven sieht die Promotionsbetreuung darüber hinaus?
  • Wie können geplante, berufliche Ziele erreicht werden? (Beratung und Unterstützung)
  • Inwieweit kann die Promotionsbetreuung bei wissenschaftlichen Perspektiven behilflich sein? (Networking/Publikation/Tagungsbesuche)

Darüber solltest Du sprechen: Karriereplanung.

Die Promotionsbetreuung ist bei der Karriereplanung eine wichtige Ressource! Diese Planung der Karriere ergibt sich im Laufe der Promotion. Durch Netzwerke und Kontakte, die „scientific community“ des Faches, bzw. der Fachdisziplin und ggf. angrenzender Forschungsbereiche haben die Promotionsbetreuer/innen häufig einen guten Überblick über die Forschungslandschaft, neueste Entwicklungen, vielleicht auch über freie Stellen in bald entstehenden Projekten, Tagungen oder Publikationen.

  • Gibt es die Möglichkeit, mich bei meiner Karriereplanung zu unterstützen? (durch Kontakte, Empfehlungen, geplanten Projekten).
  • Gibt es die Möglichkeit, dass ich im Lehrstuhl eine Lehrveranstaltung anbiete? (das ist weniger eine Frage für wissenschaftliche Mitarbeiter/innen, externe Promovierende und Stipendiat/innen mit dem Plan einer wissenschaftlichen Karriere schadet eine Lehrveranstaltung im Lebenslauf nicht).
  • Sollte ich in einem bestimmten Medium publizieren, gäbe es die Möglichkeit einer gemeinsamen Publikation?
  • Welche Tagungen sollte ich besuchen? Auf welchen Tagungen sollte/muss ich vortragen und welche wären für mich als Teilnehmer/in interessant?

 

 „To Go“

Mangelhafte oder fehlende Kommunikation mit der Promotionsbetreuung führt zu Problemen im Promotionsprozess. Du promovierst länger und im schlimmsten Fall führt fehlende Kommunikation zu einer schlechteren Note oder sogar zum Promotionsabbruch!

Kläre wichtige Fragen, BEVOR du eine Betreuungsvereinbarung eingehst.

Schreibe Dir vorher auf, was Du wissen willst.

Bereite Dich auf das Gespräch mit der zukünftigen Promotionsbetreuung vor. Besprich Deine Fragen vorher mit Kolleg/innen, Freund/innen, die schon promovieren, lasse Dich ggf. beraten, z.B. von mir oder dem Netzwerk Wissenschaftscoaching

 

Hast Du noch weitere Anregungen, was Promovierende mit der Promotionsbetreuung (bzw. Doktorvater oder Doktormutter) klären sollten? Dann hinterlasse mir hier einen Kommentar oder schreibe eine E-Mail an wergen@coachingzonen-wissenschaft.de

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