Jede Promotion hat ihre eigenen Krisen, wobei Promovierende nicht unbedingt alle Krisen mitnehmen müssen. Hier nun einige typische Krisen in der Promotion sowie mögliche Lösungen.

Krisen im Promotionsprozess

Ich gebe zu, dass ich für viele Herausforderungen des Promovierende es keine passende bzw. allgemeingültige Lösung habe. Letztendlich geht es vielleicht nur darum, die Abstriche nicht zu groß zu machen und die Dissertation nicht ganz weit nach hinten zu schieben, sondern den Promotionsprozess Schritt für Schritt zu bewältigen. Letztendlich sind die Krisen im Promotionsprozess eine Einladung, den nächsten Fort-Schritt einzuleiten und die dafür nötigen Kompetenzen zu erwerben. Darum sind Krisen eigentlich gar nicht so schlecht, wobei klar ist, dass es ohne Krisen immer viel besser geht.

Auf Promotionskrisen unmittelbar reagieren

Egal in welcher Krise Du gerade steckst, wichtig ist erst nicht zu lange darin zu verweilen. Promovierende sollten wieder schnell handlungsfähig werden und Optionen entwickeln. Das geht in Gesprächen mit Kollegen und Kolleginnen oder mithilfe professioneller Unterstützung wie beispielsweise einem Promotionscoaching.

Promotionsvorbereitungskrisen

Soll ich promovieren oder soll ich nicht promovieren? Das kann schon eine erste Krise im Promotionsprozess auslösen. Vielen Studierenden bzw. Absolventen und Absolventinnen fällt die Entscheidung für oder gegen eine Promotion schwer. Dabei ist die Entscheidung zur Promotion selten eine rein ökonomische Entscheidung. Oft spielen das Interesse an der Forschung allgemein bzw. ein hohes Interesse an einem speziellen Promotionsthema eine große Rolle.

Was Du tun kannst: informiere Dich über den Promotionsprozess, beispielsweise hier im Blog und durch Gespräche mit Promovierenden und promovierten. Wäge auch Deine Alternativen ab. Und dann überlege, ob Dir schreiben, forschen und ganz allgemein das wissenschaftliche Arbeiten Spaß macht. Trau Dich, besonders wenn die Rahmenbedingungen passen. Dazu gehört, dass Du für die Promotion eine Finanzierung, beispielsweise eine Stelle oder ein Stipendium akquirieren kannst. Und dann brauchst Du natürlich noch die Promotionsbetreuung. 

Finanzierungskrisen

Kaum eine Promotion ohne finanzielle Krisen. Oft reicht die Zeit eines Stipendiums nicht aus, denn ein Stipendium wird meist für drei Jahre vergeben, die Promotionsdauer beträgt oft aber ca. fünf Jahre (Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2021, S. 138). Auch die Beschäftigungsbedingungen in der Wissenschaft mit den befristeten Verträgen sind nicht förderlich für eine Promotion.

Oft ist eine berufsbegleitende Promotion bzw. eine teilweise berufsbegleitende Promotion, spätestens zum Ende der Promotionszeit die einzige Möglichkeit, die Promotion abzuschließen. Hier geht es wohl nicht ohne Organisationstalent um unterschiedlichen Anforderungen an Vereinbarkeit unter einen Hut zu bekommen

Was Du tun kannst: nimm Beratungsmöglichkeiten wahr. Informiere Dich über Möglichkeiten der Finanzierung. Oft sind es mehrere Finanzierungsquellen, die eine Promotion möglich machen. Beispielsweise kann nach einem Stipendium eine Stelle in der Wissenschaft oder außerhalb der Wissenschaft angetreten werden. Im Notfall greifen Promovierende oft auf die Beendigung der Dissertation entweder berufsbegleitend oder während des Erhalts von Arbeitslosengeld zurück. Das ist zwar nicht optimal, möglicherweise hilft aber der Gedanke, dass die Arbeitslosenquote von Promovierten unter 2 % liegt (Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2021, S. 138)

Motivationskrisen​

Motivationskrisen ergeben sich nach Rückschlägen in der Forschung oder manchmal auch nach dem Besuch des Promotionskolloquiums. Manchmal treten Motivationskrisen auch nach längeren arbeitsintensiven Phasen auf, etwa weil man viel Energie verbraucht hat und sich zu wenig ausgeruht hat. Klassisch sind Motivationskrisen auch nach Feedback durch Peer-Reviews, die vielleicht nicht gerade wertschätzend und motivierend formuliert wurden.

Was Du tun kannst: bei einer Motivationskrise macht es (wie eigentlich bei allen Krisen) Sinn, danach zu fragen, was hinter der Motivationskrise steckt. Ist es das Bedürfnis nach einer Pause oder ist es das Bedürfnis nach Bestätigung und Wertschätzung? Oder könnte diese Krise durch Austausch und Vernetzung überwunden werden. Ganz oft hilft es, sich mit anderen Promovierenden zu einem Promotionsteam zusammenzuschließen.

Und dann kann es auch hilfreich sein, sich zu überlegen, warum man irgendwann mal mit der Promotion begonnen hat, was man mit der Promotion bewirken wollte. Wenn das immer noch zählt, sollte ein Motivationsschub wieder möglich sein. Wichtig sollte es immer sein, die Bedürfnisse hinter der Motivationskrise zu entdecken und zu befriedigen.

Sinnkrisen​

In der Promotion gibt es größere und kleinere Sinnkrisen. Es ist normal, den Sinn der eigenen Arbeit zu hinterfragen. Darum kann man diese Krisen manchmal sogar mit Humor nehmen und andererseits können auch tiefere Gedanken dahinter stecken.

Was Du tun kannst: Sieh Sinnkrisen als etwas, was an Deine Tür klopft und Dich fokussieren möchte. Lade sie auf eine Tasse Tee ein und frage sie, was sie für Dich tun möchten. Nutze Sinnkrisen konstruktiv, beispielsweise um Dich zu motivieren. Zähle auf, warum Deine Arbeit wichtig ist. Falls es Dir selbst in der Krisensituation nicht mehr einfällt, dann frage andere. Hier ist auch unbedingt der Notfallkoffer ein guter Begleiter.

Materialkrisen​

Als Materialkrisen in der Promotion bezeichneten Werner Fiedler und Eike Hebecker (2007). Jene Krisen, in denen sich nicht entschieden werden kann, welches Material relevant ist. Oft ist nach einer gewissen Zeit zu viel Material vorhanden und viele Promovierende haben das Bedürfnis immer noch mehr Material für die Beantwortung Ihrer Fragestellung zu nutzen. Dann kommt schnell die Frage auf, welche Materialien wichtig sind und welche weniger wichtig, wobei potenziell ja alle Materialien wichtig sind.

Was Du tun kannst: Oft hilft es schon, sich noch einmal auf die Fragestellung zu konzentrieren. Was genau soll in der Dissertation beantwortet werden und was nicht. Dann könnte der Blick ins Exposé auch noch hilfreich sein, etwa um sich die Themeneingrenzung noch einmal vor Augen zu führen. Eine weitere Möglichkeit ist es, mit der Promotionsbetreuung die verwenden Materialien abzusprechen. Letztendlich sollten Promovierende sich klarmachen, dass sie mit ihren Dissertationen nicht die gesamte Thematik des Faches abdecken können bzw. die Welt erklären können. Die Frage hinter der Materialkrise ist eigentlich die Frage danach, was in der vereinbarten Zeit machbar ist. Da sollte man dann rigoros aussortieren, gegebenenfalls auch mit Hilfe anderer.

Betreuungskrisen​

Eine Betreuungskrise ist dann gegeben, wenn es Schwierigkeiten zwischen Promotionsbetreuung und Promovierenden gibt. Das können inhaltliche Konflikte sein, es können auch Konflikte rund um die Beschäftigungssituation, die Aufgabenbereiche oder in einer Konkurrenzsituation sein. Aber solche Krisen können auch auf Missverständnissen basieren oder sich über die Art und Weise des Feedbacks ergeben. In so einer sensiblen Situation zwischen Promovierenden und Promotionsbetreuer nennen kann es häufiger kriseln.

Das kannst Du tun: Den Ball flach halten und prüfen, ob es sich objektiv um eine Krise handelt oder um persönliche Empfindlichkeiten auf der einen oder anderen Seite. Und dann ist die Entscheidung zu treffen ob und wie Du handeln möchtest. Sollte es sich um Konflikte handeln, die in einem Gespräch nicht zu lösen sind, ist es möglich Ombudspersonen der Fakultät bzw. der Universität/Hochschule hinzuzuziehen. Auch ein Gespräch mit der Gleichstellungsbeauftragten kann weitere Option ergeben. Manchmal ist es einfacher, mit der Betreuungsperson über die eigenen Bedenken, Befindlichkeiten oder Konflikte zu sprechen. Im Podcast Nummer 25 habe ich beispielsweise mit meiner Kollegin Dr. Birgit Szczyrba gesprochen, wie das gehen kann.

Vereinbarkeitskrisen​

fast alle Promovierenden müssen unterschiedliche Anforderungen vereinbaren. Es müssen beispielsweise Erwerbsarbeit, Familienarbeit und Sorgearbeit mit der Promotion vereinbart werden. Auch durch die Promotion ergeben sich Vereinbarkeitsanforderungen, beispielsweise in Forschungsprozessen, Publikationen und Konferenzen.

Das kannst Du tun: Meist ist von Situation zu Situation zu entscheiden, welche Prioritäten gesetzt werden. Wichtig ist, dass die Dissertation nicht bzw. nicht langfristig auf dem letzten Platz ist. Dazu könnte es günstig sein, auch kleine Aufgaben zu formulieren, beispielsweise eine To-do-Liste mit 15-Minuten-To Dos, von denen dann täglich eine Aufgabe abgearbeitet werden kann. Hier im Blog unter Downloads findest Du auch einige Vorschläge, wie Du die Zeitplanung der Promotion gestalten kannst.

Die Abschlusskrise

Unabhängig davon, dass keine der vorgestellten Krisen eintreten muss, könnte die Abschlusskrise zu den vermeidbaren Krisen gehören. Zwar kann es sich am Ende der Promotion anfühlen als wäre man im Tunnel und es gäbe nichts anderes außer dem Abschluss der Promotion, aber gut organisiert ist diese Krise vermeidbar bzw. gut zu bewältigen. Dazu gehört, während der Promotion der letzte Teil des Schreibens und Arbeitens gut vorzubereiten und abzuschließen.

Nicht allen ist es möglich, sich am Ende der Promotion für mehrere Monate zurückzuziehen und mit der Welt nicht mehr zu kommunizieren. Kinder müssen großgezogen und Arbeitsplätze behalten werden.

Das kannst Du tun: organisiere Deine Arbeit auch beim Endspurt der Promotion bereits so, dass Du geregelte Arbeitszeiten haben kannst. Ebenfalls günstig ist es, bereits vorher Hilfe zu organisieren. Beispielsweise macht es Sinn, die infrage kommenden Personen bezüglich Feedbacks und Korrekturen zu informieren und Termine abzusprechen/zu reservieren.

Sichtbarkeitskrisen

ich habe festgestellt, dass einige Personen am Ende der Dissertation in eine Krise geraten, weil ihnen plötzlich klar wird, dass sie ihre Dissertation veröffentlichen müssen. Fast irrationale Ängste bezüglich des Feedbacks von außen rücken ins Bewusstsein​. Wo das Wissen darum bereits die gesamte Promotionsphase andauert geht es plötzlich ernst.

Das kannst Du tun: jede Dissertation muss veröffentlicht werden. Daran ist nicht zu rütteln. Allerdings kannst Du Dich ein bisschen absichern, indem Du Dir während des Promotionsprozesses bereits Feedback holst und auch zum Schluss die Dissertation gegen lesen lässt. Ansonsten muss man sich daran gewöhnen, die Sichtbarkeit auszuhalten. Macht es Sinn, bereits während der Promotionsphase zu publizieren. Promovierende werden nicht nur mit ihrem Thema sichtbar, sondern gewöhnen sich auch daran, Feedback, auch unverlangte Feedback zu erhalten. Sichtbar zu sein heißt letztendlich auch fertig zu sein, das sollten Promovierende sich immer wieder klarmachen.

 Jede Krise in der Promotion ist eine Einladung

Das waren einige Krisen, wie sie im Promotionsprozess vorkommen können. Allgemeingültige Lösungen gibt es nicht, es gibt aber immer andere Promovierende und Promovierte, die diese Krisen bereits erlebt haben. Andere Personen nach ihren Erfahrungen und ihren Lösungen zu fragen, kann hilfreich sein. Die Lösungen von Promovierten lassen sich möglicherweise auf eigene Krisen anwenden. Ansonsten hilft es Krisen als Einladung zum lernen zu verstehen. Jede bewältigte Krise ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Doktortitel.

Lasst Euch nicht entmutigen – eine Promotion ist möglich!

Ich wünsche Euch für jede Krise eine Bewältigung und das Eure Krisen nicht allzu groß ausfallen. Erfolgsgeheimnis in Krisen ist sicherlich, nicht zu lange in Krisen zu verweilen sondern schnell Hilfe zu suchen. Das kann sein, in dem man Verbündete findet, indem man Zeit gut geplant, in dem man neue Wege geht, und indem man das Ziel fest im Blick hält. Und schließlich gibt es ja auch noch professionelle Hilfe, wie beispielsweise das Promotionscoaching. 

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