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Zahlt sich ein Lektorat bei einer Doktorarbeit aus?
Zahlt sich ein Lektorat bei einer Doktorarbeit aus?

Zahlt sich ein Lektorat bei einer Doktorarbeit aus?

Zahlt sich ein Lektorat bei einer Doktorarbeit aus?

Ein Gastartikel von Huberta Weigl

Möglicherweise sind Sie gerade dabei, Ihre Doktorarbeit abzuschließen, und fragen sich, ob sich ein Lektorat auszahlt. Zunächst können Sie sicher sein, dass die sprachliche Qualität Ihres Textes durch ein professionelles Lektorat auf jeden Fall besser wird. Allerdings kostet das Lektorat einer Doktorarbeit auch einiges, was vor allem mit dem Umfang zu tun hat. Die meisten Doktorarbeiten umfassen doch 200 bis 300 Manuskriptseiten, manchmal auch deutlich mehr. Dieser Artikel soll Ihnen die Entscheidung für oder gegen ein Lektorat Ihrer Doktorarbeit erleichtern. Darüber hinaus erfahren Sie, wie ein Lektorat abläuft.

Was leistet ein Lektorat?

Im Rahmen eines Lektorats werden Rechtschreib- und Grammatikfehler korrigiert. Umständlich formulierte Sätze werden punktuell umformuliert und damit lesbarer. Darüber hinaus achtet ein Lektor auch darauf, ob Sie einheitlich zitiert und das Literaturverzeichnis stringent aufgebaut haben. Sollte er sonst Unstimmigkeiten in Ihrer Uni-Arbeit entdecken, wird er Sie in Form von Kommentaren im Manuskript darauf aufmerksam machen.

Was ein Lektor nicht macht: Er greift nicht inhaltlich in Ihren Text ein, denn erstens würde er dann die Schwelle zum Ghostwriting überschreiten und zweitens fehlt ihm in der Regel auch die fachliche Kompetenz dazu. Für den Inhalt Ihrer Arbeit sind Sie allein verantwortlich.

Schließlich umfasst ein Lektorat auch keine Plagiatsprüfung. Ihr Lektor wird Sie, wenn es ihm auffällt, sicherlich auf fehlende Belege hinweisen – mehr aber nicht. Auch eine Überprüfung Ihrer Literaturangaben auf inhaltliche Richtigkeit ist nicht Teil eines Lektorats.

Bei einem Lektorat geht es vor allem darum,

  • Ihren Text auf Rechtschreib- und Grammatikfehler durchzusehen,
  • sprachliche Unebenheiten zu beseitigen und den Text damit besser lesbar zu machen und
  • auf einheitliche Schreib- und Zitationsweisen zu achten.

Was kostet das Lektorat einer Doktorarbeit?

Zunächst einmal sollten Sie im Auge behalten, dass ein Lektorat nichts mit dem „Durchlesen“ zu tun hat, das Ihre Freunde oder Studienkollegen für Sie erledigen können. Ein professionelles Lektorat ist viel umfassender. Abhängig von der Qualität wird ein guter Lektor Ihre Doktorarbeit mindestens zweimal sehr sorgfältig lesen. Da er nicht nur Fehler korrigiert, sondern auch Mammutsätze teilt, Schachtelsätze entschachtelt etc., ist das ein zeitaufwendiger Prozess. Ganz abgesehen davon, dass das Lektorat von wissenschaftlichen Texten zu den anspruchsvollsten Aufgaben eines Lektors gehört, wozu es viel Erfahrung braucht.

Abhängig von der Qualität Ihrer Arbeit wird ein Lektor ca. drei bis acht Manuskriptseiten pro Stunde schaffen – selten mehr. Apropos Manuskriptseiten: Lektoren rechnen nicht auf der Basis von Manuskriptseiten, sondern von Normseiten ab.

Wie umfangreich eine Normseite ist, definiert jeder Lektor individuell und wird das im Kostenvoranschlag auch deutlich machen. Eine Normseite umfasst zwischen 1.500 und 1.800 Zeichen inkl. Leerzeichen.

Die Preise pro Normseite schwanken und hängen natürlich wiederum von der Qualität des Textes ab. Hinzu kommt, dass Lektoren mit unterschiedlichen Sätzen für Normseiten (und letztendlich auch für Stunden) arbeiten. Gute Lektoren, also solche, die nicht nur nebenbei lektorieren, sondern hauptberuflich und viel Erfahrung haben, werden für das Lektorat einer Doktorarbeit zwischen 5 und 8 Euro pro Normseite verlangen. Ist der Lektor umsatzsteuerpflichtig, kommt die Umsatzsteuer noch dazu (in Deutschland sind das 19 %, in Österreich 20 %).

Hier ein kurzes Rechenbeispiel:

Eine Doktorarbeit mit 300 Manuskriptseiten wird in etwa 400 Normseiten zu 1.500 Zeichen inkl. Leerzeichen umfassen. 400 Normseiten zu 6 Euro sind 2.400 Euro netto. Zuzüglich 19 % USt. sind das 2.856 Euro.

Das ist für Studierende ein stattlicher Betrag (von dem für den Lektor nach Steuer und Bezahlung der Kranken-, Unfall und Pensionsversicherung übrigens nur die Hälfte des Nettopreises, also 1.200 Euro bleiben), daher nun zu der Frage, ob Sie Ihre Doktorarbeit tatsächlich lektorieren lassen sollten.

Ist es sinnvoll, die Doktorarbeit lektorieren zu lassen?

Das kommt drauf an. Wenn Sie große Schwächen in Rechtschreibung und Grammatik haben und/oder dazu tendieren, umständlich zu formulieren, dann würde ich Ihnen auf jeden Fall dazu raten, Ihre Doktorarbeit lektorieren zu lassen. Sind Sie im Sprachlichen ziemlich sattelfest, dann können Sie auf ein Lektorat verzichten.

Der eine oder andere Rechtschreib- oder Tippfehler ist sicherlich kein Beinbruch. Übrigens sollten Sie Ihre Arbeit unbedingt auch zusätzlich noch von Freunden und Kollegen Korrektur lesen lassen und um Feedback bitten. Nur Mut: Je mehr Augen über Ihre Arbeit geschaut haben, desto besser wird sie am Ende sein.

Wie findet man als Doktorand einen guten Lektor?

Auf jeden Fall können Sie im Freundeskreis fragen, ob jemand mit einem bestimmten Lektor bereits gute Erfahrungen gemacht hat. Natürlich können Sie auch googlen oder das Verzeichnis der Freien Lektorinnen und Lektoren  durchforsten. Wo der Lektor lebt, den Sie betrauen, sollte heutzutage keine Rolle spielen. Viel wichtiger ist meiner Meinung nach, ob er selbst ein Studium abgeschlossen (mindestens auf Masterlevel) und Erfahrung mit Wissenschaftslektoraten hat.

Wie läuft ein Lektorat einer Doktorarbeit ab?

Zunächst einmal braucht der Lektor eine längere Textprobe plus eine präzise Angabe der Zeichen inkl. Leerzeichen sowie das Inhaltsverzeichnis oder am besten das ganze Manuskript (als Worddatei, denn nur damit kann man die Zeichenzahl ermitteln). Er muss den Umfang kennen und die Qualität Ihrer Arbeit einschätzen können. Das bedeutet: Anfragen wie „Was kostet es, wenn Sie meine Doktorarbeit, die 300 Seiten hat, lektorieren?“ sind nicht zu beantworten. Mit diesen Angaben fängt ein Lektor nichts an. So eine Anfrage ist viel zu wenig konkret.

Zusammen mit der Textprobe oder dem Manuskript sollten Sie dem Lektor auch Ihre Zeitvorstellungen mitteilen. Abhängig vom Umfang der Doktorarbeit und von deren sprachlicher Qualität sollten Sie damit rechnen, dass das Lektorat zwischen drei und sechs Wochen dauert. Für das Lektorat des oben angeführten Beispiels wird man wohl etwa vier Wochen veranschlagen müssen. Sie sehen jetzt übrigens auch, dass der Betrag von 2.400 Euro netto bzw. 2856 Euro brutto, von dem für den Lektor 1.200 Euro bleiben, in etwa einem knappen Monatsgehalt entspricht.

Viele Lektoren bieten ein kostenfreies Probelektorat an. Das ist eine sinnvolle Sache, weil Sie dann sehen, wie viele Fehler Sie gemacht haben, was alles zu tun ist und wie der Lektor arbeitet. Wir in der Schreibwerkstatt machen bei Doktorarbeiten gerne ein Probelektorat: Die Studierenden können dann die Qualität unserer Arbeit besser einschätzen und wir können präziser kalkulieren, weil wir die Uhr beim Probelektorat (das meist zwei bis drei Normseiten umfasst) stellen und so den Zeitaufwand genauer erfassen können. Eine Win-win-Situation für alle.

In der Regel wird Ihnen der Lektor zusammen mit dem Kostenvoranschlag (und allenfalls dem Probelektorat) sagen, wie lange er sich das Zeitfenster für Ihre Arbeit reserviert. So lange können Sie dann überlegen, ob Sie das Lektorat in Auftrag geben wollen oder nicht.

Der Kostenvoranschlag sollte

  • den Leistungsumfang präzisieren,
  • den Liefertermin des fertigen Lektorats festhalten (zumindest auf die Kalenderwoche genau) und
  • die Zahlungsmodalitäten anführen.

Bei so großen Aufträgen, wie es das Lektorat einer Doktorarbeit darstellt, ist eine Anzahlung üblich. Manche Lektoren verlangen auch eine Abschlagszahlung, das bedeutet, Sie verlangen eine Zahlung während des Arbeitsprozesses. Für sämtliche Zahlungen müssen Sie vorab eine Rechnung erhalten. Zahlen Sie niemals, ohne zuvor eine Rechnung erhalten zu haben!

Wie sieht das Manuskript nach dem Lektorat aus?

Wenn wir in der Schreibwerkstatt ein Lektorat übernehmen, erhalten Sie Ihren korrigierten Text in zwei Dateiversionen: In einer sehen Sie alle Korrekturen, in der anderen sehen Sie nur mehr die Kommentarblasen am Rand, bei denen Sie als Autor nochmals gefragt sind. Mein Rat: Arbeiten Sie mit der Version weiter, in der alle Korrekturen sichtbar sind, denn letztendlich sind Sie ja für das, was Sie abgeben, verantwortlich. Im Korrekturmodus von Word können Sie bei jeder einzelnen Korrektur entscheiden, ob Sie sie annehmen oder nicht. Arbeiten Sie also mit der lektorierten Datei direkt weiter.

Sie sehen also: Nach dem Lektorat kommt nochmals Arbeit auf Sie zu, für die Sie Zeit einplanen sollten. Ihre Doktorarbeit ist nicht sofort abgabereif.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um einen Lektor zu kontaktieren?

Gute Lektoren sind meist ziemlich ausgelastet und haben oft kurzfristig keine Kapazitäten frei. In meinen Augen ist es sinnvoll, etwa zwei Monate vor dem Abschluss der Doktorarbeit auf die Suche nach einem Lektor zu gehen und zwei oder drei Kostenvoranschläge samt Probelektorat einzuholen. Wenn Sie dann den Auftrag erteilen, tickt die Uhr (was wunderbar gegen die Aufschieberitis am Ende hilft). Sie müssen dem Lektor ja genau sagen, wann er mit dem Manuskript rechnen kann. Und an den vereinbarten Zeitpunkt sollten Sie sich auch unbedingt halten.

Fazit

  • Ein Lektorat ist erlaubt und zahlt sich immer aus. Es hat nichts mit Ghostwriting zu tun.
  • Ein Lektorat inkludiert keine Plagiatsprüfung.
  • Ob Sie in ein Lektorat investieren sollten, hängt von Ihrer sprachlichen Kompetenz der sprachlichen Qualität Ihrer Doktorarbeit ab.

Und zum Schluss: Wenn Sie erstmals mit einem Lektor zusammenarbeiten, werden Sie vermutlich begeistert sein. Es ist erstaunlich, was ein Profi oft noch findet, wo er die Hebel ansetzt und was Sie bei der genauen Durchsicht Ihres Manuskripts, nachdem ein Lektor es auf dem Schreibtisch hatte, selbst noch lernen können (da spreche ich ganz aus eigener Erfahrung).

Über die Autorin

schreibwerkstatt lektorat doktorat-Coachingzonen

Dr. Huberta Weigl

 

Huberta Weigl ist studierte Betriebswirtin und promovierte Kunsthistorikerin. Sie war zehn Jahre Mitarbeiterin an der Universität Wien. 2012 hat sie in Wien die Schreibwerkstatt  gegründet. Zum Team von Huberta Weigl zählen zwei erfahrene Lektorinnen, die auf Wissenschaftslektorate spezialisiert sind.

 

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