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Vortragen in der Wissenschaft
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Vortragen in der Wissenschaft

Kommunikation ist Innovation: Vortragen in der Wissenschaft

Hier stelle ich das Buch: Der TED-Effekt. Wie man perfekt visuell präsentiert-für TED-Talks, YouTube, Facebook und Videokonferenzen & Co. Redline Verlag, von Florian Mück, John Zimmer vor.

Gute Vorträge in der Wissenschaft? Nicht!

Es ist leider immer noch nicht üblich, auch wissenschaftliche Vorträge für die Zuhörer und Zuhörerinnen angenehm zu gestalten. Das musste ich letztens auf einer Konferenz feststellen, bei der bereits der erste Vortragende zahlreiche Folien hatte, bei denen er sagen musste „Das können sie hinten sicher nicht mehr lesen“.

Ich habe mich dann gefragt, was man sich bei der Vorbereitung eines solchen Vortrags denkt? Vielleicht denkt man sich: „Ich quetsche jetzt mal meine Zahlen und Tabellen auf eine Folie und wenn die dann keiner lesen kann, ist mir das doch egal?“

Ist eigentlich außer mir noch jemand empört und ärgert sich über solche Vorträge? Da machen sich zig Leute früh morgens auf den Weg zu einer Tagung und dann sitzen sie da, können eng beschriebene Folien nicht lesen, die der oder die Vortragende dann freundlicherweise vorliest (… als ob man dazu auf eine Tagung gehen müsste).

Wenn das nun der einzige Vortragende gemacht hätte –okay! Aber die Vorträge waren fast alle ziemlich schlecht. Leid tat es mir wegen des verschwendeten Geldes und der verschwendeten Zeit. Und dann dachte ich noch an die armen Studierenden, die sich diese Art von Vorträgen anhören müssen und dann auch noch etwas lernen sollen.

Zu diesem Anlass möchte ich hier ein Buch vorstellen, dass zwar nicht für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen geschrieben ist, diese sich aber von der Idee des Vortragens inspirieren lassen können. Florian Mück, John Zimmer (2017) Der TED-Effekt. wie man perfekt visuell präsentiert-für TED-Talks, YouTube, Facebook und Videokonferenzen & Co. Redline Verlag

Was sind TED-Talks?

TED-Talks haben auch in der Wissenschaft Einzug gehalten und einige Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen kennen sie vermutlich. Besonders, weil sich TED-Talks zum Einen für eine Runde intelligente Prokrastination eigenen, zum Anderen zur Inspiration und zur Sammlung von innovativen Ideen. Und weil die Redner und Rednerinnen der TED-Talks wirklich toll performen! TED bedeutet Technology, Entertainment und Design (TED) und der dazugehörige Slogan ist „Ideas Worth Spreading“. Alle TED-Talks sind frei zugänglich und werden mit Untertiteln in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Tipp: Promovierende, die sich auf eine Disputation vorbereiten sollten zur Inspiration zumindest mal ein paar TED-Talks gesehen haben.

TED-Talks entstanden aus TED- Konferenzen, die seit 1984 bzw. 1990 ein Forum für einen interdisziplinären Austausch sind. Die TED-Talks sind Videos der regelmäßig stattfindenden Konferenzen. Die Videos dauern nie länger als 18 Minuten. Die Themen von TED-Talks sind innovativ und vor allem vielfältig, ob sie aus den Bereichen der Neurowissenschaften, der Naturwissenschaften oder den Bereichen Kreativität, künstlicher Intelligenz oder Themen aus Bildung Musik oder Psychologie kommen. Wichtig ist, dass die Themen der TED-Talks innovativ sind. Redner und Rednerinnen die einen TED-Talk halten wollen, werden immer professionell vorbereitet und gecoacht.

Für die Autoren des Buches ist es ein TED-Effekt, das Publikum durch die Art des Vortrags thematisch zu fesseln und in den Bann zu ziehen – sogar jene, denen das Thema nicht geläufig ist. Beide Autoren haben bereits ein TED-Talks gehalten. Für sie ist Kommunikation ein wichtiger Aspekt von Innovation. In ihrem Buch beraten sie praxisnah auf eine Präsentation vor.

Obwohl sich das Buch nicht primär an Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen richtet, können diese doch eine Menge daraus lernen.

 

Das Buch: Der TED-Effekt

Das Buch ist in verschiedene Teile (Kapitel) eingeteilt. Zunächst geht es um das Präsentieren an sich und die Zunahme visueller Präsentation in Form von Videopräsentationen. Die Teile die darauf folgen, sind Vorbereitung, visuellen Hilfsmittel, Bühnenpräsenz, Video TED-Talks, arbeiten mit Bildern und die Perspektive der Präsentation. Schließlich werden am Ende des Buches noch einige TED-Talks vorgestellt

Im Kapitel Vorbereitung beschreiben die Autoren beispielsweise, dass der Hauptteil eines guten Vortrags eine gute Vorbereitung dieses Vortrags ist. Dazu stellen sie eine 5-teile Übung bereit. Diese bezieht sich auf die Orientierung im Thema und im Raum, die Fokussierung auf das Ziel, die Definition der Botschaft, die Relevanz des Themas sowie die Struktur des Vortags. Die Übungen dazu beinhalten Erkenntnismöglichkeiten und hilfreiche Tipps.

Im zweiten Kapitel, zum Thema „Visuelle Hilfsmittel“,  geht es nicht nur um PowerPoint Folien sondern auch Gegenstände, die Vortragende dazu nutzen können, ihren Vortrag anschaulich zu gestalten.

In Teil drei, „Auf der Bühne“, werden unterschiedliche technische Hilfsmittel, generell der Umgang mit Technik sowie die Stolpersteine eines guten Vortrags beschrieben. Wie kannst Du beispielsweise Licht, Kamera oder Mikrofon ohne große Schwierigkeiten nutzen und für welche Geräte solltest Du Dich entscheiden? Ebenfalls geht es um die Ausstattung der „Bühne“ (die nicht unbedingt eine echte Bühne sein muss), sowie die Kleidung beim Vortrag. Die Autoren stellen zusätzlich einige „Performance-Booster“ vor.

Teil vier gibt spezielle Hinweise zu Video-Talks. Das betrifft Informationen, Technik und die Agenda.  Auch Körperhaltung ist dort ein Thema.

Der fünfte Teil beschreibt, wie lebendig Vorträge mit der Imagination von Bildern und Geschichten (Storytelling) unterstützet werden können.

Inspiration durch den TED-Effekt

Das Buch ist nett und recht kurzweilig zu lesen. Wobei ich es auch etwas anstrengend finde, da es viele Aussagen gibt, die die Autoren aus ihrer Praxis haben. Ich als Wissenschaftlerin brauche ja generell immer Quellen und frage gerne mal „sagt wer?“

Es bietet auch für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Erkenntnisse, wie sie ihre Vorträge oder Disputationen vorbereiten können. Allerdings ist ein TED Talk doch wesentlich anders als ein wissenschaftlicher Vortrag und daher ist dieses Buch für die Wissenschaft auch nur bedingt empfehlenswert.

Die Idee hinter den TED-Talks und hinter dem Buch, nämlich das Publikum in den Bann ziehen zu wollen schadet der Wissenschaft allerdings nicht. Es geht nicht immer nur darum möglichst viele Aussagen in einem Vortrag zu bekommen sondern es sollte auch darum gehen zu überlegen, was möchten meine Zuhörer und Zuhörerinnen wissen?

Was ist meine Botschaft? Was sind wesentliche Erkenntnisse und was würde das Publikum interessieren? Und das dann gut verpacken!

Darum ist das Buch als Inspiration empfehlenswert – besonders für jene, die auf neue Vortrags-Ideen kommen wollen und denen es wichtig ist, das sich das Publikum nicht langweilt oder genervt ist. Die Balance von Performance und Inhalt muss ja schließlich gewahrt bleiben.

 

 

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