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Prokrastination – bist Du noch online?

Prokrastination – bist Du noch online?

Prokrastinierst Du noch oder schreibst Du schon?

Kennst Du das?

Eben noch fleißig geschrieben und plötzlich findest Du Dich, ohne genau zu wissen wie Du dahin gekommen bist, auf Spiegel.de, Facebook, irgendwelchen Blogs, YouTube oder irgendwo in der großen weiten Internetwelt wieder. Das nennt man wohl Prokrastination!

Meistens fängt es an, indem man einmal schnell etwas nachschauen, etwas recherchieren möchte. Letztens ist es mir passiert, dass ich zwischendurch ein Probe-Abo abgeschlossen habe. Manche finden sich vor dem Fernseher wieder, beim Shoppen oder sonstwo.

Sinnvolleres, aber irgendwie nicht besseres Prokrastinieren heißt, auch einmal wieder den Kühlschrank abzutauen, das Auto in die Werkstatt zu bringen, oder zum Zahnarzt zu gehen. Ich habe mich sogar einmal, wieder mit meiner Schwester vertragen, um zu… ja.. um was eigentlich zu tun? Ja, um die Arbeit an meiner Dissertation aufzuschieben?? Weil??

Promovierende sind Prokrastinations-Expert/innen!

Es scheint, dass kaum jemand so viel Expertise beim Thema „Aufschieben“ hat, wie jene, die einen wissenschaftlichen Text verfassen müssen, ob es nun Studierende oder Promovierende sind. Vor allem Promovierende schaffen es in allen Phasen ihrer Promotion, zwischen Exposee für die Promotion und dem Vortrag für die Disputation, ihre Gedanken schweifen zu lassen, um dann etwas anderes zu tun. Das wird auch „Aufschieberitis“ genannt, denn promovieren kannst Du auch morgen noch! Ich habe manchmal das Gefühl, nie war das Prokrastinieren leichter als heute. Das Internet mit all seinen Online-Zeitungen, Recherche-Datenbanken und nicht zu vergessen – mit Facebook und Co., unterstützen Promovierende tatkräftig dabei, ganz schnell zu vergessen, dass sie eigentlich zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Dissertation einreichen wollen.

Man könnte sagen: „Wenn Du Zeit zum prokrastinieren hast, hast Du einfach nicht genügend Druck“.

Stimmt das auch? Die Forschung hat sehr zu meiner Freude festgestellt, dass Prokrastination besser ist, als ihr Ruf. Es gibt nämlich einen Zusammenhang zwischen Prokrastination und Kreativität. Eine Studie aus Wisconsin zeigt , dass Personen, die vor ihrer Aufgabe ein Videospiel spielten, nachher viel kreativer waren. Der Punkt ist wohl, dass sie durch das Prokrastinieren nicht die erste Idee verfolgten, sondern länger darüber nachdachten und von daher kreativere Ergebnisse brachten.

Naja, die Theorie, das Prokrastinieren gar nicht so schlecht ist, wird Dir jetzt wahrscheinlich nichts nützen.
Deadline ist Deadline und irgendwann läuft einmal jedes Stipendium aus, ist jede Befristung vorbei und nur für abgeschlossene Dissertationen gibt es den Doktortitel.

So wenig wie ich an Schreibblockaden glaube, glaube ich an die „Prokrastination“ als solche!

Die Suche nach Ablenkung steht meistens für etwas anderes, vielleicht ist es einfach Arbeitsüberlastung, vielleicht das Gefühl nicht gut genug zu sein, oder Sorgen vor der Zukunft, die für viele Promovierte bekanntlich nach Erreichen des Doktortitels oft unsicher ist. Manche Promovierende können sich auch gar nicht vorstellen, einmal fertig zu sein.
Als Coach würde ich Dir raten, lade Deine Prokrastination auf eine Tasse Tee ein und unterhalte Dich mit ihr. Frage sie, was sie Gutes für Dich tun möchte.Vielleicht hilft es Dir, herauszufinden, WARUM Du prokrastinierst und Dir gelingt es, Dein Problem an anderer Stelle zu lösen.

Falls das nichts für Dich ist, schlage ich Dir ein paar Verhaltensänderungen vor.
Führe in Deinen Promotionsalltag neue Gewohnheiten ein und gewöhne Dich an neue Arbeitsroutinen!

Die gute Nachricht ist: Sobald Du merkst, dass Du prokrastinierst, kannst Du etwas dagegen unternehmen. Manche Promovierende merken erst nicht, dass sie anfangen zu prokrastinieren und irgendwann fällt ihnen auf, dass sie nichts geschafft haben.
Darum ist es sinnvoll, sich stetig mit diesem Thema Prokrastination in der Promotionsphase auseinander zu setzen. Hier habe ich ein paar Ideen für Dich, wie Du das Prokrastinieren schnell unterbrichst.

Prokrastination: Das kannst Du tun, um den Prokrastinations-Teufelskreis zu durchbrechen:

  • Führe ein Prokrastinations-Protokoll: Notiere einmal einige (Promotions-) Tage hintereinander minutiös, was Du gemacht hast. Rechne aus, wieviel Arbeitszeit Du genutzt und wieviel Prokrastinations-Zeit Du verschwendet hast. Mach Dir bei der Prokrastinations-Zeit klar, was Du stattdessen gezielt hättest tun können, zum Beispiel etwas, was Dir guttut und ein gutes Gefühl gibt!
  • Schreibe auf, was Du schaffen willst. Teile große Aufgaben in kleinere Teile und hake ab, was erledigt ist. Abhaken macht glücklich!
  • Plane vorher, wann Du eine Pause machst. Notiere Dir die Zeit auf einem Post-It und klebe es an den Rand des Monitors.
  • Nutze die Promodoro-Technik. Du formulierst Deine Aufgabe, arbeitest eine gewisse Zeit daran und machst eine Pause und arbeitest wieder eine Zeit bis zur nächsten Pause. Der Erfinder der Pomodoro-Technik schlägt 25 Minuten vor (Du kannst die Dauer der Zeit für Dich anpassen).
  • Schalte das Internet aus! OK – ganz alter Trick, schalte auch das Smartphone aus oder lege es verkehrt herum (noch besser in einen anderen Raum, in den Schrank oder belasse es in deiner Tasche), so dass Dich das Blinken neuer E-Mails, Whatsapps, Twitternachrichten oder Facebookmeldungen nicht vom Promovieren abhalten.
  • Teile anderen mit, dass Du produktiv an Deiner Promotion arbeitest und Du nicht erreichbar bist.
  • Gewöhne Dir an, jeden Tag zu einer ganz bestimmten Zeit an Deiner Dissertation zu arbeiten. Nimm Dir beispielsweise jeden Tag die gleiche Stunde vor.
  • Verabrede Dich mit einer Person, die ebenfalls promoviert, um Euch an einem Tag in der Woche auszutauschen, was ihr geschafft habt.
  • Führe eine Liste, in der Du täglich notierst, was Du geschrieben hast: Nehme Dir vor, täglich eine bestimmte Anzahl Wörter zu schreiben, zum Beispiel 1000, 2000 oder 5000 Wörter. Oder nimm Dir vor, jeden Tag eine bestimmte Seitenanzahl zu schreiben.
  • Produktiv an der Dissertation zu sitzen, ist Gewohnheitssache. Wenn Du anfängst zu schreiben, schaue auf die Uhr. Nehme Dir genau 30 Minuten Zeit vor und mache nichts Anderes, als zu schreiben. Jedes Mal, wenn Du Dein Schreiben unterbrichst, beginnen die 30 Minuten wieder von vorn.
  • Du könntest dir auch vornehmen, so lange zu arbeiten oder zu schreiben, wie ein Teelicht brennt. Normale Teelichter brennen 4 Stunden (es gäbe noch welche, die sechs oder 8 Stunden brennen).
  • Mache Dir einen Plan! Wenn Du den Plan einhältst, kannst Du sicher einmal gezielt prokrastinieren – das gibt Dir gleich ein besseres Gefühl!
  • Und schließlich: Manchmal muss man auch einfach aufhören. Dann ist keine Strategie die Richtige und Du tust gut daran, Deinen Arbeitstag zu beenden und etwas anderes, Sinnvolles zu tun. Zum Beispiel sich auszuruhen, Sport zu treiben oder Wellness.

Falls Du es doch nicht lassen kannst: Hier noch ein wenig Material zum Prokrastinieren:

Interessanter Aufsatz: Why I Taught Myself to Procrastinate / Prof. Adam Grant

Einige hilfreiche Prokrastinationsseiten:  Für diejenigen, die nach Prokrastinatios-Möglichkeiten suchen: Prokrastination leicht gemacht: 20 großartige Seiten zum Zeit totschlagen

 

Prokrastinierst Du noch oder schreibst Du schon? „To Go“:

  • Prokrastination macht schlechte Gefühle.
  • Prokrastination hat auch ihre guten Seiten, denn wer (nur ein bisschen) prokrastiniert, ist kreativer.
  • Prokrastinieren steht auch für das Verdrängen von anderen Themen, wie z.B. Unsicherheiten, Konflikten, fehlender Perspektive.
  • Durch neue Gewohnheiten und Arbeitsroutinen kannst Du etwas gegen das Prokrastinieren, bzw. die Aufschieberitist unternehmen.

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