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Perfektion und Promotion

Perfektion und Promotion

Zwischen Perfektion und fertig werden

Perfektion und Promotion: Je länger die Promotion dauert, desto perfekter muss sie sein – logo! Das denken viele Promovierende. Eine Dissertation zu schreiben ist aber ein höchst komplexer Prozess und das geht nun mal nicht so schnell. Und: Nur eine eingereichte Dissertation ist eine gute Dissertation! Denn nur dann kannst Du den Doktortitel tragen und Dich anderen Projekten widmen.

Kennst Du das?
Die Dissertation soll möglichst perfekt werden und Deine eigenen Ansprüche wachsen mit dem Fortschritt im Promotionsprozess. Du denkst ständig daran, wer Deine Dissertation lesen wird und welche Kritik die Leser und Leserinnen haben? In der Realität aber gibt es keine perfekte Promotion. Entweder ist die Dissertation perfekt oder sie ist eingereicht! Beides geht irgendwie nicht….

Eine Promotion dauert…

Warum es beim Schreiben der Doktorarbeit immer wieder stockt hat unterschiedliche Ursachen: Eine Promotion ist ein komplexes Projekt und stellt viele Anforderungen an die Promovierenden. Außerdem ist immer noch die Angst davor, nicht gut genug zu sein. Des Weiteren gibt es viele äußere Bedingungen, die den Promotionsprozess verlangsamen. Viele Promovierende gehen einer Erwerbsarbeit nach, zum Beispiel als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in oder außerhalb der Universität, was die Abgabe der Dissertation hinausgezögert. Zusätzlich gibt es neben der Erstellung der Dissertation noch weitere Qualifizierungsnotwendigkeiten, zum Beispiel die Vorbereitung auf eine Postdoc- Stelle, hochschuldidaktische Qualifizierung, der Erwerb von Schlüsselkompetenzen zum Promovieren oder andere Weiterbildungen, die Dich auf die Zeit nach der Promotion vorbereiten. Bei vielen ist die Zeit der Promotion auch die Zeit, in der Sie Familienaufgaben übernehmen oder gar eine Familie gründen. Auch das beeinflusst die Dauer des Promotionsprozesses.

Mit der Promotionsdauer wächst der Anspruch

Solange die Promotion dauert, desto größer ist die Unsicherheit. Einzelne Kapitel werden ständig überarbeitet und die Einreichung der Dissertation wird hinausgezögert. Der Text ist nie gut genug und in dem Zuge des ständigen Überarbeitens weitet sich das Thema auch noch einmal aus, statt eingegrenzt zu sein. So wirst Du nach und nach zur/m absoluten Experten/in, allerdings ohne einen Doktortitel. Vielleicht drehst Du sogar noch einige Schleifen, etwa mit Lehraufträgen oder anderen Projekten, aber die Dissertation findet ihr Ziel, nämlich die Einreichung beim Promotionsausschuss, nicht.

Bleibe realistisch, was Deine individuellen Rahmenbedingungen betrifft

Welche Rahmenbedingungen bestimmen Deinen Promotionsprozess? Wie viel Zeit hast Du für die Promotion und wie viel Zeit benötigst Du für andere Dinge. Hast Du genug Zeit in der Woche, um an Deiner Promotion zu arbeiten? Welche Bedingungen hast Du sonst? Hast Du eine unterstützende Promotionsbetreuung? Bist Du finanziell abgesichert? Hast Du Vorerfahrungen, was Dein Promotionsthema betrifft? Hast Du alle Kompetenzen, die Du für Deine Promotion brauchst oder musst Du diese noch erwerben? Verwendest Du bereits bekannte Theorien, Methoden oder benötigst Du Zeit, um Dich darin einzuarbeiten?

Bleibe realistisch mit dem, was Du schaffen kannst und was nicht. Verpflichte Dich, unter den gegebenen Umständen Dein Bestes zu geben. Nicht mehr und auch nicht weniger!

Vergleiche Dich nicht mit anderen

Sich mit anderen zu vergleichen, kann in der Promotionsphase tödlich sein. Naja, nicht ganz tödlich-aber es kann schon dafür sorgen, dass Du nicht mehr an Dich glaubst.  Das wiederum beeinflusst Deinen Promotionsprozess und Deine Motivation ganz gewaltig. Ja, es kann sein, dass andere Leute schneller, schlauer und besser sind als Du. Aber das ist einfach nicht wichtig. Entscheidend ist, dass Du fertig wirst. Fokussierte Dich auf Dein Promotionsprojekt und bringe es zum Abschluss!

Entscheide für Dich, was perfekt sein muss

Perfektion und Promotion? Auf jeden Fall nicht die gesamte Promotion! Betrachte Dein Promotionsprojekt nicht als ein ganz großes Projekt, sondern betrachte die einzelnen Teile. Bestimme für Dich, welche Teile perfekt sein müssen und welche etwas weniger perfekt sein können. Wenn Du alle Teile hundertprozentig perfekt haben möchtest, ist es sehr unwahrscheinlich, dass Du fertig wirst. Vielleicht gibt es einzelne Teile, bei denen Du sagst, dass 80 % von 100 % gut genug sind. Möglicherweise ist das abhängig von Deinen Gutachterinnen und Gutachtern. Wenn Du weißt, worauf diese Wert legen, kannst Du Dich darauf konzentrieren, auch genau diese Teile annähernd perfekt hinzubekommen.

Der erste Entwurf ist selten perfekt

Zugegebenermaßen gibt es Menschen, die auch im ersten Entwurf perfekt sein können. Ich persönlich habe in den letzten 20 Jahren erst eine Promovierte getroffen, die das von sich behauptet hat (und der ich es irgendwie auch geglaubt habe). Darum sei Dir bewusst, in welcher Phase der Produktion Du gerade bist. Auf dem Weg zur Perfektion durchläuft Deine Dissertation verschiedene Stationen. Bevor es perfekt oder zumindest ziemlich gut ist, ist alles ein Entwurf, ein Rohtext. Blogbeitrag „Umgang mit der eigenen, kritischen Stimme“

Schaffe Arbeitssystematiken/Arbeitsroutinen

Beginne Deine Arbeitsprozesse systematisch. Beobachte in einem ersten Schritt, wie Du Deine Arbeit strukturierst, beispielsweise wie Du schreibst. Überlege, ob Deine Arbeitsprozesse sinnvoll sind und stelle sie gegebenenfalls um. Beispielsweise kannst Du für jeden Schreibprozess mit einer Liste beginnen, auf der Du notierst was Du in der Dir zur Verfügung stehenden Zeit schreiben möchtest. Dann sammeln, sortieren, strukturieren, (Roh-)Texte überarbeiten, usw.. Bestimme Zeiten, in denen Du recherchierst, planst, denkst, liest und schreibst.

To Go: Perfektion und Promotion

Die Promotion an sich ist ein komplexes Projekt, das aus verschiedenen Teilprojekten besteht. Nicht jedes Teil des Gesamtprojektes kann perfekt werden (jedenfalls nicht, wenn Du planst irgendwann Deine Dissertation einzureichen). Die Begriffe Perfektion und Promotion schließen sich nicht aus, aber sie stimmen in der Praxis  in den seltensten Fällen überein.

Um Deine Dissertation irgendwann einmal einzureichen, solltest Du folgende Dinge beachten:

  • Mache Dir die Rahmenbedingungen bewusst. Nicht alle Promovierenden haben die gleichen Ausgangsbedingungen und werden gut unterstützt. Gib Dein Bestes, aber nicht Dein Unmögliches!
  • Vergleiche Dich nicht mit anderen, Du bist Du, Dich und Dein Promotionsprojekt gibt es kein zweites Mal.
  • Realistisch ist, dass Du einige Teile Deiner Dissertation nahezu perfekt hin bekommst und andere nicht. Entscheide, welche Teile perfekt sein sollen und wo Du Abstriche machen musst. Nur eine fertige Promotion beschert Dir einen Doktortitel.
  • Mache Dir bewusst, dass Dein Projekt unterschiedliche Stationen durchläuft. Erfahrungsgemäß ist der erste Entwurf nicht perfekt. Überlege Dir eine Überarbeitungsstrategie!
  • Schaffe Dir eine Arbeitssystematik. Gehe nach einem von Dir entwickelten Muster vor, so musst Du nicht jedes Mal das Rad neu erfinden.

Die Dissertation wird immer größer sein als Du! Hier geht es zum Blogbeitrag!

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