How to Academia: Karriere- und Persönlichkeitsentwicklung in der Wissenschaft

Ein Gespräch mit Dr. Holger Angenent über Verantwortung, Rahmenbedingungen und echte Unterstützung in der Promotionsphase

How to Academia

Coachingzonen-Podcast: Episode 292

Dr. Holger Angenent leitet das Zentrum für Qualitätsverbesserung in Studium und Lehre an der Hochschule Rhein-Waal und unterstützt als Teil des Coachingzonen-Teams Promovierende im Programm Fokus-Promotion. Im Gespräch mit mir teilt er seine Erfahrungen  und berichtet vom Meeting „How to Academia: Karriere- und Persönlichkeitsentwicklung in der Wissenschaft“ bei Fokus-Promotion.

Perspektive entwickeln

Dr. Holger Angenent kennt alle Stationen der akademischen Karriere. Seine zentrale Botschaft: Promovierende brauchen nicht nur einen Plan A, sondern auch Plan B und Plan C. Das Problem vieler Promovierender ist, dass sie von dringenden, kurzfristigen Aufgaben getrieben werden und sich nicht mit den grundlegenden, wirklich wichtigen Fragen beschäftigen, weil diese oft nicht dringlich erscheinen.

Das Meeting „How to Academia“ ein Reflexionsraum für Promovierende

Im monatlichen Meeting „How to Academia“ bei Fokus-Promotion arbeitet Holger Angenent mit Promovierenden an drei Schwerpunkten:

1. Karrierewege in der Wissenschaft
Wie lässt sich die eigene Karriere planen und aufbauen? Welche Tätigkeiten gibt es neben dem Forschen – von Lehre über Anträge schreiben bis zu anderen akademischen Aufgaben? Und wie lassen sich diese Tätigkeiten anpassen und optimieren?

2. Alltag als wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in
Wie geht man mit Lebens- und Familienplanung in einer beruflich unsicheren Situation um? Über 90 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeitenden haben befristete Verträge. Das ist eine enorme Herausforderung für die Karriereplanung und auch die eigene Selbstwirksamkeit.

3. Persönliche Entwicklung
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bietet die Promotionsphase auch Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Hier geht es darum, positive Aspekte zu nutzen, ohne die Realität schönzureden.

So läuft das Meeting ab:
Dr. Holger Angenent setzt für jede Sitzung ein Schwerpunktthema. Er stellt beispielsweise provokante Thesen zur Diskussion oder nutzt digitale Whiteboards zur Selbstreflexion. Das Ziel des Meetings ist immer, dass die Promovierenden konkrete Lösungen, Ideen und Handlungsoptionen  mitnehmen.

Die Teilnehmenden können eigene Themen einbringen. So entstand beispielsweise ein Meeting zu Jobs im „Third Space“ – wissenschaftsnahen Tätigkeiten zwischen Wissenschaft und Verwaltung. Auch aktuelle Debatten wie #IchbinHanna oder Berichte über Machtmissbrauch in der Wissenschaft werden aufgegriffen. Dabei geht es immer um die Frage: Wie kann man trotz schwieriger Rahmenbedingungen für sich einen möglichst guten Weg durchs System finden?

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Das Besondere am Format:
Das Meeting ist mehr als ein Workshop, es ist ein regelmäßiger Reflexionsraum und eine Art Mentoring. Einmal im Monat können Promovierende gemeinsam ihr Tun reflektieren und neue Strategien entwickeln. Holger Angenent bringt dabei seine eigenen Erfahrungen ein, betont aber immer, dass es viele unterschiedliche Wege gibt.

Seine berufliche Position ermöglicht ihm unterschiedliche Perspektiven auf die Promotion. Er arbeitet mit wissenschaftlichen Mitarbeitenden zusammen und kann viele Gedanken und Herausforderungen aus einer anderen Perspektive bewerten als damals in der eigenen Promotionsphase.

Vom dringenden zum wichtigen Handeln

Ein zentrales Thema im Meeting ist die Unterscheidung zwischen dringenden und wichtigen Aufgaben. Holger Angenent arbeitet mit Promovierenden daran, langfristige Ziele zu entwickeln, vom großen Karriereziel bis hin zur konkreten Tagesplanung. Nur so lässt sich filtern, welche Aufgaben wirklich wichtig sind, weil sie auf die langfristigen Ziele einzahlen.

Die Bedeutung von Austausch und Selbstfürsorge

Dr. Holger Angenent weiß, dass die Wissenschaft als Leistungskultur in einem chronisch unterfinanzierten System ist, in dem nur Exzellenz zu zählen scheint. Promovierende arbeiten dazu oft isoliert und in großer Abhängigkeit, ein Umfeld, das enormen Druck erzeugt.

Was hilft? Der Austausch mit Gleichgesinnten. Durch das Erfahren, dass es anderen ähnlich geht, und durch ehrliche Gespräche über Selbstzweifel, ist Wachstum möglich. Diese Form der Selbstfürsorge steigert nicht nur die Resilienz, sondern auch die Leistungsfähigkeit.

Im Meeting „How to Academia: Karriere- und Persönlichkeitsentwicklung in der Wissenschaft“  soll es um Lösungen gehen. Kleine Schritte,  die  hin zu einem besseren Umgang mit sich selbst und der eigenen Arbeit.

Ein zentraler Punkt: Promovierende sollten sich selbst genauso ernst nehmen wie ihre Arbeit. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber eine echte Herausforderung und eine Grundvoraussetzung, um mit den strukturellen Unsicherheiten der Promotionsphase umzugehen.

Hoffnungsvolle Entwicklungen

Trotz aller Herausforderungen in der Wissenschaft gibt es positive Trends: Social Media macht sichtbar, was früher im Dunkeln blieb. Initiativen wie #IchbinHanna oder Accounts von Science-Influencer*innen schaffen Aufmerksamkeit für problematische Strukturen.

Auch die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes kann ein Schritt in die richtige Richtung sein – vielleicht ist es nicht der große Wurf, aber der Druck ist richtig. In ein paar Jahren werden wir vermutlich und hoffentlic sagen können, dass es ein Zwischenschritt in die richtige Richtung war.

Die digitale Vernetzung ermöglicht kollektiven Druck und Solidarität, das sind wichtige Ressourcen für Veränderung. Der Austausch in Fokus-Promotion hilft Promovierenden dabei, Selbstwirksamkeit zu entwickeln und gemeinsam zu wachsen.

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