Eine kumulative Promotion ist eine publikationsbasierte Promotion und besteht im Gegensatz zu einer Monografie aus verschiedenen Aufsätzen. Bei den Aufsätzen handelt es sich um mehrere publizierte, oder zur Publikation angenommene, wissenschaftliche Beiträge in Fachzeitschriften. Dabei müssen die verschiedenen Beiträge einer inhaltlichen Logik folgen und müssen thematisch zusammenhängen.

Hier findest du die meist gestellten Fragen mit den entsprechenden Antworten zum Thema der kumulativen Promotion bzw. der kumulativen Dissertation. Sollten sich weitere Fragen ergeben, wird dieser Blogbeitrag regelmäßig ergänzt. Was man vor der Entscheidung für oder gegen eine kumulative Promotion bedenken sollte, hatte ich in einem anderen Blogbeitrag beschrieben.

Formale Voraussetzungen der kumulativen Dissertation

Die Möglichkeit des kumulativen Promovierens ist durch die Promotionsordnung geregelt. Sie regelt nicht nur die Anzahl, sondern auch die Art der Beiträge. Das können beispielsweise Publikationen oder zur Publikation angenommene Manuskripte sein, die in renommierten Fachzeitschriften publiziert werden. Es können auch Beiträge in hochwertigen Sammelbänden oder auch die Ko-Autorenschaft in und von Monografien sein.

 

Alleinautor*innenschaft und in Ko-Autor*innenschaft

Die Anzahl der Publikationen in Alleinautor*innenschaft und in Ko-Autor*innenschaft ist je nach Promotionsordnung unterschiedlich geregelt. Dabei ist zu beachten, dass Beiträge, die nicht allein verfasst wurden, auch nur maximal zur Hälfte zählen. Es ist wahrscheinlich, dass die Beiträge prozentual auf die Anzahl der Autor*innen umgerechnet werden. Wichtig wird das, wenn es darum geht zu ermitteln, ob die Mindestzahl der geforderten Publikationen für die kumulative Promotion erreicht wurde. Es kann hinzukommen, dass nur eine begrenzte Anzahl von Publikationen in Ko-Autorenschaft zur kumulativen Promotion gezählt werden können.

 

Peer-Review-Verfahren

Ebenfalls ist in der Promotionsordnung geregelt, wie viele der Beiträge ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen haben – und wie viele davon in Alleinautor*innenschaft geschrieben sein müssen.

 

Synopse, Mantel- oder Rahmentext

Zu einer kumulativen Promotion gehört auch eine Synopse bzw. ein Mantel-/Rahmentext. Dieser stellt für die einzelnen Beiträge der kumulativen Promotion einen inhaltlichen Zusammenhang her. Hier wird die Diskussion der Methoden geführt und beispielsweise begründet, auf welcher übergeordneten Theorie die einzelnen Aufsätze basieren. Die eingereichten Aufsätze werden auf eine Meta-Ebene betrachtet und diskutiert. Außerdem kann vorgesehen sein das in der wissenschaftlichen Synopse zudem der selbständige wissenschaftliche Anteil der eigenen Leistung an gemeinsam publizierten Aufsätzen ist.

 

Nachweise der Leistungen

Schlussendlich gibt die Promotionsordnung auch vor, in welcher Form die Ko-Autor*innen schriftlich erklären, welchen Anteil der/die Promovend*in den an gemeinsam publizierten Beiträgen erbracht hat. Auch wie das erfolgte Peer-Review nachgewiesen wird, ist der Promotionsordnung zu entnehmen.

 

Kumulative Promotion – Fragen und Antworten

 

In welchen Medien sind Beiträge für eine kumulative Promotion möglich?

Die Promotionsordnung regelt, welche Medien für die Beiträge einer kumulativen Promotion infrage kommen. Beispielsweise können die Beiträge in Fachzeitschriften der jeweiligen Disziplin publiziert werden. Das weiteren kann eine Publikation in Monografien anerkannter wissenschaftlicher Verlage publiziert werden. Letztendlich wird es aber eine Absprache mit der Promotionsbetreuung sein, welche Medien in Frage kommen.

 

Wer bestimmt, was anerkannte Fachzeitschriften und anerkannte wissenschaftliche Verlage sind?

Zu Beginn der Promotion wird mit der Promotionsordnung ein Publikationsplan vereinbart. In dem Zuge werden auch die Medien bestimmt – und da ist die Promotionsbetreuung Expert*in für die Fachzeitschriften.

Übrigens kann es immer mal sein, dass der Publikationsplan nicht eingehalten wird bzw. eingehalten werden kann. Jede Veränderung sollte mit der Promotionsbetreuung abgesprochen werden, um spätere Probleme zu vermeiden.

 

Was meint ‚innerer Zusammenhang‘?

Mit dem inneren Zusammenhang einer kumulativen Dissertation ist gemeint, dass die einzelnen Aufsätze in einem Themenspektrum geschrieben sind. Dabei geht es darum, dass die einzelnen Beiträge Bezüge zueinander haben und nicht zu verschiedenen Themen geschrieben sind. Da kumulative Promotion ja auch oft im Rahmen von wissenschaftlichen Projekten entstehen, ist davon auszugehen, dass die Inhalte der einzelnen Aufsätze auch im Zusammenhang des Projekts geschrieben werden. Auch hier ist eine Beratung durch die Promotionsbetreuung dringend angeraten.

 

Was ist im Rahmen von Ko-Autor*innenschaft zu beachten?

Gemeinsame publizieren ist in der Wissenschaft meist üblich. In einigen angesehenen wissenschaftlichen Fachzeitschriften ist eine Publikation ohne einen großen Namen gar nicht möglich. Darum publizieren manche Promovierende gemeinsam mit ihrer Promotionsbetreuung oder im Projektzusammenhang mit anderen wissenschaftlichen Mitarbeitenden.

Zunächst ist es wichtig, die Promotionsordnung zu diesem Thema genau zu studieren. Manchmal ist es ausgeschlossen mit anderen zu promovieren oder die Möglichkeit der gemeinsamen Publikationen ist eingeschränkt, beispielsweise ein Aufsatz von dreien.

Zum anderen ist es wichtig, mit einer Erklärung der Ko-Autor*innen zu belegen, welchen Anteil die eigene Leistung an dieser gemeinsamen Publikation hat. Möglicherweise gibt es einen Vordruck in der Fakultät, der dann von den Ko-Autor*innen ausgefüllt und unterschrieben werden kann. Falls das nicht der Fall ist, solltest Du die Ko-Autor*innen selbst um eine Bescheinigung bitten, in der deutlich wird, welches Dein Anteil war. Bei der Einreichung der fertigen Dissertation legst Du die Erklärungen jeder Ko-Autorin und jeden Ko-Autors dazu. Aufgeführt sollte in dieser Erklärung sein um welchen Beitrag es sich handelt, in welchem inhaltlichen Zusammenhang der Beitrag entstanden ist, welches Projekt/Institut beteiligt war und wie der inhaltliche Entwicklungsprozess dieses Artikels war. Das hört sich jetzt viel an, aber letztendlich ist das in einigen Sätzen zu schaffen. Dazu kommt dann noch eine kurze Darstellung Deiner inhaltlichen Leistung sowie der Eigenbetrag an diesem Artikel in Prozent.

Ob Du das so ausführlich machen musst, wie hier vorgeschlagen oder etwas weniger ausführlich, erfährst Du in der Promotionsordnung. Wichtig ist, dass diese Erklärung der Ko-Autor*innen unterschrieben ist, wenn mehr als eine Person beteiligt ist natürlich dann auch von allen unterschrieben ist.

 

Was sollte ich zum Thema einem Peer-Review-Verfahren beachten? Wie weise ich das nach?

Zunächst ist auch hier wichtig, die Promotionsordnung gründlich zu lesen. Was sagt sie zum Thema Peer-Review? Wie viele der Publikationen sollen im Peer-Review-Verfahren gewesen sein? Nachweisen kannst Du es, indem Du die Verfahrensweise des Verlags dazu legst und für jedes peer-reviewte Paper ein Überblick machst, was wann wie gelaufen ist. Es kommt ein bisschen darauf an, in welchem Fach Du promovierst. Wenn es eine größere Fakultät ist, kann es schon sein das nicht allen in der Prüfungskommission oder im Promotionsausschuss klar ist, welche Zeitschriften wie verfahren. Es kann auch sein, dass Du überhaupt nichts dazulegen musst, weil alle Beteiligten die Zeitschriften kennen. Das wirst Du herausfinden, wenn Du herumfragst bzw. Personen befragst, die bereits promoviert haben. Verlässliche Auskunft darüber kann Dir der Promotionsausschuss geben – im Zweifelsfalle also lieber dort fragen bzw. auf der Webseite schauen ob es Informationen dazu gibt.

 

Müssen die Beiträge der kumulativen Promotion veröffentlicht sein oder reicht es, wenn sie zur Veröffentlichung angenommen sind?

Ob die Beiträge publiziert sein müssen oder lediglich zur Veröffentlichung angenommen sein sollen, steht in der Promotionsordnung. Das ist von Fakultät zu Fakultät verschieden und kann nur für jeden Einzelfall herausgefunden werden.

 

Muss ich eine kumulative Dissertation ausdrucken?

Ja, auch eine kumulative Dissertation muss ausgedruckt werden. Sie besteht aus der Synopse. Mantel bzw./Rahmentext sowie den einzelnen Artikeln. Zu der Dissertation müssen alle formalen Anträge, die dazu gehören, wenn man eine Promotion einreicht, mit eingereicht werden. Zusätzlich zur kumulativen Promotion gehören die Bescheinigungen/Erklärungen zu den Ko-Autor*innenschaften und zum Peer-Review-Verfahren.

 

Wie läuft das mit der Bewertung der kumulativen Dissertation?

Die kumulative Dissertation wird genauso begutachtet wie eine Monografie. Das bedeutet, dass Erstgutachter *in und Zweitgutachter*in ein Gutachten verfassen. Das weitere Verfahren ist ähnlich ich wie bei einer Monografie, also Auslage der Arbeit und Disputation. Genaue Informationen dazu bietet die Promotionsordnung, die natürlich auch in jeder Fakultät unterschiedlich ist.

 

Kann ich von einer kumulativen Promotion zu einer Monografie wechseln?

Manchmal stellt sich erst im Promotionsverlauf heraus, ob eine kumulative Promotion oder eine Monografie die bessere Wahl gewesen ist. Oft ist sie Promotionszulassung dann bereits erfolgt und es müsste ein Wechsel zwischen einer Promotion mit Monografie zu einer kumulativen Promotion, oder umgekehrt, stattfinden. Ob das möglich ist, ist in der Promotionsordnung zu erfahren. Sollte die Promotionsordnung dazu keine Regelung bereithalten, lohnt sich ein Gespräch mit dem Promotionsausschuss. Möglicherweise ist es möglich, einen begründeten Antrag auf den Wechsel der Publikationsform an den Promotionsausschuss zu stellen.

 

Muss ich eine kumulative Promotion veröffentlichen?

In den meisten Promotionsordnungen steht, dass die Promotionsurkunde erst vergeben werden kann, wenn die Dissertation veröffentlicht ist. Darum ist hier zu erfahren, wie die Veröffentlichung der gesamten Dissertation geregelt ist. Denn es ist so, dass die einzelnen Beiträge ja bereits veröffentlicht sind bzw. zur Veröffentlichung angenommen sind. Eine weitere Veröffentlichung würde bedeuten, dass womöglich die Rechte Dritter, nämlich der Verlage, verletzt werden.

Sollte es vorkommen, dass in der Promotionsordnung (noch) keine Regelung zur Endveröffentlichung einer kumulativen Promotion getroffen ist, ist es angebracht bei der Universitätsbibliothek nachzufragen. Meistens genügt es, eine bestimmte Anzahl der Dissertation, im Eigendruck an die Universitätsbibliothek zu liefern. Die Universitätsbibliotheken haben oft Ansprechpersonen für dieses Thema.

 

Noch Fragen?

Ich hoffe, hier wurden nun die dringendsten Fragen zum Thema kumulative Promotion geklärt. Solltest Du darüber hinaus noch Fragen haben, sende mir gerne eine Mail.

 

Dr. Jutta Wergen

 

Wissenschafts -Coach, Schreibtrainerin, Schreibcoach für wissenschaftliches Schreiben, Sozialwissenschaftlerin, Autorin, Trainerin im Hochschulkontext, Hochschuldidaktische Multiplikatorin, Nachwuchsförderung und -forschung. Workshops, Einzelcoachings, Moderationen, Konzeptionierungen und immer bereit für neue Ideen!

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