Die eigene Wissenschafts-Webs(e)ite – Als Wissenschaftler*in im Netz sichtbar werden

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten eine eigene Webseite haben! Dabei geht es nicht nur um wissenschaftliche Positionierung, sondern auch um Sichtbarkeit in einer Umgebung, in der 93 % des wissenschaftlichen Nachwuchses befristet beschäftigt sind (Buwin 2017: http://www.buwin.de/ ). Eine befristete Beschäftigung bedeutet nämlich auch eine „befristete Webseite“ und daraus folgt eine befristete Sichtbarkeit.

Die Sichtbarkeit in der Wissenschaft beeinflusst Kooperationsmöglichkeiten und Karrieren. Eine eigene Webseite mit Forschungsprojekten, Veröffentlichungen und  Tagungsbeiträgen ist da  eine gute Idee. Das gilt insbesondere für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die auf der Suche nach Ressourcen sind (und das sind sie ja irgendwie immer). Besonders dann, wenn es um Stellen in- und außerhalb der Wissenschaft, (Junior-) Professuren geht oder wenn Kooperationen mit anderen Forschenden und Drittmittelgebenden gesucht werden, kann die eigene Internetpräsenz ein Vorteil sein.

Eine Möglichkeit des Selbstmarketings unter der Sichtbarkeit ist eine eigene Webseite (einen Blogbeitrag über Twitter und Facebook gibt es hier). In der Regel haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen bei den Hochschulen und Universitäten zwar eine eigene Personen-Webseite, dennoch sollte auch hier über eine eigene, von der Hochschule unabhängige Webseite nachgedacht werden. Das hat zwei Gründe: Erstens haben die Personen-Webseiten der Hochschulen keine individuellen Gestaltungsmöglichkeiten, weder was die Struktur noch das Design betrifft. Meistens sind Kategorien wie Kontakt, Lehrveranstaltungen und Veröffentlichungen vorgegeben und nicht individuell anzupassen. Und zweitens -das ist viel wichtiger- sind die Daten weg, sobald du die Hochschule verlässt. Möglicherweise gibt es noch auf  einzelnen Instituts-Webseiten die Kategorie „Ehemalige“, aber das war‘s dann auch – Du bist als Forscher*in verschwunden. Und außerdem musst Du, falls Du eine neue Uni-Webseite bekommst, alles wieder neu eintragen.

Eine eigene Webseite erlaubt sowohl eigene Gestaltungsmöglichkeiten sowie eine dauerhafte Präsenz der eigenen Person und der wissenschaftlichen Leistungen. Vor allem erlaubt sie die ständige Präsentation des eigenen Forschungsprofils und die öffentliche Besetzung wissenschaftlicher Themen.

Statische Visitenkarte im Netz oder ein Blog?

Bei der Gestaltung der eigenen Webseite in der Wissenschaft gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Um die Entscheidung für eine eigene Webseite zu erleichtern, würde ich hier gern die Unterscheidung in „Visitenkarte im Netz“ und Wissenschaftsblog vornehmen. Wobei ich am Ende aufzeige, dass es auch einen Kompromiss zwischen Personen-Webseite und Themen-Webseite geben kann.

Personen-Webseite bzw. Visitenkarte im Netz

Bei der Personen-Webseite stellst Du Dich als Person mit ihrem Forschungsprofil dar. Möglicherweise sind die Kategorien, die Du bedienen möchtest, gar nicht so viel anders, als die der Personen-Webseite der Hochschulen. Du stellst Dich damit als Person in den Mittelpunkt, stellst Deine Biografie dar. Dazu kommen eigene Forschungsschwerpunkte. Vielleicht hast Du (auch schon während des Studiums) publiziert, etwa in einem Lehrforschungsprojekt oder mit anderen Studierenden oder mit Lehrenden? Das kannst Du natürlich mit hereinnehmen. Die Kategorien Deiner Visitenkarte im Netz/Deiner eigenen Webseite könnten beispielsweise sein: Curriculum Vitae, Forschungsprojekte in denen Du mitgearbeitet hast, Übersicht über Deine Lehrveranstaltungen, Deine Publikationen und Vorträge, Preise und Auszeichnungen und Forschungsaufenthalte im Ausland.

Optional könntest Du in Deine Personenseite eine Kategorie „Aktuelles“ einfügen, in der du so eine Art Statusmeldungen veröffentlichst, etwa mit wem du gemeinsam an einem Paper schreibst, auf welche Tagung du demnächst gehen wirst oder welche Lehrveranstaltung du planst. Du könntest auch Erfolgsmeldungen schreiben, etwa wenn du ein Zertifikat zum Beispiel ein hochschuldidaktisches Zertifikat erhalten hast.

Themen-Webseite bzw. Blog

Eine andere Möglichkeit als Forscher oder Forscherin sichtbar zu werden ist ein eigenes Blog. Ein Wissenschafts-Blog hilft dabei, ein Thema zu besetzen und mit diesem Thema weit sichtbar zu sein. Allerdings leben Blogs davon, dass sie regelmäßig bespielt werden. Das bedeutet, dass Wissenschaftler*innen ihren eigenen Blog regelmäßig mit frischen Texten füllen sollten. Neben dem Verfassen eigener Artikel können natürlich auch Interviews mit anderen Forschenden publiziert – oder Gastartikel veröffentlicht werden. Die eigene (Forschungs-) Person kann natürlich auch in einem Blog positioniert werden – auch hier ist es möglich die Kategorie „über mich“ einzufügen und Forschungsprojekte, Tagungsbeiträge und Veröffentlichungen aufzuführen.

Eine Alternative dazu, allein ein eigenes Blog zu betreiben, ist es gemeinsam mit anderen zu bloggen. Besonders wenn mehrere (Nachwuchs-) Wissenschaftler*innen zu einem Thema forschen, bietet sich eine gemeinsame Themen-Webseite an.

Hier einige Blogs von Forschenden: http://scienceblogs.de/ Und Susanne Geu hat in ihrem Blog schon etwas zum Thema Bloggen in der Wissenschaft geschrieben: https://susannegeu.de/bloggen-fuer-die-wissenschaftskarriere/

Die eigene Wissenschafts-Webseite – Einfach machen!

Ob Du für die eigene Sichtbarkeit eher eine Themenseite oder eine Personen-Seite bevorzugst, hängt davon ab, wie viel Zeit du investieren möchtest oder kannst. Der Vorteil eines Blogs besteht darin, dass er stetig wächst und über Suchmaschinen von allen Menschen gefunden wird, die sich für Dein Thema interessieren. So werden auch Personen auf Dich aufmerksam, die nicht nach Dir gesucht haben.

Eine Zwischenlösung wäre allerdings auch möglich, eine Personen-Webseite mit einem etwas größeren Themen-Teil, in dem du regelmäßig über die Fortschritte Deines Forschungsprojekts berichtest. Dieser Thementeil könnte zu einem Blog werden, indem Du dann immer öfter Wissenswertes um Dein Thema berichtest, Thesen aufstellst oder mal ein Interview führst.

Wichtig ist bei einer eigenen Webseite, egal ob es eher eine Personen-Webseite oder eine Themen-Webseite, dass alle Informationen stets aktuell sind. Das bedeutet, dass Du diese Webseite regelmäßig pflegst und aktualisierst.

Das Design ist auch wichtig, lass Dich wegen der Farben und Formen beraten. Vielleicht fotografierst Du gerne – dann mache Deine Webseite mit vielen Bildern! Und apropos Bild – professionelle Fotos von Dir selber, ggf, auch während Du einen Vortrag hältst oder anders wissenschaftlich tätig bist,  machen sicher etwas her.

Wenn Du jetzt überlegst, eine eigene Webseite an den Start zu bringen, kannst du zunächst auch einmal klein anfangen und die Webseite nach und nach ausbauen. Auch wenn Du als nachwuchswissenschaftler*in noch nicht viel vorzuweisen hast, solltest du schon anfangen. Klein angefangen sind auch die Großen mal!

Eine Domain kaufen, etwas Webspace und schon kann es losgehen. Mit WordPress kann man beispielsweise eine ganze Menge machen. Es gibt zahlreiche Videos, wie so etwas geht – oder Du lernst es bei der VHS. Du kannst Dir auch eine Webseite professionell erstellen lassen – achte nur darauf, dass die Möglichkeit enthalten ist, die eigene Webseite selbst zu pflegen.

Vielleicht ist es jetzt schon wichtig, zu überlegen wie der Name deiner Webseite sein soll. Bei einer Personen-Seite ist es wahrscheinlich schnell klar, denn du wirst Deinen eigenen Namen verwenden. Bei einer Themen-Webseite müsstest du vielleicht etwas länger überlegen. Zusätzlich ist es natürlich auch möglich, mehrere Domains anzulegen und diese dann auf eine Domain umzuleiten. Fang einfach an!

Zur Inspiration habe ich dir mal einige Webseiten aufgelistet.

eine Wissenschaftlerin: http://sabrinajmayer.de/

eher für Fortgeschrittene: Prof. Achim Goerres: http://achimgoerres.de/

ein berufsbegleitender Promovierender: https://www.sebastian-sehr.de/

ein Blog mit Lebenslauf und Publikationen: http://andreasbischof.net/