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Wie die „magische Küchenspüle“ Fortschritte in meine Promotion zauberte

Alles unter einen Hut

Was kann man aus einem Buch über Ordnung für die Promotion lernen? Einiges, meint Maria Barthel. Und das funktioniert wirklich.

Gastbeitrag und die Zeichnung des Beitragsbildes von Maria Barthel

Als ich mit meiner Promotion begann war ich 28 Jahre alt, verheiratet und kinderlos. Ich stand also vor einer Frage, die sich vermutlich einige von euch auch schon gestellt haben: Sollte man während der Promotion Kinder bekommen oder lieber danach?

Doch wann ist eigentlich danach? In drei Jahren oder doch eher fünf? Hat man danach sofort einen Job? Wird es ein fester Job oder auch wieder nur eine befristete Projektstelle? Ich entschied mich der Natur ihren Lauf zu lassen.

Es gibt nie den richtigen Zeitpunkt

In der Mitte meiner Promotion änderte sich mein Leben von heute auf morgen. Der Alltag mit meinen Zwillingen zwang mich zum Umdenken. Es war nicht mehr möglich in Ruhe ein Essen zu kochen ohne ständig unterbrochen zu werden. Eigentlich war es nicht mal möglich fünf Minuten am Stück zu essen. Vor allem musste ich mir jedoch etwas überlegen, wie ich trotz dieser neuen Umstände weiterhin ein sauberes Zuhause behalte. Bisher putzten wir samstags die ganze Wohnung in einem Rutsch ohne Unterbrechung. Das ging nun nicht mehr. Bei der Suche nach Lösungen stieß ich auf das Buch „Die magische Küchenspüle“ von Marla Cilly.

Zunächst geht es darum tägliche kurze Routinen einzuführen, wie z.B. die Küchenspüle abends glänzend zu hinterlassen, um morgens nicht erst die Tasse abwaschen zu müssen, um sich einen Kaffee zu machen. Zusätzlich teilt man die Wohnung in Zonen ein und ordnet den Zonen Aufgaben zu. Jede Zone erhält einen kleinen Zeitraum im Monat. Nun putzt man jeden Tag 15 min in der Zone des Tages und am Ende des Monats ist jede Ecke der Wohnung einmal geputzt; auch die Stellen, die man sonst gern vergisst. Das allein reicht natürlich nicht aus. Ohne Wäsche waschenden Ehemann, hätte ich zwar saubere Lichtschalter aber nichts anzuziehen. Dennoch hat mich dieses Zonenkonzept so verzaubert, dass ich überlegte, in welchem Bereich meines Lebens ich dieses noch anwenden kann. Die Antwort war klar, als ich wieder zu arbeiten begann.

Einstieg nach langer Pause mit dem Zonenplan

Es ist nicht so leicht nach einer langen Babypause wieder in die Promotion einzusteigen, daher kam der Zonenplan genau richtig für mich. Ich teilte meine Arbeit zunächst in verschiedene Zonen ein:

  • E-mails lesen
  • Artikel lesen
  • Schreiben
  • Laborarbeit
  • Experimentierplanung
  • Organisatorisches
  • Recherche
  • Aufräumen
  • Unerwartetes usw.

Dann überlegte ich, wann welche Zone sinnvoll wäre zu bearbeiten. Schon in der Schulzeit war ich zwischen 10-12 Uhr am konzentriertesten. Das war daher die richtige Zeit für meine Schreibzone. Ich bemerkte, dass ich besonders produktiv schrieb, wenn ich vorher einen Artikel gelesen hatte. Ich legte also eine Lesezone vor die Schreibzone. Nach dem Mittagessen verfiel ich oft ins Suppenkoma, wenn ich mich nicht bewegte. Das war daher die perfekte Zeit für die Laborzone. Natürlich sah nicht jeder Tag gleich aus und es gab auch Zonen wie „Organisatorisches“ oder „Aufräumen des Computers“, denen ich nur einmal in der Woche Zeit einräumte. Doch so schob ich immer weniger Dinge vor mir her. Immer wenn eine neue Aufgabe aufkam, ordnete ich sie in meinen Zonenplan ein und wenn Zeit für die Zone war, wusste ich sofort was zu tun war. Ich musste nur die passende Aufgabenliste öffnen.

Kenne deine produktiven Zeitfenster

Jeder Zone habe ich unterschiedliche Zeiträume zugeordnet. Morgens und mittags jeweils maximal 15 min E-mails lesen. Den Rest des Tages blieb das E-Mail-Programm geschlossen. So habe ich meinen eigenen Störfaktor Neugier ausgetrickst. Für den Schreibprozess habe ich mir zwei Stunden täglich Zeit genommen. Das klingt nicht viel, doch wenn man mal eine Schreibblockade hat, kann dieser überschaubare Zeitraum sehr motivierend sein. Ist der Zeitraum mal zu kurz, dann machte ich mir eine Notiz für den nächsten Tag und es ging frisch und munter weiter. Auch ein Urlaub warf mich nicht mehr so sehr aus der Bahn, da ich wusste wo ich aufgehört hatte und wo ich weiter machen sollte. Natürlich funktioniert dieses Prinzip nicht für alle, aber mir hat es doch sehr geholfen mich zu fokussieren, trotz Unterbrechungen Fortschritte zu erzielen und vor allem die Promotion, Kinder und Haushalt unter einen Hut zu bekommen.

Marla Cilly (2016) Die magische Küchenspüle. Sich selbst und den eigenen Haushalt auf Hochglanz bringen *Affiliate-Link

Maria Barthel

Ich bin 34 Jahre alt, verheiratet und Mutter von 3-jährigen Zwillingen. Wir wohnen in Berlin. Dort habe ich auch von 2005-2011 Werkstoffwissenschaften (Dipl.-Ing.) an der TU Berlin studiert.
Während des Studiums hab ich 4 Jahre als Studienberatung gearbeitet, war Gründungsmitglied einer Fachschaft und einer dazugehörigen Zeitung. Nach dem Studium war ich bis Dez. 2019 an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) im Bereich Baustofftechnologie als Wissenschaftlerin tätig.

Der erste Entwurf der Dissertation ist im Dezember fertig geworden und liegt derzeit zur Korrektur bei der Betreuerin an der BAM. Nebenbei war ich Beauftragte für Unternehmenskommunikation der Abteilung, aktives Mitglied beim Arbeitskreis Doktoranden und bekennender Workshop-Junkie 🙂

Bei LinkedIn (https://www.linkedin.com/in/maria-barthel-886973180/) hab ich mich mal so beschrieben. Vielleicht hilft es dir einen Eindruck von mir zu bekommen.